Aserbaidschan – der unbekannte Markt im Kaukasus

Das zwischen Russland, der Türkei und dem Iran gelegene Aserbaidschan stand in den vergangenen Jahren nicht unbedingt im Mittelpunkt der Exportaktivitäten der deutschen Möbelindustrie. Dabei bietet das rohstoffreiche Land mit seiner einzigartigen Lage ein enormes Absatzpotenzial für deutsche Hersteller.

Die Devisenerlöse aus dem Öl- und Gasexport und die Einnahmen des wachsenden Mittelstandes fließen seit Jahren in hohem Maße in Bauobjekte und Immobilien. Die Baubranche ist damit eine der Hauptsäulen im Nicht-Öl-Sektor der Wirtschaft Aserbaidschans. Als Hauptanlagebereich gilt der Wohnungsbau. 

Bemerkenswert ist auch der Gewerbebau. Ausländischen Anbietern von Bauelementen sowie Möbelherstellern und Objekteinrichtern bieten sich interessante Marktchancen.

Die Bauwirtschaft gilt in Aserbaidschan als eine tragende Säule bei der angestrebten Diversifizierung der immer noch stark auf den Öl- und Gassektor ausgerichteten Wirtschaft. Ihr Anteil am Bruttoinlandsprodukt erhöhte sich 2011 bis 2014 von 8,0% auf 12,5% und soll laut offiziellen Prognosen bis 2017 weiter steigen. Für 2015 und 2016 rechnen Marktexperten allerdings mit einem Rückgang der Bautätigkeit. Hauptgrund dafür sind die nicht mehr so üppig fließenden Petrodollars als Folge der deutlich gesunkenen Weltmarktpreise für Öl. 

Dennoch verspricht der Markt weiterhin viele Geschäftschancen. Das Investitionsgeschehen im Bausektor wird vornehmlich vom Wohnungsbau bestimmt. Im Durchschnitt wurden 2010 bis 2014 jährlich 2,2 Mio. qm Wohnraum errichtet gegenüber 1,6 Mio. qm in den fünf Vorjahren. Die Bauintensität mit 2,1 fertiggestellten neuen Wohnungen auf 1.000 Einwohner reicht aber noch nicht, um den wachsenden Wohnungsbedarf zu decken. Allein in der Hauptstadtregion sieht das Entwicklungsprojekt „Great Baku“ vor, bis 2030/35 bis zu 270.000 Wohnungen (15 Mio. qm) zu errichten.

Der aktuelle Bestand liegt bei etwa 670.000 Einheiten. In der Landesmetropole gibt es mehrere große Stadtentwicklungsprojekte (Khazar Islands, Baku White City und Dream Island). 

Auch im Sektor Sozial-, Handels- und Dienstleistungs-Bauten (medizinische Objekte, Bildungseinrichtungen, Einkaufszentren und touristische Objekte) lässt sich über einen längeren Zeitraum gesehen eine Marktbelebung beobachten. Die errichteten Objekte werden bislang überwiegend mit türkischen und italienischen und nur zu einem geringen Teil mit deutschen Möbeln eingerichtet. 

Die bisherige Entwicklung der deutschen Möbelexporte nach Aserbaidschan spricht eine deutliche Sprache. Die Möbelausfuhren haben sich seit dem Jahr 2010 mehr als vervierfacht und lagen im Jahr 2014 bei knapp 8 Mio. Euro. Auch dieser Exportwert wäre mit einer kontinuierlichen Marktpräsenz und mit dem Aufbau wichtiger Kontakte zu den Entscheidungsträgern vor Ort sicherlich ausbaufähig.

HDH und VDM als Spitzenverbände der deutschen Holz- und Möbelindustrie unterstützen deutsche Möbelhersteller und Hersteller aus dem baunahen Bereich der Holzindustrie bei ihrem Engagement in Aserbaidschan. Auf Antrag des HDH wurde die wichtigste regionale Bau-, Immobilien- und Einrichtungsmesse BakuBuild ins Auslandsmesse-Programm des Bundes für 2017 aufgenommen. Damit können deutsche Hersteller ihre Produkte im Rahmen eines offiziellen, vom Bund geförderten deutschen Gemeinschaftsstandes dem Fachpublikum in Aserbaidschan präsentieren.

BakuBuild ist die größte und bedeutendste internationale Fachmesse für Bau, Innenausbau und Einrichtung in Aserbaidschan und im Kaukasus. Die Messe findet bereits seit 1995 traditionell Ende Oktober in Baku, der Hauptstadt von Aserbaidschan, statt. Parallel zur BakuBuild werden die Immobilienmesse CaspianReality und die Möbelmesse Caspian MebelExpo veranstaltet, die umfangreiche Informationen über den regionalen Immobilien- und Möbelmarkt liefern und einzigartige Möglichkeiten, um neue Geschäftskontakte mit lokalen Marktführern zu knüpfen. 

Die BakuBuild präsentiert die gesamte Produktpalette wie Baumaterialien, Inneneinrichtung, Möbel, Sanitärkeramik, Heizung und Klimatechnik. Ein umfangreiches Begleitprogramm mit Seminaren, Vorträgen und einem Round-Table-Gespräch zu innovativen Technologien und zur Stadtplanung und -entwicklung der Stadt Baku rundet das Angebot der BakuBuild ab.

Seit 2006 wird auf der Messe auch ein deutscher Gemeinschaftsstand organisiert. Der deutsche Gemeinschaftsstand ist ein wichtiges Marketinginstrument besonders für kleine und mittelständische Unternehmen, um in Aserbaidschan wirtschaftlich Fuß zu fassen. Italien, Spanien, Portugal, Ungarn, die Tschechische Republik, Indien, Iran und die Vereinigten Arabischen Emirate sind ebenfalls mit offiziellen Gemeinschaftsständen auf der BakuBuild vertreten. 

Im Oktober 2015 präsentierten insgesamt 413 Aussteller, davon 297 internationale Firmen aus 25 Ländern, ihre Produkte 11.562 Besuchern aus 41 Ländern. Die Mehrzahl der Besucher stammte überwiegend aus den Nachbarländern wie Russland und der Türkei.

Ursula Geismann, Presse & Export

Gerne unterstützen Sie HDH und VDM bei Ihrer Teilnahme an der BakuBuild 2017 und stellen Ihnen die relevanten Informationen zum aserbaidschanischen Markt zur Verfügung.

Alexander Oswald, Leiter Competence Center East

zum Seitenanfang

zurück