Finori: Neue Programme
Die Kreativ-Maschine

Der Inspirator: Stefan Finzel hat Finori vor 20 Jahren gegründet. Fotos: Finori

Vor 20 Jahren begann Finori als Lieferant von Aktionsartikeln für die Lebensmittelindustrie und entwickelte sich seither zum Trendsetter im Kleinmöbelbereich. Aus Sicht von Stefan Finzel spielt das junge Team, das er beschäftigt, hierbei die entscheidende Rolle. Es besteht aus vielen unterschiedlichen, sehr individuellen Charakteren, „die sich alle bei uns verwirklichen können“, wie der Unternehmer betont.

Für den Firmengründer ist dies einer der entscheidenden Erfolgsfaktoren seines Unternehmens, der sich auch in Zahlen ausdrücken lässt: Vor zehn Jahren beschäftigte er noch zwölf Mitarbeiter, heute sind es über 50. Der Umsatz kletterte in dieser Zeit von 20,3 Mio. Euro auf mittlerweile über 70 Mio. Euro. Die Kundenstruktur ist sehr ausgewogen – die Großkunden befinden sich nicht nur in Deutschland. „Wir sind heute deutlich breiter aufgestellt, auch internationaler“, so Finzel.

Auch wenn der Chef stets die Teamleistung betont: Ohne einen führenden Kopf funktioniert eine solche Entwicklung natürlich nicht. Als „Inspirator“ charakterisiert er seine Rolle, sagt aber auch: „Die Mannschaft ist der König, nicht ich.“ Für Finzel und das Finori-Team ist Kreativität in Design, Darstellung und Produktmanagement eine wesentliche Voraussetzung für den Unternehmenserfolg. „Kreativität ist unser wichtigstes Thema“, unterstreicht Finzel. „Ihr sind bei uns keine Grenzen gesetzt.“ Es gehe darum, den Mitarbeitern den notwendigen Freiraum zu geben, Ziele zu definieren und Visionen zu entwickeln. „Das beflügelt ein Unternehmen wie uns.“

Anhaltendes Wachstum

Besonders in den vergangenen beiden Jahren hat sich die Umsatzentwicklung noch einmal beschleunigt, und Finzel sieht dafür einen einfachen Grund: „Wir wachsen, weil wir Partnerschaft auch leben.“ Das sei das Grundprinzip gegenüber Kunden, Lieferanten oder Dienstleistern. „Und es gibt keinen Großkunden, der nicht jedes Jahr mit uns wächst.“ Teilweise gab es bei ihnen Steigerungen um das Doppelte oder Dreifache binnen eines Jahres. Finzel: „Das nenne ich Partnerschaft.“

Auch die Zahl der Mitarbeiter ist zuletzt entsprechend gewachsen. Finori stellte unter anderem einen Finanzchef ein, verdoppelte die Manpower in der Buchhaltung und etablierte neben dem neuen ERP-System auch einen eigenen ERP-Programmierer. Alles mit dem Ziel, Prozesse transparenter zu machen und Daten besser analysieren zu können, um die Wirtschaftlichkeit zu erhöhen. „Wir schaffen auch in diesem Jahr wieder ein Wachstum. Aber wenn wir den nächsten Schritt gehen wollen, dann müssen wir uns in unseren Strukturen, unserem Workflow und unseren Prozessen noch professioneller aufstellen“, unterstreicht Finzel.

Beirat geschaffen

Seit etwa fünf Jahren gibt es einen Beirat im Unternehmen, dem ein Vorstandsmitglied einer renommierten Wirtschaftsprüfungsgesellschaft sowie ein Wirtschafts-Professor angehören. Auch deren unabhängigen und eher fachfremden Rat nutzt Finzel zur Inspiration und zum Hinterfragen der eigenen Arbeit. Liquidität, Kennzahlensysteme, finanztechnische Ausstattung oder Markenaspekte – die Themen der Beiratssitzungen sind vielfältig. „Für uns ist das eine Art betriebswirtschaftlicher Rückendeckung“, sagt der Unternehmer.

