EuroComfort Group
Bußkamp übernimmt Traditionsmarke Schlaraffia
Nach der vorläufigen Insolvenz der Aquinos Bedding Germany gibt es jetzt eine Zukunft für die Traditionsmarke Schlaraffia: Thomas Bußkamp plant mit seiner EuroComfort Group, die Marke mit über 115jähriger Geschichte kurzfristig neu aufzubauen und zügig wieder am Markt zu platzieren. Das teilt Rechtsanwältin Frauke Heier von der Kanzlei Niering Stock Tömp Rechtsanwälte mit, die im Juli zur vorläufigen Insolvenzverwalterin bestellt worden war.
In einem vierwöchigen internationalen Investorenprozesses wurde ein strukturierter Bieterprozess umgesetzt. Bei der Veräußerung der Markenrechte hatte Bußkamp mit der EuroComfort Group das höchste Gebot abgegeben. An einer Übernahme der Produktionsstandorte jedoch habe trotz zahlreicher Besichtigungstermine von potenziellen Investoren kein Bieter Interesse gehabt, so Heier. Der Grund: ein veralteter Maschinenpark sowie einer technologisch überholte, kostenaufwändige Logistikstruktur. Der Kaufpreis für die Markenrechte und Patente sowie sonstiges geistige Eigentum soll sicherstellen, dass die Löhne und Gehälter der 171 Beschäftigten noch bis zum Auslauf der Kündigungsfristen aus der Insolvenzmasse gezahlt werden können. Sie haben außerdem die Chance, sich auf offene Stellen in anderen Firmen der EuroComfort Group zu bewerben.
Das Unternehmen aus Bocholt gehört zu den größten Produzenten Europas auf dem Gebiet der Bettausstattung und Polsterelemente, welche an zehn Produktionsstandorten mit 4.595 Mitarbeitenden innovative Produkte und Lösungen rund um entspannten Sitz- und Liegekomfort entwickelt, produziert und vertreibt. Zur Unternehmensgruppe von Eigentümer Thomas Bußkamp gehören unter anderem die Unternehmen Badenia Bettcomfort, Lück, Brinkhaus, Abeil und Euroline sowie die bekannten Marken Irisette, Brinkhaus und Ewald Schillig.
Seit dem Jahr 2022 die Marke Schlaraffia zur Aquinos Bedding Germany GmbH, einem Tochterunternehmen der portugiesischen Aquinos-Gruppe. Hintergrund der Insolvenz der Aquinos Bedding Germany GmbH ist nach Angaben der Insolvenzverwalterin vornehmlich die finanzielle Schieflage ihrer Schwestergesellschaften in Polen, Belgien, Niederlande und Rumänien, die als Zulieferer agierten und selbst in Lieferschwierigkeiten geraten waren. Hohe Energiekosten oder andere politisch beeinflussbare Probleme in Deutschland hätten für die Krise keine relevante Rolle gespielt.
Aquinos Bedding Germany/Schlaraffia unterhält ein Werk zur Herstellung von Matratzen in Bochum-Wattenscheid/NRW sowie ein weiteres Werk zur Herstellung von Unterfederungen (Lattenroste) in Jöhstadt/Sachsen. Beide Werksbetriebe waren aufgrund fehlender liquider Mittel zum Zeitpunkt der Insolvenzantragstellung bereits eingestellt; zwei weitere, kleine Verwaltungsstandorte in Köln/NRW und Haßfurt/Bayern wurden aufgrund von Mietrückständen vermieterseitig fristlos gekündigt. Die Löhne- und Gehälter der 171 Mitarbeitenden waren bis Ende August 2025 in Form des vorfinanzierten Insolvenzgeldes gesichert. Danach drohte vor dem Hintergrund der fehlenden Liquidität, dass ab September 2025 keine Lohn- und Gehaltszahlungen mehr hätten erfolgen können.