„All in“-Paket von Hansecontrol:
Mehrwert für den Alltag

Adem Durmaz (l.), Division Head Hardlines & FFU der Hansecontrol Zertifizierungsgesellschaft, und Peter Weinmann, Inhaber von Weinmann Sondermaschinen aus Hersbruck.

Hansecontrol baut seine Prüf-Kapazität gerade auch bei Möbeln massiv aus. Dazu hat die Hermes Hansecontrol Zertifizierungsgesellschaft zusammen mit dem Prüfmaschinen-Hersteller Weinmann nicht zuletzt auch für Matratzen und  Boxspring-Betten einen One-Stop mit „All-in“-Paket aufgebaut – von neuen, innovativen Prüf-Verfahren bis hin zu eigens entwickelten Maschinen.  Die Intention: Dem Handel Mehrwerte für den Verkauf zu bieten, vor allem aber auch jene Produkt-Anforderungen der Konsumenten aus der Gebrauchs-Praxis zu erfüllen, die von der Norm gar nicht berücksichtigt werden. Gerald Schultheiß hat die ausgebauten und aufgerüsteten Prüflabore am Firmensitz Hamburg besichtigt und dort mit Adem Durmaz, Division Head Hardlines & FFU der Hansecontrol Zertifizierungsgesellschaft, und mit Peter Weinmann, Inhaber von Weinmann Sondermaschinen aus Hersbruck, gesprochen.

MM: Hansecontrol baut seine Prüf-Kapazität und -Kompetenz auch bei Möbeln massiv aus. Warum – sicher nicht nur wegen der Plattform-Strategie der Konzern-Mutter Otto?
Adem Durmaz: Nein. Wir sind ein unabhängiges Prüflabor, das die Otto-Gruppe und deren Versandhandelsunternehmen zu seinem Kundenportfolio zählt. Unser Geschäftsführer Lutz Lehmann ist seit 2011 im Management-Team und hat die Ausrichtung auf die Konsumgüter-Prüfung geschärft. Daher haben wir seit 2016 die Prüf-Kapazitäten und -Kompetenzen nicht nur bei Möbeln und erforderlichen Zuliefer-Produkten, sondern u. a. auch bei Haushalts- oder Freizeitartikeln bis hin zu Lastenfahrrädern und Pedelecs ausgebaut. Diese massive Prüfscope-Erweiterung wurde bereits zum Großteil von der DAkkS (Deutsche Akkreditierungsstelle) akkreditiert. Diese Akkreditierung gilt für den in der Urkunden-Anlage D-PL-12142-01-01 festgelegten Umfang. Die Hansecontrol Zertifizierungsgesellschaft ist zudem durch die ZLS benannt, u. a. auch für Möbel das GS-Zeichen zuzuerkennen.

MM: Kann man diesen Kapazitäts-und Kompetenz-Boost speziell auch bei der Möbel-Prüfung beziffern?
Durmaz: Die Hansecontrol Zertifizierungsgesellschaft und das Prüfinstitut Hansecontrol haben mehrere Bereiche für den Dienstleistungs-Sektor. Der Bereich Hardlines, unter den die Labor-Flächen u. a. der Abteilung Möbelprüflabor für mechanische und elek- trische Sicherheits-Prüfungen sowie Schadstoff- und Emissions-Prüfungen fallen, sind auf 1.200 qm erweitert und mit den neuesten sowie innovativsten Prüfvorrichtungen aufgerüstet worden.
Auch personell haben wir den Bereich ausgebaut und sind daher dort jetzt sehr gut aufgestellt.
So haben wir z. B. gemeinsam mit Prüfmaschinen-Hersteller Weinmann eine besondere Kompetenz für den Bereich Matratzen und Boxspring-Betten aufgebaut. Bei Matratzen können wir nicht nur nach DIN EN 1957 ihre Haltbarkeit prüfen und punktuell ihren Härtegrad messen, um ihre Liege-Eigenschaften     zu benennen. Diese unbefriedigende Ermittlungs-Methode ungeachtet der Zonierung einer Matratze hat nicht nur Weinmann und uns beschäftigt, sondern auch die Industrie.
Daher hat eine DIN-Arbeitsgruppe nun  die Vornorm DIN SPEC 68200 speziell für die Zonierung von Matratzen veröffentlicht, bei der sich Peter Weinmann auch mit einer Methode eingebracht hat, wie man solche Zonen künftig realistisch messen kann.

