BVDM
Möbelhandel mit 2016 zufrieden und für 2017 optimistisch

BVDM-Hauptgeschäftsführer Thomas Grothkopp: „Hohes Interesse an Möbeln und Küchen." Foto: Archiv

Köln.  Der Möbel-, Küchen- und Einrichtungsfachhandel hat 2016 einen um 2,5 Prozent höheren Umsatz erzielt als im Vorjahr und liegt nun bei 33,4 Milliarden Euro Jahres-Bruttoumsatz, wie Thomas Grothkopp, Hauptgeschäftsführer des Verbandes Möbel und Küchen (BVDM) im Rahmen der heutigen Trend- und Wirtschafts-Pressekonferenz von Koelnmesse, VDM und BVDM in Köln bekanntgab. Dies ergebe sich aus Hochrechnungen zum Jahresende auf Basis des Standes Oktober 2016. Für 2017 rechne der BVDM mit einer nochmals leicht steigenden Nachfrage.

Wohnen und Einrichten habe in Deutschland traditionell einen hohen Stellenwert. Die Beschäftigungsquote sei weiter auf Rekordniveau, das verfügbare Einkommen sei auch im vergangenen Jahr gestiegen. Die Furcht, den Arbeitsplatz zu verlieren, sei angesichts der niedrigsten Arbeitslosenquote seit der Wiedervereinigung gering. Das spüre die Branche in positiver Weise. Zudem schalteten Möbel- und Küchenhäuser in einigen Regionen zurzeit mehr Werbung als der Lebensmittelhandel.

Die Kaufbereitschaft der Verbraucher sei angesichts einer niedrigen Inflationsrate und des extrem niedrigen Zinsniveaus auch bei größeren Anschaffungen wie Möbel und Küchen stark ausgeprägt. Inzwischen seien auch die ersten der 2015 und 2016 nach Deutschland geflüchteten Menschen soweit integriert, dass sie bereits eigene Wohnungen bezogen hätten und mit neuen Möbeln ausstatten. Dies sei zunächst im Bereich der SB-Möbelanbieter zu spüren.

Konzentration schreitet fort – Mittelstand behauptet sich

Die Möbel- und Küchenbranche sei immer noch eine typische, mittelständische Einzelhandelsbranche, auch wenn die Konzentration fortschreite. Dank starker Einkaufsverbände, zu denen zwischen 80 und 90 Prozent aller Handelsbetriebe mit mehr als 60 Prozent Anteil am Branchenumsatz gehörten, könnten auch kleinere und mittlere Unternehmen erfolgreich arbeiten. Nur ein Viertel des Umsatzes mache der SB-Bereich aus, einschließlich des Anteils der branchenfremden Vertriebswege wie Baumärkte für den Bereich der Klein- und Mitnahmemöbel. Discount-Verhältnisse wie bei Gütern des täglichen Bedarfs seien bei Möbeln nicht vorstellbar.

Die Konzentration entwickele sich weiter: Die Top 10 im deutschen Möbelhandel erwirtschafteten 2016 bereits über 50 Prozent des Branchenumsatzes und hätten damit weiter Marktanteile gewonnen. Befeuert werde das Wachstum im Wesentlichen durch die Übernahme bestehender Unternehmen.

Der Flächenzuwachs habe sich im vergangenen Jahr abgeschwächt. Insgesamt verfüge der deutsche Möbelhandel über 23 Millionen Quadratmeter Verkaufsfläche. Hiervon würden 5,7 Millionen Quadratmeter – ein Viertel der Fläche – von 165 Häusern mit mehr als 25.000 Quadratmetern Verkaufsfläche betrieben.

