AMK
„Deutsche Küchen sind nachhaltig!“

Volker Irle, Geschäftsführer der AMK – Arbeitsgemeinschaft Die Moderne Küche e. V. Foto: AMK

Kitchen-Talk mit Volker Irle, Geschäftsführer der AMK – Arbeitsgemeinschaft Die Moderne Küche e. V., über Nachhaltigkeit, Ressourcenschonung, Klima- und Umweltschutz in der Küchenbranche.

Herr Irle, Sie sagen deutsche Küchen sind nachhaltig. Woran lässt sich das konkret festmachen?

Volker Irle: An vielen Kriterien. Beispielsweise an der sehr langen Lebensdauer einer Küche von 15, 20 Jahren und mehr. Manche Küchenmöbel bringen es bei guter Pflege sogar auf einen noch sehr viel längeren Lebenszyklus. Allein schon durch ihre hohe Produkt- und Verarbeitungsqualität und die damit verbundene Langlebigkeit sind sie nachhaltig, auch wenn die Küchen aus verschiedenen Gründen heutzutage schneller ausgetauscht werden als das früher der Fall war.

Unsere Mitgliedsunternehmen lassen ihre Produkte, ob Küchenmöbel, Hausgeräte oder Zubehör, auf Qualität und Langlebigkeit testen, damit man an seiner neuen Küche viele Jahre lang Freude hat. Das geschieht sowohl in eigenen als auch in international anerkannten Prüf- und Testlaboren. Hinzu kommt: Der recycelbare Hauptwerkstoff einer Küche ist Holz, ein nachwachsender Rohstoff und zudem wichtiger CO2-Speicher. Daneben finden sich viele andere langlebige, natürliche Werkstoffe in der Küche wie Metall, Keramik, Glas, Natur- oder Quarzstein und weitere recycelbare Materialien.

Ein weiteres Nachhaltigkeitskriterium sind die niedrigen Verbrauchswerte von Energie und Wasser bei modernen Einbaugeräten in der Küche. Sie sinken von Jahr zu Jahr, wenn auch nicht mehr so exorbitant wie noch vor 10 oder 15 Jahren. Deshalb stellen weitere Einsparungen bei ihren ohnehin schon sehr niedrigen Verbräuchen eine enorme technische Leistung dar. Denken Sie beispielsweise an die Einführung der neuen Energie-Label, unter anderem für Geschirrspüler und Kühlgeräte. Bei ihnen sind die A-Plus-Klassen seit 1. März 2021 weggefallen und wurden durch die neuen Klassen A bis G ersetzt. Die Europäische Union hatte die neue Skala extra so streng definiert, damit sie möglichst lange stabil bleibt. Sie ging davon aus, dass zum Zeitpunkt der Einführung der neuen Energieetiketten möglichst keine Geräte die beste Energieeffizienzklasse A erreichen. Jetzt, kurz nach Einführung der neuen Labels, sind bereits die ersten Geschirrspüler in A eingestuft. Bei Kühlgeräten gibt es auch schon erste Vorreiter in der höchsten Energieeffizienzklasse A. Mal abgesehen von dem nachhaltigen Lebensmittelmanagement, das mit solchen Kältemodellen möglich ist, da sie eine Lebensmittelverschwendung verhindern. Dank modernster Frischetechnologie halten sich empfindliche Lebensmittel darin deutlich länger frisch und bewahren zudem ihre Vitamine.  

Was unternimmt die Küchenbranche noch so alles in puncto Nachhaltigkeit, Klima- und Umweltschutz? 

