Der Mittelstandsverbund – ZGV
Vertrauen in den Standort Deutschland sinkt

Dr. Henning Bergmann, Hauptgeschäftsführer Der Mittelstandsverbund – ZGV e.V. Foto: Der Mittelstandsverbund

Berlin. Die wirtschaftliche Stimmung im kooperierenden Mittelstand bleibt angespannt. Bürokratie, Unsicherheit und hohe Standortkosten bremsen viele Betriebe weiterhin aus. So bewerten 68% der Unternehmen im dritten Quartal 2025 die Zukunftsfähigkeit des Standorts Deutschland als sehr oder mindestens eher negativ. Das geht aus der aktuellen Konjunkturumfrage des Mittelstandsverbundes unter seinen Mitgliedern hervor.

Zwar zeigen sich einzelne Stabilisierungstendenzen, doch 58% der Unternehmen bewerten ihre Lage als befriedigend, nur 20% als gut, während 22% sie bereits als schlecht einschätzen. Dr. Henning Bergmann, Hauptgeschäftsführer des Mittelstandsverbundes, sagt: „Die Stimmung im kooperierenden Mittelstand ist ernüchternd – zu viel Bürokratie, zu wenig Planungssicherheit. Viele Unternehmen stemmen sich mit aller Kraft gegen die Unsicherheit am Markt, stoßen aber zunehmend an ihre Grenzen. Das angekündigte Entlastungspaket der Bundesregierung vom 5. November kommt zur rechten Zeit – entscheidend wird aber sein, ob es wirklich Wirkung entfaltet. Denn das Vertrauen der Unternehmen in den Standort Deutschland bröckelt. Was die Betriebe brauchen, ist endlich politische Entlastung und Vertrauen in stabile Rahmenbedingungen. Sonst bleibt Deutschland wirtschaftlich auf der Bremse.“

Umsatz und Erträge stagnieren 

Beim Umsatz melden 37% der Verbundgruppenzentralen für das 3. Quartal 2025 rückläufige Werte, 30% gleichbleibende und 33% steigende. Für den weiteren Jahresverlauf überwiegt die Vorsicht: Nur 24% der Verbundgruppen erwarten steigende Umsätze, 35% rückläufige. Auf Ebene der Anschlusshäuser zeigt sich das Bild noch gedämpfter: Hier melden 44% stabile Umsätze, aber 37% Rückgänge und nur 13% Zuwächse. Auch bei den Erträgen überwiegt der Druck: 41% berichten von rückläufigen Ergebnissen, während nur ein Fünftel (20%) steigende Erträge erzielte. Auch die Investitionstätigkeit stagniert: 26% investierten in Q3 2025 stärker als noch im gleichen Zeitraum 2024, 24% weniger, die Mehrheit (50%) hielt sich konstant. Eine ähnliche Zurückhaltung zeigt sich für den Rest des laufenden Geschäftsjahres.

Wachstumsbremsen: Bürokratie und Nachfrageunsicherheit an der Spitze

Auf die Frage nach den größten Wachstumshemmnissen nennen die Unternehmen aus dem kooperierenden Mittelstand vor allem die Nachfrageunsicherheit (31%) und Bürokratie (27%), gefolgt vom Fachkräftemangel (19%) und den Energiekosten (10%). 85% der Unternehmen berichten zudem von gestiegener bürokratischer Belastung im Vergleich zu vor drei Jahren – die Hälfte sieht dies sogar deutlich. Auch Nachhaltigkeits- und Berichtspflichten wie das Lieferkettengesetz oder ESG-Vorgaben setzen viele Betriebe unter Druck: Über die Hälfte (54%) fühlt sich dadurch eher stark oder sehr stark belastet.

Steigende Betriebskosten und Regulierung gefährden zunehmend die Wettbewerbsfähigkeit: Mehr als ein Drittel (34%) der Unternehmen empfindet die Belastung als stark oder existenzbedrohend, fast die Hälfte (48%) bezeichnet sie als spürbar, aber immerhin verkraftbar. Entsprechend deutlich sind die politischen Erwartungen: 41% der Unternehmen fordern einen Abbau von Bürokratie, 22% eine Senkung von Steuern und Abgaben und 15% eine bessere Fachkräftepolitik.


zum Seitenanfang

zurück