Halbjahresbilanz der deutschen Möbelindustrie:
Konstante Entwicklung mit Abstrichen

VDM-Geschäftsführer Jan Kurth (Mitte) zur Lage der deutschen Möbelindustrie nach dem ersten Halbjahr 2018. Umrahmt von Ursula Geismann, Pressesprecherin und Trendanalystin des VDM, und Achim Hannott, Leiter Öffentlichkeitsarbeit des VDM. Foto: VDM

Es ist eine herausfordernde Zeit für die deutsche Möbelindustrie. Dennoch hat sie im ersten Halbjahr 2018 insgesamt ein Umsatzplus in Höhe von rund einem Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum erzielt, von dem allerdings nicht alle Segmente betroffen waren. Dies wurde auf der Jahres-Wirtschaftspressekonferenz des Verbandes der Deutschen Möbelindustrie (VDM) in Köln bekannt, auf der erstmals der neue Geschäftsführer des VDM, Jan Kurth, über die aktuelle wirtschaftliche Lage und Herausforderungen der Möbelindustrie informierte.

Im ersten Halbjahr 2018 hat die deutsche Möbelindustrie rund 9,051 Mrd. Euro erwirtschaftet und liegt damit um 1,0% über dem Umsatz aus dem ersten Halbjahr 2017. „Das leichte Wachstum ging dabei ausschließlich auf das Konto des Auslandsgeschäfts“, so Jan Kurth, seit 1. Mai dieses Jahres Geschäftsführer des Verbandes der Deutschen Möbelindustrie (VDM), auf der Jahres-Wirtschafts-Pressekonferenz des VDM am Montag, den 27. August, im Konferenzraum der Koelnmesse. Während der Umsatz im Ausland in den ersten sechs Monaten um 2,7% stieg, stagnierte der Inlandsumsatz bei  einem leichten Plus von 0,3%.

Umsatztreiber Ausland

Als größte Gewinner weist die Halbjahresbilanz des VDM, die auf den Zahlen des Statistischen Bundesamtes beruht, Büro- und Ladenmöbel aus, deren Umsätze in den ersten sechs Monaten dieses Jahres um 7,6% auf 2,010 Mrd. Euro stiegen. Mit einem starken Plus von 12,0% im Ausland auf 494 Mio. Euro und +6,2% im Inland, wo die Hersteller von Büro- und Ladenmöbeln 1,516 Mrd. Euro umsetzten. Ebenfalls wieder in der Wachstumszone befinden sich die Küchenmöbelhersteller, die nach einem Minus von 2,4% im ersten Halbjahr 2017 nun wieder 4,0% mehr Umsatz erzielten und damit als zweitgrößtes Segment der deutschen Möbelindustrie auf 2,482 Mrd. Euro kommen (vgl. Grafik 2). Dieser Umsatz wurde im ersten Halbjahr dieses Jahres in 48 Betrieben erwirtschaftet. Das sind sechs Betriebe weniger als noch in der Halbjahresbilanz 2017, da hier noch die Alno AG enthalten war. Damit haben die Küchenmöbel-Hersteller den Umsatz pro Betrieb noch einmal deutlich gesteigert und liegen in dieser Auswertung klar über dem Durchschnitt der gesamten deutschen Möbelindustrie (vgl. Grafik 1). Auf Platz zwei in diesem Ranking liegen mit einigem Abstand die Polstermöbel-Hersteller, wo im Vergleich zu den ersten sechs Monaten des Vorjahres vier Betriebe weniger geführt werden. Anders als die Küchenmöbel-Hersteller konnten die Polstermöbler ihr Minus aus dem Vorjahreszeitraum allerdings nicht ausgleichen und mussten mit -5,3% den gleichen Umsatzrückgang wie schon im ersten Halbjahr 2017 hinnehmen und erwirtschafteten bis Juni dieses Jahres 476 Mio. Euro. Auch die Hersteller des größten Segments der deutschen Möbelindustrie, die Wohnmöbler, erwirtschafteten im ersten Halbjahr 2018 mit insgesamt 3,685 Mrd. Euro weniger Umsatz, was einem Rückgang von 1,6% gegenüber dem ersten Halbjahr 2017 entspricht.
Als größte Verlierer identifiziert die VDM-Statistik zum Halbjahr der deutschen Möbelindustrie aber die Matratzen-Hersteller, deren Umsätze deutlich um 12,8% auf 396 Mio. Euro sanken. Der Fachverband Matratzen-Industrie hat sich mit dieser Entwicklung auseinandergesetzt und stellt fest: „Die Zahlen sind schockierend, das lässt sich nicht beschönigen. Die Ursachen sind mit Sicherheit vielfältig und es gibt keine simple Erklärung. Eine Rolle spielt aber ganz gewiss, dass die Stiftung Warentest seit 2015 mit ihren Testungen und immer wieder lobenden Hervorhebungen eines einzigen Matratzenmodells den Markt verändert. Insgesamt wird wie an keiner anderen Branche die Marktmacht der Stiftung Warentest überdeutlich, die sowohl der Matratzenindustrie, dem stationären Handel als auch den Mitbewerbern ihres Testsiegers konsequent mit schlechter Presse das Leben erschwert.“ Besonders im Inland ist in diesem Segment ein deutlicher Umsatzrückgang zu beobachten (-14,1%). Im Ausland sind es 4,9% weniger als im ersten Halbjahr des Vorjahres.