Irle: Da gibt es eine Reihe weiterer, ökologisch nachhaltiger Stellschrauben. Zum Beispiel entsprechende Zertifizierungen und Umwelt-Nachhaltigkeits-Siegel. Unternehmensstrategien und Maßnahmenpakete für eine konsequente weitere CO2-Reduzierung. Das regelmäßige Erstellen einer Umwelt-/Ökobilanz. Sowie ein professionelles Nachhaltigkeitsmanagement. Das ist ein Umweltkennzahlensystem, mit dem Schwachstellen rechtzeitig erkannt werden, um dann entsprechende Korrekturmaßnahmen einzuleiten. Zu Nachhaltigkeits-Stellschrauben zählen auch die definierten Nachhaltigkeitsziele unserer AMK-Mitgliedsunternehmen für die kommenden Jahre. Nicht zu vergessen der große Themenkomplex Recycling, Upcycling, Kreislaufwirtschaft und die Forschung an weiteren innovativen Werkstoffen.

Könnten Sie bitte ein paar Beispiele im Bereich Zertifizierungen nennen?

Irle: Da wäre beispielsweise die internationale Umweltmanagementsystemnorm ISO 14001, die seit Mitte der 1990er-Jahre eine weltweit anerkannte Grundlage darstellt. Sie definiert den Aufbau, die Verwirklichung, die Aufrechterhaltung sowie die fortlaufende Verbesserung von Umweltmanagementsystemen. Immer mit dem übergeordneten Ziel, den Umweltschutz zu fördern, die Umweltauswirkungen zu reduzieren und die Umweltziele richtig umzusetzen.

Eine weitere Zertifizierung nennt sich ISO 50001 – Energiemanagement mit System. Sie zielt auf eine kontinuierliche Verbesserung der energy performance ab, der energiebezogenen Leistung. In der ISO 50001 sind alle Anforderungen an Unternehmen beschrieben, um ein Energiemanagementsystem einzuführen, durchzuführen und kontinuierlich zu optimieren.

Welche spezifischen Siegel gibt es?

Irle: Zum Beispiel das Umwelt- und Nachhaltigkeitssiegel PEFC für die Verwendung von Holzwerkstoffen aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern sowie das FSC für die Verwendung von Holz aus verantwortungsvoller Waldwirtschaft. Eine gute Orientierung geben auch die Gütezeichen und Labels der Deutschen Gütegemeinschaft Möbel e. V. (DGM). Das bekannteste und umfassendste ist das RAL Gütezeichen „Goldenes M“ für geprüfte Möbel. Sie müssen sehr hohe Anforderungen hinsichtlich der Kriterien Qualität, Sicherheit, Gesundheits- und Umweltverträglichkeit zur vollen Zufriedenheit erfüllen. Das RAL Gütezeichen basiert auf den strengen Güte- und Prüfbestimmungen RAL-GZ 430, die regelmäßig an den Stand der Technik angepasst werden. Die Möbel werden in unabhängigen Testlaboren nach allgemeinen und segmentspezifischen Kriterien geprüft.

Dann gibt es zum Beispiel die beiden DGM-Klimalabel „Klimapakt für die Möbelindustrie“ und „Klimaneutraler Möbelhersteller“. Unternehmen, die sich dem „Klimapakt“ anschließen, dokumentieren damit ihr Verantwortungsbewusstsein gegenüber dem Klimawandel, indem sie ihren CO2-Fußabdruck ermitteln, um ihre Treibhausgasemissionen fortlaufend zu reduzieren. Unternehmen, die ihre CO2-Bilanz durch den Erwerb von Klimaschutzzertifikaten zur Unterstützung von Windkraft-, Aufforstungsprojekten oder ähnlichem ausgleichen, erhalten außerdem das Label „Klimaneutraler Möbelhersteller“. Nachhaltigkeitslabel wie z. B. „grünergriff“ zeigen, dass auch der Küchenfachhandel sich immer mehr um das Thema Nachhaltigkeit auch über das Produkt hinaus kümmert und die Bedürfnisse der Kunden nachhaltig aufgreift.