Online-Handel wächst weiter

Über 2,3 Milliarden Euro brutto, also 7% des Gesamtumsatzes, seien 2016 mit Möbeln und Küchen erwirtschaftet worden. Eine insgesamt sehr dynamische überproportionale Steigerung. Aber hier dominierten noch auf den Distanzhandel spezialisierte Unternehmen, weniger der beratende, stationäre Handel. Dieser habe sich inzwischen jedoch auch online als komplementären Vertriebskanal entwickelt. Dies sei deutlich an den Multichannel-Aktivitäten der Marktführer zu erkennen, die entweder ihre bisherigen Bemühungen intensivierten oder in den Online-Vertrieb eingestiegen seien. Es werde allerdings auch immer deutlicher, dass es zumindest bei komplexen planungs- und beratungsintensiven Produkten nicht völlig ohne stationäre Präsenz gehe.

Der traditionelle Handel sei daher gefordert, sich den Herausforderungen des Online-Handels zu stellen, seine Kernkompetenzen, die Beratung, individuelle Planung und die fachgerechte Lieferung und Montage der Möbel und Küchen mit den Tools des Onlinehandels zu verbinden. Probate Hilfsmittel wie die Toolbox des Handelsverbandes Deutschland (HDE) hälfen den Mitgliedsunternehmen des BVDM, sich auf dem schwierigen Parkett des Online-Handels von Anfang an sicher zu bewegen.

Küchenmöbel mit 28 Prozent Umsatzanteil stärkstes Segment

Küchenmöbel seien mit 28 Prozent Umsatzanteil nach wie vor die stärkste Warengruppe, gefolgt von Polstermöbeln mit 20 Prozent sowie Wohnzimmermöbel mit 12 Prozent und Schlafzimmermöbeln mit 11 Prozent. Besonders Boxspringbetten seien unverändert ein absoluter Verkaufsschlager, allerdings zu Lasten der Schlafzimmer-Kastenmöbel.

Neben den großen Wohnkaufhäusern zählten die spezialisierten Fachgeschäfte zu den Gewinnern der Branche. Im Küchenhandel würden über 40 Prozent des Küchenabsatzes von Küchenspezialhäusern und Küchenfachmärkten erwirtschaftet, in keinem anderen Sortimentsbereich sei dies so stark ausgeprägt.

Neue Energieverbrauchs-Kennzeichnung belastet den Handel

Exemplarisch für die Regelungswut der europäischen Bürokratie sei die Novelle der Energieverbrauchs-Kennzeichnungsverordnung, nach der sämtliche Geräte in ein neues Klassifizierungssystem eingeordnet werden müssen. In Ausstellung, Werbung und Webshop müssen in kürzester Frist alle Energieklassen ausgetauscht werden. „Der Austausch ist personell und fehlerfrei in den diskutierten Fristen nicht zu machen“, kritisiert Grothkopp. „Die neue Systematik ähnelt der bisherigen, was die Verbraucher irritieren wird. Sie wird in einigen Jahren wiederum abgelöst werden müssen.“ Der BVDM fordere die Lieferanten auf, die neuen Etiketten sowohl in gedruckter Form wie auch elektronisch zur Verfügung zu stellen und den Handel dabei zu unterstützen, die korrekten Label zu identifizieren.

Herausforderung Möbellogistik

Der physische Transport der Möbel von der Industrie zum Handel und von dort zum Kunden werde eines der großen Branchenthemen der nächsten Jahre sein. Da Industrie wie auch Handel und Möbelspeditionen dies erkannt haben, haben sich deren Verbände AMÖ, BVDM und VDM zusammengefunden und das Projekt „ZIMLog“, Zukunftsinitiative Möbellogistik, ins Leben gerufen. Erste verwertbare Ergebnisse in Form eines einheitlichen Datenstandards wie auch verschiedener Handlungsempfehlungen sollen  im Laufe des Jahres 2017 vorliegen und der Branchenöffentlichkeit vorgestellt werden.

9.000 Unternehmen mit 100.000 Beschäftigten

Zur Möbel-, Küchen- und Einrichtungsbranche im engeren Sinn zähle das statistische Bundesamt rund 9.000 Unternehmen. Diese Zahl liege ebenso wie die Zahl der Beschäftigten im Einrichtungshandel mit 100.000 Menschen auf Vorjahresniveau.

