Deutscher E-Commerce
Ist zurück auf Wachstumskurs

Berlin / Köln. Der Brutto-Umsatz mit Waren im deutschen E-Commerce ist im Jahr 2024 erstmals seit 2021 wieder gestiegen und erreichte 80,6 Mrd. Euro, nach 79,7 Mrd. Euro im Jahr davor. Das entspricht einem moderaten Wachstum von 1,1%. Der Anteil des Onlinehandels mit Waren am gesamten Einzelhandel im engeren Sinn konnte sich auf nahezu unverändertem Niveau von 10,1% stabilisieren (2023: 10,2%). Im Verlauf des Jahres 2025 erwarten der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland (BEVH) und das EHI Retail Institute in einer gemeinsamen Prognose eine Fortführung der Markterholung und ein Umsatzwachstum im E-Commerce mit Waren von 2,5%.

Von den insgesamt 20 erfassten Warenkategorien im Onlinehandel konnten 15 im vergangenen Jahr erneut Umsatzzuwächse realisieren. Größte Gewinner-Kategorien im Onlinehandel waren nicht aufschiebbare Bedarfsgüter, allen voran Medikamente (+6,3%), Lebensmittel (+5,5%) und Tierbedarf (+5,4%). Die Umsätze im für den Onlinehandel besonders wichtigen Modehandel blieben mit einem Plus von 0,1% für Bekleidung und 0,8% für Schuhe nahezu unverändert. Abermals Umsatzrückgänge hinnehmen mussten der Onlinehandel mit Elektroartikeln und Telekomunikation (-2,4%), zu denen besonders Unterhaltungsgeräte zählen. Hierzu beigetragen hatte auch, dass die Fußball-EM in Deutschland nicht den erhofften Konsumimpuls setzen konnte.

Die aufgehellte Konsumstimmung kam sehr unterschiedlich bei den Händlern an, wie ein Vergleich der Versendertypen zeigt. Über Online-Marktplätze generierte Umsätze wuchsen über das Gesamtjahr um 4,7% auf 44,0 Mrd. Euro, während Online-Pure-Player (-3,6%), Multichannel-Händler (-2,0%) und Herstellerversender bzw. D2C-Anbieter (-2,3%) der Umsätze im Vergleich zum Vorjahr abgaben. Im Ergebnis konnte der Marktanteil der Online-Marktplätze weiter zulegen: Von 53% im Jahr 2023 auf 55% im vergangenen Jahr.

Zwei Wachstumsfelder tragen zum Optimismus der Onlinehändler besonders bei: Der Verkauf über Social Media und der erstarkende Re-Commerce, also der Handel mit gebrauchten und wiederaufbereiteten Artikeln. In einer Sonderbefragung gaben 64,1% der 14- bis 29-Jährigen und immerhin jeder Fünfte (20,1%) älter als 60 Jahre an, nach einem Impuls auf Social Media-Plattformen eingekauft zu haben. Re-Commerce-Anbieter unterstreichen unterdessen die wachsende Bedeutung der Onlinehandels für eine funktionierende Kreislaufwirtschaft. Erste Ergebnisse einer im Sommer erscheinenden Studie des BEVH ergaben, dass jeder Zweite Waren in den vergangenen 12 Monaten bereits online erworben (55,0%) oder verkauft (52,4%) hat.

BEVH-Präsident Gero Furchheim sagt: „Der E-Commerce ist wieder im Plus, obwohl die schlechte Konsumstimmung in Deutschland anhält. Wir erwarten ein andauerndes und mittelfristig verstärktes Wachstum für unsere Branche. Ein Risiko dafür wären neue Krisen, Unsicherheiten beispielsweise im Umfeld der Bundestagswahl und weitere geopolitische Spannungen. Bei positiven Impulsen besteht aber das Potenzial zu einem schnelleren Wachstum, insbesondere weil viele Konsumenten mit einer hohen Sparquote Rücklagen gebildet haben.“


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