Deutscher Möbelaußenhandel 2016
Insgesamt „ausgeglichene Außenhandelsbilanz“

Foto: Archiv

Insgesamt betrachtet ergibt sich für die deutsche Möbleindustrie eine „ausgeglichene Außenhandelsbilanz“ für das Jahr 2016, in dem die Exporte um 1,3% und die Importe um 2,0% gegenüber dem Vorjahr stiegen.

Importe aus Polen machen allein 25 % der Gesamtimporte an Möbeln nach Deutschland aus. Trotz dieses Spitzenwertes sind die Importe aus Polen zudem weiter gestiegen, nämlich um 7,4 % im Jahr 2016. Die Exporte in die Niederlande wurden um 8,6% gesteigert und damit deutlich stärker als in andere benachbarte Regionen wie Frankreich (+2,2%), Belgien (+2,3%) oder Großbritannien (+4,8 %).

Dr. Lucas Heumann, Geschäftsführer der Fachverbände Holz- und Möbelindustrie, zog dennoch eine „gemischte Bilanz“ für die Außenhandelsaktivitäten der deutschen Möbelindustrie, da die einzelnen Segmente recht unterschiedliche Ergebnisse erzielten.

Deutsche Küchen weltweit begehrt

Dass nur ein geringfügiges Außenhandelsdefizit ausgewiesen wurde, liegt beispielsweise im Wesentlichen an dem starken Exportüberschuss im Küchenmöbelsektor, wo die Exporte um 10,5% gegenüber dem Vorjahr gesteigert werden konnten, während die Importe faktisch stagnierten (+0,2%). „Der starke Exportüberschuss der deutschen Küchenmöbelindustrie bestätigt erneut in eindrucksvoller Form die führende Stellung der deutschen Küchenmöbelhersteller im internationalen Vergleich. Dabei ist besonders bemerkenswert, dass das Wachstum auch in jenen Regionen generiert wurde, die wirtschaftlich stagnieren. Die Importe wiederum sind faktisch bedeutungslos. In relevantem Umfang ist kein ausländischer Hersteller in der Lage, eine signifikante Rolle im deutschen Küchenmarkt zu spielen“, so Heumann.

Polstermöbelexporte weiterhin rückläufig

Dem guten Ergebnis der Küchenmöbler stehen die Exporte der Polstermöbelindustrie gegenüber, die im Jahr 2016 um 1,8% zurückgingen. Mit Ausnahme von Italien (+20,6%) und Frankreich (+13,1%) sind alle anderen wichtigen Exportmärkte in Westeuropa rückläufig, während die Importe im Jahre 2016 nochmals um 7,3% gestiegen sind. Hier zeigte sich einmal mehr die „dominierende Stellung“ Polens, woher fast die Hälfte aller importierten Polstermöbel nach Deutschland stammen und 2016 noch einmal um 13,8% zulegten.

Stabilisierung bei Wohnen und Schlafen

Erste Anzeichen der Stabilisierung sehen die Fachverbände der Möbelindustrie dagegen im Wohn-, Ess- und Schlafzimmersektor. Hier ist der Importzuwachs fast zum Stillstand gekommen und legte lediglich um 1,5% zu, was besonders auf den starken Rückgang der Einfuhren aus China (-15,8%) zurückzuführen ist.

Die Exporte deutscher Unternehmen ins Ausland sind in diesem Segment um 4,6% gestiegen, wofür vor allem die Zuwächse in den Niederlanden (+27,2%), Frankreich (12,9%) und Großbritannien (+14,9%) verantwortlich sind, was auch zeigt das der Brexit bisher noch keine spürbaren Auswirkungen auf die deutsche Möbelindutrie hat.

Brexit-Beschluss noch ohne Einfluss auf Möbel-Außenhandel

„Die Küchenmöbelhersteller konnten ihre Exporte nach Großbritannien sogar deutlich stärker als im Durchschnitt der Exporte insgesamt. Im Polstermöbelsektor bzw. im Möbelsektor ‚insgesamt‘ liegt die Entwicklung im Schnitt der Branche, ohne dass irgendwelche Besonderheiten aufgrund der Brexit-Entscheidung festzustellen wären.
Allerdings muss hier berücksichtigt werden, dass der Brexit bislang nur beschlossen und noch nicht vollzogen worden ist. Wie sich mittelfristig der britische Markt entwickeln wird, wird wesentlich davon abhängig sein, welche Einzelvereinbarungen zwischen Großbritannien und der EU in Bezug auf den Brexit getroffen werden. Wenn beispielsweise der sogenannte ‚Harte Brexit’ käme und Handelsbarrieren wieder aufgebaut werden, muss sich das zwangsläufig negativ auswirken. Da Großbritannien allerdings nur ein Markt unter vielen ist, sind Rückgänge in diesem Markt für die deutsche Möbelindustrie aber auf jeden Fall verkraftbar“, so Dr. Heumann.

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