Deutsche Polstermöbelindustrie
Profitiert von lebhaftem Auslandsgeschäft

VdDP-Vorsitzender Leo Lübke (Cor) und VdDP-Geschäftsführer Jan Kurth (re.) auf der Pressekonferenz des deutschen Polstermöbelverbands in Herford (Foto: VdDP)

Die deutsche Polstermöbelindustrie beweist in der Pandemie Stabilität: Von Januar bis Juli 2021 zog der Umsatz laut amtlicher Statistik um 14 Prozent auf 581 Millionen Euro an, wie Leo Lübke, Vorsitzender des Verbands der Deutschen Polstermöbelindustrie (VdDP e.V.), am 22. September auf der Jahrespressekonferenz in Herford berichtete. Im Monat Juli lag der Umsatz um 3,8 Prozent unter dem Vorjahresmonat, was vor allem auf die geringere Zahl der Arbeitstage zurückzuführen ist.

Beim Blick auf die Geschäftsentwicklung im bisherigen Jahresverlauf ist zu berücksichtigen, dass der Umsatz der deutschen Polstermöbelhersteller von Januar bis Juli 2020 coronabedingt um rund 6% geschrumpft war und das Vergleichsniveau entsprechend niedrig ist. Im Vergleich zum Vor-Corona-Jahr 2019 liegt die deutsche Polstermöbelindustrie von Januar bis Juli 2021 mit 6,9% im Plus.

Auf dem Heimatmarkt konnten die deutschen Polstermöbelproduzenten in den ersten sieben Monaten 2021 mit 360 Mio. Euro 4% mehr umsetzen als im Vorjahr. Deutlich stärkere Impulse kamen vom Auslandsgeschäft, das um 35% auf 221 Mio. Euro Umsatz wuchs. Die Exportquote kletterte auf 37,9% nach 32,2% im Vorjahreszeitraum.

Auf nahezu allen europäischen Märkten entwickelte sich der Absatz im bisherigen Jahresverlauf positiv, wie die – für die ersten sechs Monate vorliegende – Außenhandelsstatistik zeigt. So legten die Ausfuhren in die Schweiz als wichtigstem Exportland von Januar bis Juni um knapp 9% auf 87 Mio. Euro zu. In Österreich, dem zweitbedeutendsten Auslandsmarkt, gelang den deutschen Polstermöbelproduzenten eine Steigerung von gut 30%. Auch in Frankreich (plus 20,5%), den Niederlanden (plus 4,7%), Belgien (plus 43,3%), dem Vereinigten Königreich (plus 5,5%), Italien (plus 36,5%) und Polen (plus 55,7%) gab es Zuwächse. Ins Auge fällt zudem China mit einem Plus von 58%.

Vor Herausforderungen sehen sich die Polstermöbelproduzenten bei der Materialbeschaffung gestellt, wie Lübke berichtete. Schon seit mehreren Monaten sind viele Materialien infolge gestörter Lieferketten knapp und deutlich im Preis gestiegen. Die größten Engpässe bestehen laut Verbandsumfragen bei Metallteilen, Beschlägen, Funktionselementen, Polsterschäumen, elektronischen Bauteilen und Holzwerkstoffen.

Für die kommenden Monate zeigte sich Leo Lübke trotz der Schwierigkeiten auf der Beschaffungsseite und der Unsicherheiten infolge der Pandemie optimistisch: „Im Herbst rechne ich mit einer Belebung der Inlandsnachfrage.“ Für Zuversicht sorgt vor allem der Auftragseingang im Monat August, der laut verbandsinternen Erhebungen um 28,5% über dem Vorjahresniveau liegt (Inland: plus 35,6%; Ausland: plus 5,4%).

Bei der Prognose für das Gesamtjahr 2021 muss der von Nachhol- und Mehrwertsteuereffekten geprägte, starke Umsatzverlauf des zweiten Halbjahrs 2020 (plus 16%) bedacht werden. Vor diesem Hintergrund erwartet der VdDP in 2021 ein Umsatzwachstum von 3 bis 5% für die deutsche Polstermöbelindustrie.

„Während der Pandemie wird das Wohnzimmer mit dem Sofa im Zentrum noch intensiver als Ort der Entspannung und als Treffpunkt der Familie genutzt“, stellte Lübke fest. Verstärkt nachgefragt werden derzeit große Sofalandschaften, kleine Ecksofas, Einzelsessel sowie Relax-Sessel, wie eine Verbandsumfrage unter den VdDP-Mitgliedsbetrieben ergeben hat. Die Nachfrage nach der klassischen Kombination aus Ein-, Zwei- und Dreisitzer ist unterdessen stabil. Für das Esszimmer sind – auch wegen der heutzutage längeren Verweildauer mit Gästen am Esstisch – gepolsterte Ess-Sessel und gepolsterte Ess-Bänke stark im Kommen.

Im Trend liegen leichte, bodenfreie Polstermöbel. Beim Design rangiert der weiche, organische Stil auf Rang eins vor dem strengen, kubischen Stil. Bei den Bezugsmaterialien sind momentan vor allem naturbelassene Leder, pigmentierte Leder sowie Synthetikfasern beliebt, gefolgt von Baumwolle, Leinen, Samt und Cord. Bei den Farben dominieren Anthrazit-, Braun- und Beige-Töne vor dezenten Pastelltönen. Aus Verbrauchersicht immer wichtiger werden die Funktionalitäten von Polstermöbeln: Am häufigsten geordert werden die Relax-Funktion, verstellbare Armlehnen sowie die Sitztiefenverstellung. Generell nimmt die Variantenvielfalt in den Kollektionen stetig zu.


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