Gute Export-Lage

Exportiert wurden bis Juni Matratzen im Wert von rund 87 Mio. Euro, was dem geringsten Wert im deutschen Möbelaußenhandel für die ersten sechs Monate dieses Jahres entspricht. Die größten Export-Umsätze erzielten in diesem Zeitraum Küchenmöbel (+5,1% auf 1,045 Mrd. Euro), Sonstige Sitzmöbel (+8,3% auf 1,479 Mrd. Euro) und Wohnmöbel (-1,4% auf 1,549 Mrd. Euro). Kumuliert zeigt die Statistik des VDM für das erste Halbjahr einen Export-Umsatz in Höhe von 5,450 Mrd. Euro, was einem Plus von 2,2% gegenüber den ersten sechs Monaten des Vorjahres entspricht.
Das Gros der deutschen Möbelausfuhren ging dabei einmal mehr nach Frankreich, das Möbel aus Deutschland im Wert von 746,7 Mio. Euro (+3,5%) importierte (vgl. Tabelle 1). Auf Platz zwei folgt die Schweiz mit 563,3 Mio. Euro (-3,8%). Dahinter kommen im Ranking der Top-Zielländer nacheinander vier Länder aus der Europäischen Union, die auch mit Abstand die Haupt-Exportregion für „Möbel made in Germany“ darstellt (vgl. Grafik 3). Unter denen haben die Niederlande deutlich mehr Möbel aus Deutschland abgenommen (+6,2%) und Großbritannien (-8,9%) merklich weniger. Das Vereinigte Königreich wird in dieser Halbjahresbilanz zum letzten Mal komplett in den Ländern der Europäischen Union geführt, da der „Brexit“ am 29. März 2019 final realisiert werden soll und Großbritannien dann neben der Schweiz der zweite Vertreter der Nicht-EU-Mitglieder unter den Top 10 der größten Abnehmer deutscher Möbel sein wird.
Das einzige Land, das in diesem Ranking nicht aus Europa stammt, sind die USA, wohin im ersten Halbjahr 2018 9,5% mehr Möbel aus Deutschland geschickt wurden als im Vergleichzeitraum (vgl. Tabelle 1). Die Vereinigten Staaten könnten in den Top 10 allerdings bald Gesellschaft von China bekommen, wohin erneut 25,9% mehr Möbel gingen. Damit kratzt die Volksrepublik mit 171,9 Mio. Euro Umsatz und gleichbleibender Entwicklung an Platz zehn. „Auch andere außereuropäische Märkte wie Kanada, Mexiko, Japan oder Südkorea entwickeln sich derzeit positiv. Insgesamt dürften sich die Nicht-EU-Länder in den kommenden Jahren zu einem wichtigen Wachstumsmotor der deutschen Möbelindustrie entwickeln“, so Kurth.

Importe leicht im Plus

Längst etabliert hat sich China in den Top 3 der wichtigsten Ursprungsländer von Möbeln (vgl. Tabelle 2) – wenngleich im ersten Halbjahr nach Jahren des stetigen Wachstums wieder ein Rückgang zu Buche steht (-5,2%), was auch für den gesamten asiatischen Raum gilt (vgl. Grafik 4). Mit Polen (+7,4%) auf Platz eins und Tschechien (+0,7%) auf Platz drei vereinen diese drei Länder 3,675 Mrd. Euro der deutschen Möbeleinfuhren auf sich. Bei einem Gesamtvolumen in Höhe von 6,602 Mrd. Euro entspricht das einem Anteil von 55,3%. Unter den übrigen Ländern konnte besonders die Türkei (+8,8%) zulegen, während Österreich merklich weniger Möbel nach Deutschland exportierte (-11,6%).

Gleichbleibende Entwicklung

Für das Gesamtjahr 2018 erwartet der VDM-Geschäftsführer keine großen Veränderungen: „Während der Beitrag der Auslandsmärkte zum Umsatz der deutschen Möbelindustrie angesichts der zuletzt sehr deutlichen Zuwächse auch im zweiten Halbjahr positiv bleiben dürfte, trübt sich die Konjunktur im Inland zunehmend ein.“ Der VDM geht deshalb auch am Ende des Jahres von einem Umsatzplus von rund einem Prozent aus.

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