Handelsverband Möbel und Küchen (BVDM)
2017 ein Jahr mit Höhen und Tiefen

Foto: imm cologne

Im Rahmen der gestrigen Pressekonferenz der imm cologne in Köln blickte BVDM-Hauptgeschäftsführer Thomas Grothkopp (Foto) auf das Jahr 2017 im deutschen Möbel-, Küchen- und Einrichtungsfachhandel zurück, der einen 0,5% höheren Umsatz erzielte als 2016 und bei 33,6 Milliarden Euro Jahresbruttoumsatz lag. Dies ergebe sich aus Hochrechnungen auf Basis des Standes Oktober 2017. Gleichzeitig nahm Grothkopp auch Stellung zu den Zukunftsaussichten der Branche.

Der Online-Handel mit Möbeln verzeichnete 2017 ein deutlich höheres Wachstum von annähernd 30% und erwirtschaftete knapp 3 Mrd. Euro brutto, was einem Marktanteil von gut 8% entspricht. „Gegenwärtig dominieren zwar noch immer die auf den Distanzhandel spezialisierten Unternehmen, allerdings hat sich hier auch der beratende, stationäre Handel zum komplementären Vertriebskanal entwickelt. Dies ist deutlich an den Multichannel-Aktivitäten der Marktführer zu erkennen, die entweder ihre bisherigen Bemühungen intensivieren oder neu in den Online-Vertrieb eingestiegen sind“, so Grothkopp. Es werde allerdings auch immer deutlicher, dass es zumindest bei komplexen planungs- und beratungsintensiven Produkten nicht völlig ohne stationäre Präsenz gehe. „Der traditionelle Handel ist daher gefordert, sich den Herausforderungen des Online-Handels zu stellen, seine Kernkompetenzen, die Beratung, individuelle Planung und die fachgerechte Lieferung und Montage der Möbel und Küchen mit den Tools des Onlinehandels zu verbinden“, so Grothkopp weiter.

Betrachtet man die Sortimentsbereiche, so sind Küchenmöbel mit 25% Umsatzanteil nach wie vor die stärkste Warengruppe. Zweitgrößte Warengruppe sind die Polstermöbel mit 22% gefolgt von den Schlafzimmermöbeln mit 13%, wobei besonders Boxspringbetten unverändert ein absoluter Verkaufsschlager seien – allerdings zu Lasten der sonstigen Schlafzimmermöbel. Wohnzimmermöbel runden das Bild mit 11% Umsatzanteil ab.

Die Branche konzentriert sich weiter

Die Möbel- und Küchenbranche sei immer noch eine generell mittelständische geprägte Einzelhandelsbranche, auch wenn die Konzentration fortschreite und Großunternehmen weiterwachsen. Die Top-Ten im deutschen Möbelhandel erwirtschafteten im Jahr 2017 über 50% des Branchenumsatzes und haben damit weiter Marktanteile hinzugewonnen. Befeuert werd das Wachstum im Wesentlichen durch die Übernahme bestehender Unternehmen. Dies erkläre auch, warum der Flächenzuwachs sich im vergangenen Jahr abgeschwächt hat: „Es wird weniger neu gebaut, es werden häufig bestehende Flächen übernommen. Insgesamt verfügt der deutsche Möbelhandel über rund 23 Millionen Quadratmeter Verkaufsfläche. Hiervon werden 5,7 Millionen Quadratmeter – das ist ein Viertel der Fläche - von 165 Häusern mit mehr als 25.000 Quadratmetern Verkaufsfläche betrieben“, sagt Grothkopp.

Im Küchenhandel werden über 40% des Küchenabsatzes von Küchenspezialhäusern und Küchenfachmärkten erwirtschaftet, in keinem anderen Sortimentsbereich sei dies so stark ausgeprägt. Der SB-Bereich einschließlich des Anteils der branchenfremden Vertriebswege wie Baumärkte für den Bereich der Klein- und Mitnahmemöbel, mache ein Viertel des Umsatzes aus. „Dank starker Einkaufsverbände, zu denen mehr als 80 Prozent aller Handelsbetriebe mit mehr als 60 Prozent Anteil am Branchenumsatz gehören, können in dieser Branche auch kleinere und mittlere Unternehmen erfolgreich arbeiten“, so Grothkopp.

Zentrales Thema Logistik

Für die gesamte Branche sei die Lieferlogistik eine zentrale Aufgabe, in dessen Zusammenhang Grothkopp das Projekt ZimLog hervorhob, zu dem sich Handel, Industrie und Möbelspeditionen sowie deren Verbände AMÖ, BVDM und VDM zusammengefunden haben. Außerdem seien die Herausforderungen der Logistik nicht ohne eine weitere Klassifizierung und Standardisierung von Möbeln und Küchen zu meistern sind. „Beim Verein eClass wird daher seit Anfang 2017 mit Hochdruck an einem Klassifizierungssystem für Möbel und Küchen gearbeitet“, sagt Grothkopp.

Bauboom vorerst vorbei

Die Rahmenbedingungen für das Jahr 2018 sind grundsätzlich gut: Von Januar bis Oktober 2017 wurde in Deutschland der Bau von 286.300 Wohnungen genehmigt. Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, waren das zwar 7,3 Prozent weniger als im gleichen Vorjahreszeitraum, der allerdings eine Boomperiode mit über 20% Zuwachs im Vergleich zu 2015 darstellte.


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