Deutsche Polstermöbelindustrie
Konsumklima, Hitze und Importe verhageln das Geschäft

VdDP-Vorsitzender Leo Lübke und Geschäftsführer Jan Kurth informierten in Herford über die wirtschaftliche Lage der deutschen Polstermöbelindustrie. Foto: VdDP

Der Umsatz der deutschen Polstermöbelindustrie lag in den ersten sieben Monaten dieses Jahres um 10,4% unter dem Vorjahresniveau. Besonders das Inlandsgeschäft entwickelte sich mit einem Minus von rund 11% schwach, während die Auslandsumsätze um rund 9% zurückgingen. Im Hitze-Monat Juli allein verzeichnete die Branche einen Umsatzrückgang von mehr als 13% gegenüber dem Vorjahresmonat.

Auch im Exportgeschäft blieb die Entwicklung verhalten. Die Schweiz behauptete mit einem Exportvolumen von rund 104 Mio. Euro ihre Position als größter Auslandsmarkt und lag nahezu auf Vorjahresniveau. In wichtigen europäischen Märkten wie Österreich, den Niederlanden, Italien und Großbritannien verzeichneten die Hersteller hingegen zum Teil deutliche Rückgänge. Positive Impulse kamen aus Frankreich, wo die Exporte um 13,1% auf gut 57 Mio. Euro zulegten. Insgesamt zeigt sich, dass die Kaufzurückhaltung nicht auf Deutschland beschränkt ist, sondern auch viele europäische Absatzmärkte erfasst. Die schwache Auslandsnachfrage kann die Rückgänge im Inland derzeit nicht kompensieren.

Verhaltene Hoffnung auf Herbstgeschäft

Die Hersteller setzen jetzt auf die traditionell stärkeren Herbst- und Wintermonate, ihre Innovationen und die besondere Qualität ihrer Produkte. Die aktuellen Branchenzahlen zeigen jedoch noch keine nachhaltige Trendwende. „Normalerweise bringt der Herbst Rückenwind für unsere Branche. In diesem Jahr bläst uns der Wind allerdings noch immer kräftig ins Gesicht“, sagte Leo Lübke, Vorsitzender des Verbands der Deutschen Polstermöbelindustrie (VdDP), heute auf der Jahres-Pressekonferenz des Verbandes in Herford. Vor dem Hintergrund sinkender Umsätze fallen die Erwartungen der Branche verhalten aus.

Mehr als zwei Drittel der in der aktuellen Wirtschaftsumfrage der Verbände befragten Unternehmen rechnen nicht mit einer spürbaren Belebung im zweiten Halbjahr 2026. Rund 60 Prozent nutzen im dritten Quartal Kurzarbeit. Als Hauptbelastungsfaktoren nannten die Befragten das anhaltend schwache Konsumklima sowie steigende Materialkosten. „Ein Polstermöbel kauft man deutlich spontaner als zum Beispiel eine Küche“, erläuterte Lübke. „Solche ‚Lustkäufe‘ bleiben im Moment vielfach aus, weil die Menschen angesichts steigender Lebenshaltungspreise und geopolitischer Unsicherheiten das Geld zusammenhalten.“

Importdruck ist weiterhin groß

Der Importdruck bleibt trotz rückläufiger Einfuhren hoch. Zwar gingen die Polstermöbelimporte in den ersten sieben Monaten 2026 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um knapp 4% auf rund 1,63 Mrd. Euro zurück, sie lagen damit jedoch noch 11,2% über dem Niveau von 2024. Aus Polen, mit einem Anteil von 41,1% das mit Abstand wichtigste Lieferland, wurden Polstermöbel im Wert von rund 670 Mio. Euro eingeführt. Weitere rund 415 Mio. Euro entfielen auf China. Damit kamen rund zwei Drittel der gesamten Polstermöbelimporte allein aus diesen beiden Ländern. Gegenüber dem Vorjahr gingen die Einfuhren aus Polen und China jeweils um 4,6% zurück. Im Vergleich zu 2024 lagen sie jedoch weiterhin deutlich höher: bei Polen um 8,1% und bei China um 19,5%. Kräftige Zuwächse gegenüber dem Vorjahr verzeichneten zudem Vietnam mit 16,9% und Litauen mit 31,0%.

„Der leichte Rückgang der Einfuhren darf nicht darüber hinwegtäuschen, wie massiv der Importdruck inzwischen ist“, betonte Kurth. „Allein aus Polen und China kommen Polstermöbel im Wert von fast 1 Mrd. Euro nach Deutschland. Unsere mittelständisch geprägten Hersteller müssen sich in einem schrumpfenden Markt gegen Anbieter behaupten, die häufig unter deutlich günstigeren Kosten- und Regulierungsbedingungen produzieren.“


zum Seitenanfang

zurück