Im gesamten deutschen Einzelhandel, der rund 2,7 Millionen Menschen beschäftige – davon 1,4 Millionen in Vollzeit –, stünden derzeit 110.000 junge Leute in einem Ausbildungsverhältnis. Darin sei der vom BVDM und dem Verband der Möbelspediteure initiierte Ausbildungsberuf der Fachkraft für Möbel-, Küchen- und Umzugsservice mit 1.500 Auszubildenden enthalten. Dieser Beruf habe erfolgreich seine „Probezeit“ absolviert und sei dauerhaft als Ausbildungsberuf in das Berufsbildungsgesetz übernommen worden.

Aus- und Weiterbildung an der Fachschule des Möbelhandels

Da die Branche  gut qualifizierte Fachkräfte in allen Bereichen benötige, setze sich der BVDM für die Ausbildung des Branchennachwuchses ein und unterstützt als ideeller Träger die Fachschule des Möbelhandels (Möfa) in Köln-Lindenthal. Die Zahl der Absolventen liegt inzwischen weit über 20.000. Die Fachschule, die zugleich Berufskolleg für die Betriebe im Rheinland sei, und ihre Absolventen seien sehr gefragt.

Positive Erwartungen für das Jahr 2017

Die Erwartungen für das Jahr 2017 sind laut Grothkopp optimistisch. Der BVDM sehe vor allem langfristige Trends, die sich positiv auf die Branche auswirkten: Von Januar bis Oktober 2016 sei in Deutschland der Bau von 308.700 Wohnungen genehmigt worden - 23,4 Prozent mehr als in den ersten zehn Monaten 2015. Die 2010 begonnene positive Entwicklung bei den Baugenehmigungen im Wohnungsbau setze sich somit fort.

Von den in den ersten zehn Monaten 2016 genehmigten Wohnungen waren 259.400 Neubauwohnungen in Wohngebäuden (+20,8 Prozent). Dieser starke Zuwachs zeige sich vor allem bei Mehrfamilienhäusern (+26,9 Prozent). Die Zahl genehmigter Wohnungen in Zweifamilienhäusern sei um 12,9 Prozent gestiegen, in Einfamilienhäusern um 1,1 Prozent. Prozentual am stärksten gestiegen seien die Baugenehmigungen für Wohnungen in Wohnheimen mit 140,3 Prozent. Zu dieser Kategorie zählten unter anderem Flüchtlingsunterkünfte. Damit seien von Januar bis Oktober 2016 mehr Wohnungen in Wohnheimen (20.900 Wohnungen) genehmigt worden als in Zweifamilienhäusern (19.100 Wohnungen).

Ohne Berücksichtigung der Wohnungen in Wohnheimen seien die Baugenehmigungen in neuen Wohngebäuden um 14,1 Prozent gestiegen. Was sehr respektabel sei, wenn man berücksichtige, dass dieser Wohnraum möbliert werden müsse und sich hier ein großes Potential für Neuanschaffungen entwickele.

imm cologne und LivingKitchen stärken Stellung der Branche

Der deutsche Möbelhandel baue auf das Branchenmessen-Duo imm cologne und LivingKitchen in Köln. Er rechne durch die Messen mit positiven Ausstrahl-Effekten auf die Öffentlichkeit und mit zusätzlichen Kaufimpulsen. Möbel und besonders Küchen rückten in der dritten Januar-Woche verstärkt in den Fokus der Medien und ganz besonders der Menschen im Rheinland. Der Stellenwert von schönem Wohnen bekomme dadurch qualitative und quantitative Impulse.

Der deutsche Möbelhandel wird sich, so Grothkopp abschließend, den genannten Herausforderungen stellen. Viele Unternehmen hätten in den letzten Jahren in ihre Ausstellungen und die Qualität ihrer Mitarbeiter investiert. Die Möbelkäufer bekämen erstklassige Ware zu besten Preisen in kundenfreundlichem Ambiente mit Erlebnischarakter und würden von gut ausgebildeten Mitarbeitern beraten. Innerhalb des europäischen Möbelhandels nehme der deutsche Möbelhandel daher zu Recht eine vorbildliche Rolle ein und spiele ganz vorne mit.

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