Einrichtungspartnerring VME | Neue Konzepte
„Der mittelständische Einzelhandel verliert an Relevanz“

Sebastian Moos, Chief Digital Officer, Einrichtungspartnerring VME

Interview mit Sebastian Moos, Chief Digital Officer des Einrichtungspartnerring VME.

MM: Was sind aktuell die dringendsten Probleme in der Möbelbranche?
Sebastian Moos: Das dringendste Thema im gesamten mittelständischen Einzelhandel ist die mangelnde Frequenz in unseren Geschäften aufgrund von Kaufzurückhaltung, Verunsicherung, hohen Sparquoten und Kriegen in der Welt. Dabei schrumpft der mittelständische Einzelhandel überproportional zum Markt. Aber warum? Unsere klassischen USPs – Individualisierung, Beratung, Service, ganzheitliche Wohneinrichtung – werden gerade von den jungen Kunden nicht mehr so wahrgenommen. Das heißt, wir verlieren als mittelständischer Einzelhandel an Relevanz im Kopf der Kunden. Dem Möbelhandel fehlt auch ein Stück weit der digitale Fußabdruck aus den letzten zehn, zwanzig Jahren, aus dem sich die Algorithmen moderner digitaler Systeme speisen. Die Kernfrage lautet also: Wie werden wir auf dem digitalen Spielfeld vor dem stationären Besuch sichtbarer? Und wie werden wir mit unseren USPs und Stärken als relevant wahrgenommen? Relevanz, Sichtbarkeit, Frequenz; in dieser Reihenfolge. Das sind die dringendsten Themen in der Möbelbranche aktuell.

MM: Der digitale Produktpass bleibt eines der wichtigsten Zukunftsthemen. Was ist hier seit der letzten Digitale passiert?
Moos:
Beim digitalen Produktpass gibt es unterschiedliche Initiativen. Eine davon ganz vorneweg ist FurnitureX, auch zusammen mit IWOfurn, vorangetrieben von Integrated Worlds, und unterschiedlichen Industriepartnern, in der eigentlich ein digitaler Zwilling eines Produktes gebaut wird – mit dem dann der digitale Produktpass als eine Art Teilmenge des Digitalen Zwillings gleich mit erledigt würde. Erste Piloten dazu wurden schon auf der VME Digitale.25 vorgestellt. Seitdem sind wir mit FurnitureX unter der Führung von Integrated Worlds in unterschiedliche Arbeitsgruppen und Leuchtturmprojekte gestartet, wo wir Themen in kleinere, handhabbare Bereiche geteilt haben, an denen wir gemeinsam arbeiten. Der mittelständische Möbelhandel hat insofern in der deutschen Digitalen-Produktpass-Szene Vorbildcharakter. 

MM: Ist die Künstliche Intelligenz dem Hype der letzten Jahre gerecht geworden? Welche Lösungen wenden Sie beim VME an?
Moos:
Die Künstliche Intelligenz hat ihren großen Hype noch gar nicht erreicht. Wer dem Thema KI ein wenig folgt, der sieht, was für unglaubliche Quantensprünge es in den letzten Monaten gab. Und sie wird bei VME bereits produktiv eingesetzt; mit wirklich geringen Lizenzkosten erreichen wir eine drei- bis vierfache Produktivität bei sauber geregelter Governance; Schwerpunkte sind Datenanalyse, Mustererkennung und die Verknüpfung von Kundenverhalten mit Produkt- und Lieferanten-Performance.

MM: Die Digitale 25 war eine spannende Veranstaltung, erstmals offen für die ganze Branche. Ist die Branche bei Digitalisierungsthemen seitdem enger zusammengerückt?
Moos:
Ja, das glaube ich schon. Und das auf mehreren Ebenen. Zum einen sehen wir ein Umdenken auf Handels-ebene bei unseren Gesellschaftern. Man stellt ganz klar fest, dass man manche Dinge alleine nicht mehr schafft. Beispielsweise in der IT-Sicherheit, wo bekannte Unternehmen um uns herum bereits gehackt und Opfer von Kriminalität werden. 
Unter der Schirmherrschaft des Bundesverband Kooperierender Mittelstand (ehem. ZGV), rücken in der Fachgruppe Küchen und Möbel die Verbände enger zusammen. Hier geht es vor allem um die Standards, die ganz viele Prozessverbesserungen, Optimierungen und Automatisierungen ermöglichen, die in den heutigen Zeiten von Fachkräftemangel zwingend notwendig sind. Und auch mit der Industrie führen wir heute deutlich bessere und qualitativ hochwertigere Gespräche.
Insofern finde ich: Ja, die Branche ist seit der VME Digitale.25 enger zusammengerückt und allein deshalb war die Veranstaltung schon ein Erfolg. Und die Digitale.27 wird noch besser werden und noch mehr gemeinsame Werte schaffen.


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