BVOH Das Internet als Zukunft des Einzelhandels

Dienstag, 12. Januar 2016

Kategorie: Möbelmarkt

Oliver Prothmann: „Der Onlinehandel wird helfen, dass der Einzelhandel bestehen kann.“ Foto: BVOH

Berlin.

Onlinehandel wächst in Deutschland überproportional, vermeldet der Bundesverband Onlinehandel e.V. in einer Pressemitteilung und verweist auf aktuelle Zahlen des Statistischen Bundesamtes und interne Berechnungen.

Das Statistische Bundesamt geht von einer Steigerung des Internet- und Versandhandels gegenüber letztem Jahr um mehr als neun Prozent aus. „Der BVOH erwartet aufgrund des sehr guten Dezembergeschäftes Steigerungen von bis zu 40% in der Warengruppe Spielzeug und geht bei Haushaltsgeräten von einem zweistelligen Wachstum gegenüber dem Weihnachtsgeschäft 2014 aus“, sagt Oliver Prothmann, Präsident des Bundesverbandes Onlinehandel (BVOH).

Multi-Channel-Händler als Gewinner

„Wir erleben immer deutlicher einen Paradigmenwechsel im Handel. Jahrzehntelang hat man versucht, den Kunden zu erziehen, ihm zu folgen – bis hin in die großen Einkaufstempel vor der Stadt und die Outlet-Center. Nun dreht der Kunde den Spieß um und entscheidet selber, wann und wie er sich informiert und einkauft“, sagt Prothmann. Dies mache der Kunde ohne erkennbare Systematik, was es dem Handel erschwere, in der steuernden Funktion zu bleiben. Gerade der Onlinehandel biete dem Kunden die von ihm gewünschte Flexibilität. Insbesondere der Multi-Channel-Händler, also der Händler, der sich dem Kunden gegenüber online über diverse Kanäle, aber auch stationär anbietet, sei der Gewinner im Handel.

Der deutsche Onlinehandel habe, so der BVOH, besonders durch eine stetige Professionalisierung im Service gewonnen. Online-Marktplätze wie Amazon und eBay hätten dazu beigetragen, dass Händler die eigenen Prozesse optimieren, um die Ansprüche des Kunden mindestens zu erfüllen oder bei Artikeldarstellung, Versand, im Service inkl. Retouren-Management zu übertreffen. Ergänzt um ein hochprofessionelles Logistikgewerbe und schnelle Versanddienstleister wie DHL, DPD und Hermes etc., sei ein Land wie Deutschland im Onlinehandel perfekt aufgestellt.

Noch schweben die Transport-Drohnen nicht am Himmel, aber eine weitere Optimierung der Logistik sei in diesem Jahr zu erwarten. „Aus unserer Sicht ist der Wunschtermin, die termingenaue Lieferung bzw. die Abholung im Geschäft oder an einer Abholstelle eine wesentliche Entwicklung im Onlinehandel. Dazu passt, dass Local Commerce den Durchbruch erzielen wird und immer mehr stationäre Händler online zu finden sein werden“, sagt Prothmann voraus.

Forderung nach besseren gesetzlichen Rahmenbedingungen

Die Zeit, dass der Onlinehandel hauptsächlich für den Kauf von Medien oder Elektronik genutzt wird, sei vorbei. „Unabhängig vom Weihnachtsgeschäft erkennen wir, dass immer mehr Waren des täglichen Bedarfs auch online gekauft werden“, sagt Prothmann.

Aus seiner Sicht wäre Onlinehandel wäre noch erfolgreicher, „wenn die Hersteller den Händlern nicht verbieten würden, die Produkte auf Marktplätzen zu verkaufen“, wenn es den Poststreik nicht gegeben hätte, der zu teils massiven Umsatzeinbrüchen geführt habe. Außerdem müssten, so Prothmann, die Marktplätze und die Finanzbehörden den Handel von „Chinahändlern“ kontrollieren und nur Händler gewähren lassen, die gesetzeskonform agieren und Steuern zahlen und ausweisen. Außerdem müsse die Politik die Rahmenbedingungen nicht nur nach dem Sinn der großen Handelskonzerne erarbeiten sondern insbesondere darauf achten, welche Folgen die Gesetze für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) haben. Das ElektroG etwa sei national und international ein Wirtschaftskiller.

Außerdem müsse der stationäre Handel erkennen, dass der Onlinehandel kein Gegner sondern die gemeinsame Zukunft ist. Prothmann: „Der Onlinehandel ist eine Erweiterung und Ergänzung des stationären Handels und wird helfen, dass der Einzelhandel bestehen kann. Es ist wichtig, dass der stationäre Handel nach den soziologischen Phasen der Wahrnehmung, des Wettbewerbs und des Konflikts nun endlich über die Stufe Anpassung in die Schlussphase der Angleichung kommt.“

Die Verbundgruppen und Einkaufsgemeinschaften müssten zudem endlich ihren Mitgliedern ein funktionierende Digitalisierung des Geschäftes anbieten: „Sollten die Verbundgruppen und Einkaufsgemeinschaften sich von den Fesseln der Hersteller und Marken lösen und mit qualifizierten eCommerce-Spezialisten  eine Digitalisierung des Geschäftszweckes umsetzen, so würde der Handel und damit der Verbraucher extrem davon profitieren.“



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