Ein klares Ziel, in welche Regionen sich der Umsatz in den kommenden Jahren noch entwickeln soll, formuliert Finzel jedoch nicht. Wachsen um des Wachsens willen ist nicht sein Ziel. „Wir werden in Zukunft noch stärker auf die Deckungsbeiträge schauen. Unser Fokus liegt auf Warenverfügbarkeit und Rentabilität.“

Gute Preise, große Mengen

Dabei spielt die Preisentwicklung eine wesentliche Rolle. „Wir sind einer der wenigen, die noch im Preiseinstieg arbeiten“, erklärt Finzel, formuliert aber gleichzeitig eine Perspektive: „Wir fangen im SB an, arbeiten aber jetzt im Jungen Wohnen auch mit dem Anspruch, künftig etwas nach oben zu gehen, ohne den Fokus auf die Menge zu verlieren. Wir möchten vernünftige Preise abbilden und große Mengen darstellen.“

Neben dem bestehenden Sortiment gibt es bei Finori Artikel aus der Projekt-arbeit, also Exklusivserien für große Kunden, die aktuell einen Teil des Auftragsvolumens ausmachen. „Proportional zum Preisanstieg nehmen bei uns auch die Projekte zu“, erklärt Finzel. In diesem Jahr verzeichnet finori bereits wieder ein Plus auf eingegangene Aufträge. Zurückzuführen sei dies vor allem auf die international ausgerichtete Projektarbeit. „Viele Kunden gehen dazu über, Exklusivserien zu bestellen.“ Das hebe sie in Zeiten der Preisrallyes von den Wettbewerbern ab, auch mit Blick auf die Sichtbarkeit im Netz.

Für die Großkunden gibt es Produktmanager, die für die jeweiligen Projekte komplett verantwortlich sind und auch die Zusammenarbeit mit den Kollegen von Design und Grafik steuern. Derzeit wird vermehrt mit Augmented-Reality-Lösungen gearbeitet, die den Kunden zur Verfügung gestellt werden. Die hierfür benötigten 3D-Daten werden inhouse erstellt, eine entsprechende technische Ausstattung und ein eigenes Fotostudio sind bei Finori vorhanden, so dass kein weiterer Dienstleister hinzugezogen werden muss. Auch die Designs werden im Unternehmen entworfen. Drei eigene Designer und vier Grafiker arbeiten an Entwicklung und Darstellung neuer Produkte. Von der Idee bis zur Lieferung eines Produkts vergehen im Schnitt zweieinhalb Monate.

Finzel ist überzeugt, dass die Produktlebenszyklen in der Möbelindustrie immer kürzer werden. Die Zahl der jährlichen Neuentwicklungen bei Finori liegt aktuell bei rund 400 Artikeln, auch dies ein Ausdruck der Kreativität des Unternehmens. „Wir haben eine hohe Frequenz von Neuentwicklungen und stellen uns darauf ein, dass die Zyklen von der Einführung bis zum Abverkauf in Zukunft maximal zwei Jahre betragen.“ Der Anteil der Artikel, die aus dem Sortiment genommen und durch neue ersetzt werden, werde deutlich erhöht. Diese Schnelligkeit zielt auch auf die Eigenheiten bestimmter Wettbewerber ab, denen Finori mit der Markteinführung seiner Neuheiten immer einen Schritt voraus sein will. Finzel: „Es soll langweilig werden, uns zu kopieren.“

Creative Cube geplant

Im kommenden Jahr plant das Unternehmen den Neubau eines Creative Cubes am Standort Untersiemau. „Auch dieser Bau wird unserem Anspruch gerecht werden, kreativ zu sein“, freut sich Finzel. Geplant ist ein Glaskubus, der nachts in der Hausfarbe Rot leuchten wird und nach ökologischen und energieeffizienten Kriterien konzipiert ist. Das Gebäude wird in modularer Bauweise errichtet, so dass auch zukünftig noch Platz zum Wachsen ist.

So soll ein offenes Gebäude mit Wintergarten-Charakter entstehen. Verbaut werden Metall, Holz und Glas, viele Grünpflanzen sollen eine harmonische Atmosphäre schaffen. Sobald der Creative Cube fertig ist, soll auch der Haupttrakt des Firmensitzes erneuert und kommunikativer gestaltet werden, um flexibleres, zeitgemäßes Arbeiten zu ermöglichen. Schon im kommenden Jahr werden alle Arbeitsplätze mit höhenverstellbaren Schreibtischen ausgestattet und auch die Arbeitsumwelt modernisiert.