Peter Weinmann:
„Ein durchschnittlicher Härtegrad sagt nichts aus – harte und weiche Stellen müssen benannt werden.“

Peter Weinmann: Ich habe ein spezielles Verfahren entwickelt, das sich in der DIN SPEC 68200 manifestiert und welches Hansecontrol als erstes Prüfhaus einsetzt. Zwei weitere dieser Prüf-Maschinen stehen bei einem Hersteller und einem Start-up, eine vierte beim DIM in Rosenheim.

MM: Als Erfinder und Tüftler haben Sie die Prüfung der Matratzen-Zonierung messtechnisch also auf solide nachvollziehbare Füße gestellt.
Weinmann: Ja – denn wenn Sie einzelne Punkte messen, bekommen Sie auch die Ergebnisse für einzelne Punkte. Das Ganze ist aber mehr als die Summe seiner Teile – das hat auch schon einmal ein bekannter Mann gesagt. Wenn ich die Matratze daher über ihre gesamte Länge gleichzeitig an 20 Punkten ausmesse, bekomme ich ein deutlich realistischeres Bild. Und vor allem geht die Messung sehr schnell, da ich keine 20 einzelnen Messungen machen muss.
Einzelmessungen sind so, als ob ich mich auf eine Matratze draufknie – das ist uninteressant. Interessant ist es, wenn ich mich komplett darauflege. Dies simuliert dieses Verfahren.
Durmaz: Die nun von uns genutzte Methode ermöglicht es, die Zonierungs-Kontur einer Matratze direkt als neutrales Bild darzustellen.
Das ist auch ein großer Vorteil für die Verbraucher, da sie dadurch die Zonierungs-Kontur einer Matratze als Diagramm auch bildlich vor Augen haben: Hals- und Lendenwirbel-Bereich Härtegrad 3, Schulter- und Hüft-Bereich Härtegrad 1 – statt der Aussage 7-Zonen-Matratze mit Härtegrad 2.
Weinmann: Ein durchschnittlicher Härtegrad sagt gar nichts aus. Wenn eine Matratze harte und weiche Stellen hat, müssen diese benannt werden: Zum Beispiel diese Matratze reicht von Härtegrad 1 bis Härtegrad 3.

Adem Durmaz:
„Die Methode ermöglicht es, die Zonierungs-Kontur einer Matratze als neutrales Bild darzustellen.“

MM: Was den mit dem Kauf einer  Matratze meist überforderten Kunden Sicherheit gibt, statt „One fits all“ doch lieber die eine für sie passende Matratze zu kaufen.
Weinmann: Absolut – zumal auch die Verkäufer damit völlig überfordert sind.
Durmaz: Das ist auch eine unserer Intentionen: Eine Zonierung mit verschiedenen Härtegraden reell wiederzugeben und damit ein Hilfsmittel für den Verkauf zu bieten – vor allem aber auch einen wirklichen Mehrwert für die Konsumenten.
Auch beim Thema Boxspring-Betten heben wir uns ab. Für ihre Prüfung sind zwei Normen relevant: Die DIN EN 1725 für die Sicherheit des Bettgestells, aber auch die DIN EN 1957 für Matratzen, die herkömmlich in separaten Vorrichtungen für Bettgestelle und Matratzen abgeprüft werden.
Wenn die Prüfung nur getrennt für die Matratze und das Bettgestell und nicht für das ganze System erfolgt, ist das aber auch wieder nur die halbe Wahrheit.
Daher haben wir gemeinsam mit Weinmann eigens eine innovative Prüf-Vorrichtung entwickelt, mit der wir Boxspring-Betten im fertigen aufgebauten Zustand auch als Ganzes nach beiden Normen prüfen können.

