Mittelstandsverbund ZGV
Dr. Ludwig Veltmann nimmt Stellung zur Ladenöffnung

Dr. Ludwig Veltmann, Hauptgeschäftsführer des Mittelstandsverbundes ZGV, fordert mehr Selbstbestimmung bei der Regelung der Ladenöffnungszeiten. Foto: Mittelstandsverbund ZGV

Berlin. Die neue NRW-Landesregierung will doppelt so viele verkaufsoffene Sonntage und eine leichtere Genehmigung. Das erregt die Gemüter von Kirchen und Gewerkschaften. Dr. Ludwig Veltmann, Mittelstandsverbund-Hauptgeschäftsführer, nimmt dazu Stellung:

„Die Realität hat nicht die Eigenschaft, dass sie immer einem jeden angenehm ist. Sich ihr aber in fatalistischer Vogel-Strauß-Politik oder mit steifem Blick in den Rückspiegel zu verweigern, führt in die Irre und reißt womöglich viele mit ins Abseits. Nicht weniger als Existenzen stehen dabei auf dem Spiel.

Seit Jahren wird das Klagen von immer mehr Kaufleuten über einen Frequenzrückgang auf der Ladenfläche lauter. Onlineplattformen locken mit gewaltigem Angebot und Bequemlichkeit bis auf die Couch – genau das, was immer mehr Konsumenten zu schätzen wissen. Wie kann der lokale Kaufmann diesem Gigatrend etwas entgegen setzen? Gewiss zuletzt damit, dass er seine Türen gerade zu den Zeiten schließt, wenn er genau die Bastion, die ihm geblieben ist, verteidigen kann – nämlich das besondere und individuelle Erlebnis beim persönlichen Einkauf für den Kunden auf der Fläche.

Blockade durch zu enge rechtliche Vorgaben

Längst haben auch die meisten mittelständischen Händler das erkannt und sie wissen, dass es schwerer wird, den Kunden zu locken und man ihm folglich entgegen gehen muss. Die restriktiven Ladenschlussgesetze hindern Händler aber gerade dann, wenn der Kunde jenseits des Arbeitsalltages in höchster Offenheit für ein emotionales Highlight ist und erwartungsfroh am Wochenende vor einem Laden steht – und dann frustriert nach Hause (zu seinem Computer) geht, weil die Türen verschlossen sind.

Selbst die minimalen Möglichkeiten der Vergangenheit, an bis zu vier Sonntagen zu öffnen, scheiterten an den zu engen rechtlichen Vorgaben, die von gewerkschaftlicher Seite in entmutigender Regelmäßigkeit zur Blockade genutzt wurden.

Warum es immer ausgerechnet die Händler sind, denen man ein strenges Reglement über ihre Arbeitszeiten aufnötigt, während Menschen aus anderen Wirtschaftszweigen wie Kinos, Theater, Restaurants, Bus und Taxiunternehmen, Die Bahn, Luftverkehr, Reiseveranstalter, Schwimmbäder, Tankstellen, Landwirtschaft, Schichtarbeiter, viele Freie Berufe – gar nicht aus Politik und Kirchen – auch Sonntags zum Teil bis tief in die Nacht arbeiten, von jeglicher öffentlicher Wahrnehmung und erst recht Kommentierung in dieser Hinsicht unbehelligt bleiben, ist das Befremdliche. Zumal es in den aufgelisteten Bereichen ja nun wahrlich auch nicht um Leben und Tod wie zum Beispiel bei Pflege, Polizei oder Feuerwehr geht.

Und was bei der Debatte mit schöner Regelmäßigkeit ausgeblendet wird: Es gibt für niemanden einen Zwang zur Ladenöffnung. Zu Zeiten, an denen es sich für den Anbieter nicht rechnet, bleibt der Laden eben dicht.

Acht Sonntage: NRW gibt positives Signal

Ob die Verdopplung der verkaufsoffenen Sonntage in NRW nun der Königsweg ist, sei dahingestellt. Jedenfalls ist es ein entschlossenes und positives Signal. Sinnvoll und wünschenswert wäre freilich ein noch etwas weiterer Wurf.

Denn wenn es überhaupt einer gesetzlichen Regelung über Ladenöffnungszeiten bedarf, ist die Ebene eines Bundeslandes letztlich denkbar ungeeignet – allein schon wegen der sehr unterschiedlichen Realitäten und Strukturen an den vielen Standorten.

Ziel: Kommunale Selbstbestimmung bei Geschäftszeiten

Politisches Ziel muss es daher sein, Regelungen über Geschäftszeiten konsequent auf die kommunale Ebene zu verlagern. Denn dort lassen sich Stimmung und Bedürfnisse der Menschen am besten ermessen und durch weniger bürokratische  Entscheidungsstrukturen das kommunale Miteinander fördern. Auf diese Weise kehrte auch ein Stück Selbstbestimmung und damit Realitätsnähe in den Lebensmittelpunkt der Bürger, nämlich in die Dörfer und Städte zurück.

Mehr Selbst- und weniger Fremdbestimmung – so etwas liest man doch in den Parteiprogrammen jener, die in NRW derzeit das mehrheitliche Vertrauen der Bevölkerung haben. Also nur Mut!“

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