Deutsche Möbelindustrie
Robust durch die Pandemie

„Schon im zweiten Jahr in Folge erlebt die deutsche Möbelindustrie coronabedingt einen äußerst volatilen Geschäftsverlauf“, so Jan Kurth, Geschäftsführer der Verbände der deutschen Möbelindustrie (VDM/VHK), auf der heutigen Pressekonferenz zur wirtschaftlichen Situation der Branche. Foto: VDM

Die deutsche Möbelindustrie hat das erste Halbjahr 2021 mit einem Umsatzplus von 4,3% abgeschlossen. Von Januar bis Juni 2021 betrugen die Umsätze der Branche rund 8,4 Mrd. Euro. Der Inlandsumsatz entwickelte sich dabei vor dem Hintergrund der langen Phase der Handelsschließungen mit plus 1,5% nur leicht positiv. Dagegen konnte der Auslandsumsatz der deutschen Möbelindustrie im ersten Halbjahr 2021 kräftig um 10,6% zulegen. „Das Exportgeschäft profitierte vom rückläufigen Infektionsgeschehen in wichtigen europäischen Exportmärkten, der im Vergleich zu Deutschland früheren Aufhebung der Lockdown-Maßnahmen, der schrittweisen Rückführung der internationalen Reisebeschränkungen und dem Handelsabkommen zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich“, so Jan Kurth, Geschäftsführer der Verbände der deutschen Möbelindustrie (VDM/VHK), auf der heutigen Pressekonferenz zur wirtschaftlichen Situation der Branche. Die Exportquote lag im 1. Halbjahr bei 33% und damit deutlich über dem Niveau des Vorjahres.

Erhebliche Differenzen in der Umsatzentwicklung der einzelnen Segmente

Die einzelnen Segmente der deutschen Möbelindustrie entwickelten sich dabei im 1. Halbjahr höchst unterschiedlich: Nach Angaben der amtlichen Statistik verzeichneten die Küchenmöbelhersteller einen kräftigen Umsatzanstieg um 16,3% auf rund 2,8 Mrd. Euro und weisen damit wieder eine wesentlich bessere Performance als andere Segmente auf. Einen überdurchschnittlichen Anstieg registrierten auch die Hersteller von Polstermöbeln, deren Umsätze von Januar bis Juni 2021 um 17,5% auf rund 500 Mio. Euro zulegen konnten. Auch das kleinste Segment der Branche – die Matratzenindustrie – wies ein Umsatzplus in Höhe von 3,5% auf rund 363 Mio. Euro aus. Die Umsatzentwicklung beim größten Segment der Möbelindustrie – den sonstigen Möbeln (darunter Wohn-, Ess- und Schlafzimmermöbel) sowie Möbelteilen – fiel mit minus 5,8% auf 2,8 Mrd. Euro dagegen negativer aus als im Branchendurchschnitt. Die Büromöbelindustrie registrierte mit einem Umsatz von rund 960 Mio. Euro erneut einen Rückgang um 0,3%. Die Hersteller von Laden- und sonstigen Objektmöbeln lagen um 4,4% über dem Vorjahreswert und erzielten einen Umsatz von rund 867 Mio. Euro.
In den aktuell 458 Betrieben mit mehr als 50 Beschäftigen arbeiten 78.901 Personen und damit rund 5% weniger als im Vorjahr.

Materialengpässe belasten die Branche

Nach wie vor belasten Materialengpässe die Branche. Neben Holzwerkstoffen sind u. a. Metallkomponenten, Beschläge, elektronische Bauteile, Polsterschäume, Bezugsstoffe und Verpackungsmaterialien knapp. In einer Verbandsumfrage gaben 42% der befragten Möbelhersteller an, dass sich die Materialversorgung im Juli 2021 gegenüber dem Vormonat weiter verschärft hat und es wegen der Engpässe zu Einschränkungen und Verzögerungen in der Produktion kommt.
Vor diesem Hintergrund lasse sich die weitere Geschäftsentwicklung auch nur schwer einschätzen, so Kurth. „Bei unserer Prognose für das Gesamtjahr müssen wir zudem berücksichtigen, dass der Geschäftsverlauf im zweiten Halbjahr 2020 – dem Vergleichszeitraum – unter anderem aufgrund der starken Nachholeffekte nach dem ersten Lockdown im Frühjahr 2020 und wegen des Mehrwertssteuereffekts ausgesprochen positiv war. Vor diesem Hintergrund gehen wir für die deutsche Möbelindustrie für das Gesamtjahr 2021 von einem Umsatz auf Vorjahresniveau (Umsatz 2020: 17,23 Mrd. Euro) aus.“

Im Vergleich zum Umsatzniveau des Jahres 2019 würde dies einem Rückgang von rund 4% entsprechen.

Weitere Informationen zur Lage der Branche lesen Sie auch in der September-Ausgabe des MÖBELMARKT.


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