MM: Das heißt, besonders im Bereich Schlafen verfügt Hansecontrol  über eine besondere Kompetenz?
Durmaz: Wir haben die gesamte Kompetenz im Haus – nicht nur beim Personal, sondern auch bei den Maschinen und Möglichkeiten. Damit bieten wir einen One Stop mit „All-In“-Paket  zum Prüfen sämtlicher Eigenschaften: Mechanisch, physikalisch, elektrisch, klimatisch oder chemisch bis zu Material-Prüfungen der Textilien und Kerne mit ihren Konturen, Ausschnitten etc., etc. Darüber hinaus erstellen wir auch normenkonforme Pflege- und Bedienungsanleitungen sowie Produktvideos.
Zusätzlich verfügen wir über ein eigenes Prüfprogramm für Matratzen, mit dem wir noch weitere über die Norm hinausgehende Prüfungen im Sinne von Funktion, Handhabung, Verarbeitung, Haltbarkeit oder klimatischen Bedingungen durchführen können. So können wir z. B. das Kompressions-Verhalten unter Feuchtigkeits- und unter Temperatur-Einfluss messen.
Diese Gebrauchs-Eigenschaften können wir mit unserem Hansecontrol-Prüfzeichen „Liegekomfort, Haltbarkeit und Verarbeitung getested und Zonierung verifiziert“ zertifizieren.
Wir bieten tatsächlich alles, was für die Sicherheit und die Qualität der Produkte erforderlich ist, und addieren diese Ergebnisse und Eigenschaften zu einem Gesamtbild. Das bringt auf dem Markt den größten Mehrwert – auch über Matratzen oder Boxspring-Betten hinaus.

Adem Durmaz:
„Über die Norm hinaus entwickeln und definieren wir zusätzliche Parameter und prüfen, bewerten und benoten die Ergebnisse.“

MM: Mehrwerte liefern bis zur Entwicklung eigener Anforderungs-Profile aus Sicht der Konsumenten und entsprechender Prüf-Lösungen und Dienstleistungen ist ein wichtiger Aspekt, über den sich Hansecontrol ebenfalls hervorheben will.
Durmaz: Absolut. Hansecontrol hat  lange und sehr gute Erfahrungen mit Qualitäts- und Gebrauchstauglichkeits-Prüfungen, die auf Basis von Inhouse erstellten Anforderungs-Profilen durchgeführt werden, da wir für jegliche Art von Konsumgütern neue Prüf-Programme erstellen.
Die Basis dafür ist, dass die Produkte den Normen entsprechen, und on the top
entwickeln und definieren wir zusätzliche Qualitäts-Parameter im Sinne ihrer Gebrauchstauglichkeit, prüfen, bewerten und benoten dann die Ergebnisse, mit denen diese Produkte sodann auf dem Markt ausgelobt werden. Unsere Intention ist, dass Verbraucher z. B. eine Bohrmaschine kaufen können, die nicht nur sicher und langlebig ist, sondern auch gut in der Hand liegt und mit der sie auch in die verschiedensten dafür vorgesehenen Boden- und Wanduntergründe Löcher bohren können. Es geht uns also immer darum, nicht einfach nur bestehende Normen nachzubilden, sondern darüber hinaus auch Anforderungen an Produkte zu stellen, wie sie letztlich auch die Verbraucher im praktischen Leben stellen würden.
So geht es bei einer Matratze darum, was im realen Leben noch notwendig ist, von der Norm teilweise aber nicht gesehen wird. So wird im wirklichen Leben auf ihr geschwitzt. Oder es geht darum, ob die Grifflaschen gut nutzbar und auf die Lebensdauer der Matratze ausgelegt sind. Solche Eigenschaften zertifizieren wir zusätzlich mit einem Hansecontrol- Prüfzeichen.

MM: Herr Durmaz, Herr Weinmann, herzlichen Dank für das Gespräch!

Hier geht’s zum Film über die Labore von Hansecontrol.


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