Export wächst deutlich

Die Exportquote des Unternehmens liegt mittlerweile bei 40%. Auch sie ist in den vergangenen zehn Jahren enorm gewachsen. Geliefert wird in 62 Länder weltweit. „Das entspricht einem Großteil unseres Umsatzwachstums.“ Hinzu kommt ein sehr hoher Anteil onlinefähiger Artikel. „Auch hier haben wir sehr viel getan“, so Finzel. Der Anteil der entsprechenden Ware und des dazugehörigen Umsatzes ist ebenfalls zuletzt stark gewachsen, aktuell sind zwischen 150 und 200 Artikel online lieferbar. „Auch in der Lockdown-Zeit haben wir unsere Umsätze gemacht“, betont Finzel.

Gute Lieferfähigkeit

All dies setzt eine gute Lieferfähigkeit voraus. Das Auslieferungslager von Finori in Ostwestfalen, in dem rund 1.000 Verpackstücke gehandhabt werden müssen, verfügt über 35.000 Palettenstellplätze und einen bewusst hohen Warenbestand, der immer wieder aufgefrischt wird, um ausreichend Puffer für herausfordernde Zeiten zu haben. Die Zahl der Verladetore wurde in den letzten Jahren von sechs auf 14 mehr als verdoppelt. Aktuell liefern täglich zwischen 40 und 50 Lkw für Finori aus. „Wir haben eine extrem gute Lieferfähigkeit“, betont Finzel. „Aktuell liefern wir binnen acht Wochen.“

Gemeinsam mit einem namhaften Dienstleister hat das Unternehmen eine innovative Logistik-Software entwickelt. Sie ermöglicht, die Kapazitäten bei Bedarf zu erhöhen und in Spitzenzeiten auch ungelernte Kommissionierer einsetzen zu können. So können Fehler vermieden und Kosten gespart werden, gerade in der Auftragsabwicklung für Großkunden.

Noch Potenzial im Export

Ein neues ERP-System sorgt zudem für hohe Effizienz. Heute können zwischen zehn und 20 Container pro Woche verladen werden, was für eine gewisse Flexibilität im Handeln sorgt: Würde der Umsatz in Deutschland zurückgehen, könnte Finori dies leicht mit einer höheren Exportquote ausgleichen. „Wir haben durchaus noch Potenzial bei unseren internationalen Kunden“, so Finzel, der aber auch ein Gleichgewicht zu schaffen versucht, um den stationären Handel in Europa beziehungsweise in Deutschland nicht zu vernachlässigen. Zwar wachse Finori weiter international, gleichzeitig will Finzel sich aber nicht zu abhängig von einzelnen Märkten machen.

Seine Ware bezieht das Unternehmen hauptsächlich aus Deutschland und Polen, in Summe sind es zwischen zehn und 15 Lieferanten, mit denen Finori  arbeitet. Die Importe aus Asien hat Finzel zuletzt um etwa ein Viertel reduziert, auch vor dem Hintergrund schwieriger gewordener Rahmenbedingungen und deutlich höherer Kosten. Neue Produktionsquellen will sich der Unternehmer künftig in der Türkei und in Italien erschließen.

Zur Qualitätskontrolle unterhält Finori ein eigenes Testlabor, in dem die Ware auf Herz und Nieren geprüft wird. Aber auch die Vorgaben für die Lieferanten zur Produktgestaltung oder zur Verpackung sind hoch. „Wir reglementieren viel“, sagt Finzel, „unser Produktmanagement ist technisch sehr versiert.“ Das Ergebnis gibt ihm recht: Die Reklamationsquote liegt im unteren einstelligen Bereich.

Geburtstag und Hausmesse

Mitte Mai wurde in Untersiemau mit allen, die in den vergangenen 20 Jahren zur Entwicklung und zum Erfolg von Finori beigetragen haben, kräftig gefeiert. Auch die Hausmesse für das Jubiläumsjahr ist fertig konzipiert: Von Mitte Juni bis Mitte Juli wird Finori dort rund 200 neue Möbel zeigen. Schwerpunkt ist dabei der Materialmix: So werden mehr Metallkomponenten und weniger Kunststoff eingesetzt. Echtholzelemente und verschiedene Holzstrukturen spielen in der Gestaltung ebenso eine Rolle wie modische Farben oder aufwendige Frontenlösungen, wobei die Verarbeitung individuell auf Kundenwunsch erfolgen kann. „Wir müssen uns immer den Trends stellen, die wir aber auch selbst über die Farblichkeit mitgestalten“, so Finzel. „Man glaubt in jedem Jahr, dass es keine Steigerung mehr geben kann. Doch dann freue ich mich gleichzeitig über den Spirit und die Inspiration unserer Mannschaft: Sie sorgt dafür, dass wir uns immer wieder neu erfinden.“

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