Als weitere Stellschrauben nennen Sie Recycling und Upcycling …

Viele Materialien in der Küche lassen sich recyceln. Die natürlichen Werkstoffe hatte ich vorhin genannt. Hinzu kommen beispielsweise Kunststoff-Fronten mit einem hohen Recyclinganteil oder wasserlösliche Lacke. Darüber hinaus ist es immer wieder bemerkenswert, wie kreativ die Unternehmen sind. Ein Beispiel hierfür sind Kunststoffteile und Kunststoffgranulate. Die finden sich dann wieder als Bauteile in Backöfen, Kühl-/Gefriergeräten, Geschirrspülern, Staubsaugern und Waschmaschinen. Upcycling ist eine weitere interessante Möglichkeit. Dabei werden Abfallprodukte und scheinbar nutzlose Stoffe in neue und höherwertigere umgewandelt. Das können beispielsweise Verschnitt- und Resthölzer sein, die zur Wärmeversorgung verwendet werden. Oder neues Verpackungsmaterial, das aus Spanplattenresten gebaut wird.

Wie sieht es mit neuen und innovativen Werkstoffen aus?

Die aktuellen Forschungen unserer Mitgliedsunternehmen behandeln wir verständlicherweise vertraulich. Doch ich möchte zwei Beispiele nennen: Zu 100 Prozent nachhaltige Oberflächen sowie neue biobasierte Kunststoffe. Es gibt eine neue natürliche und nachhaltige Oberfläche, bei der unbehandelte Pflanzenteile zum Einsatz kommen. Oder die erste Kühl-/Gefrierkombination aus nachhaltigen Bauteilen. Sie besteht teils aus biobasiertem Kunststoff sowie Verbundwerkstoffen aus recycelten Lebensmittelresten wie zum Beispiel Soja, Zuckerrohr oder Maisstärke.

Angesichts dieser jüngsten Innovationen sollte jedoch nicht vergessen werden, dass die moderne Küche von heute bereits aus vielen nachhaltigen Komponenten besteht: das beginnt, wie gesagt, bei natürlichen und recycelbaren Materialien und reicht von ressourcenschonenden Hausgeräten bis in den Zubehörbereich hinein. Auch hier finden sich viele nachhaltige Beispiele wie wasser- und energiesparende Küchenarmaturen, zu 100 Prozent recycelbare Spülen, sehr langlebige Qualitätsbeschläge, Innenorganisations- und Abfalltrennsysteme oder sparsame und recycelbare LED-Leuchten, um nur einige zu nennen.

Kommen wir zur CO2-Reduzierung, wie sieht es hier bei den Unternehmen aus?

Irle: Unsere Mitgliedsunternehmen engagieren sich bei diesem wichtigen Thema ebenfalls sehr stark wie eine vertrauliche interne AMK-Umfrage zeigt, die wir Anfang des Jahres durchgeführt haben. Ob Küchenmöbel-, Hausgeräte- oder Zubehörhersteller, alle teilnehmenden Verbandsmitglieder befassen sich intensiv damit. Viele Unternehmen erreichen bereits eine zu 100 Prozent klimaneutrale Produktion. Andere sind auf einem guten Weg dorthin. Ich würde sagen, dass unsere AMK-Mitglieder auch in diesem Bereich gut bis sehr gut aufgestellt sind und ihre ambitionierten Ziele sehr konsequent verfolgen.

Was würden Sie als die wichtigsten bisher realisierten Maßnahmen für Nachhaltigkeit, Klima- und Umweltschutz der AMK-Mitgliedsunternehmen bezeichnen?

Irle: Das Erreichen einer klimaneutralen Produktion zu 100 Prozent. Ihre erheblichen jährlichen Ressourceneinsparungen, sei es zum Beispiel durch Ökostrom, Eigenstromerzeugung, Umstellung auf energieeffiziente Fahrzeugflotten oder eine Reduzierung der Abfallströme. Dann die Zertifizierungen Umweltmanagement (ISO 14001) und Energiemanagement (ISO 50001) sowie das Vorantreiben einer durchgängigen Kreislaufwirtschaft. Doch auch die intensiven Forschungen der Unternehmen im Bereich Ressourceneffizienz, innovative Werkstoffe, Recycling und Upcycling sind beispielhaft. (AMK)

Herr Irle, vielen Dank für das Gespräch.


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