Handelsverband Möbel und Küchen (BVDM)
Konjunktur im Möbel- und Küchenhandel im grünen Bereich

BVDM-Geschäftsführer Christian Haeser: „Der Umsatzrückgang, der im Frühjahr 2020 bei rund 30 bis 40% gegenüber dem Vorjahr lag, konnte über den Sommer hinweg wieder aufgeholt werden.“

Der Möbel-, Küchen- und Einrichtungsfachhandel wird aller Voraussicht trotz Corona im Jahr 2020 den Umsatz des Vorjahrs mit rund 34,5 Mrd. Euro Jahresbruttoumsatz leicht übertreffen. Dies ergibt sich aus Hochrechnungen auf Basis der ersten zehn Monate 2020 nach Werten des BVDM in Abstimmung mit dem IFH Köln. Für 2021 erwartet der Handelsverband Möbel und Küchen (BVDM) eine relativ stabile Nachfrage, die vom weiteren Pandemiegeschehen abhängt. 

Wirtschaftliche Rahmenbedingungen 2020 

Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Deutschland sind bekanntermaßen für den Handel seit dem ersten Lockdown im März 2020 unberechenbar: Die Beschäftigungsquote ist mit Beginn des Lockdowns gesunken (im April 402.000 Erwerbstätige weniger als im Vormonat) und das Bruttoinlandsprodukt des zweiten Quartals 2020 im Vergleich zum Vorquartal um 9,8 Prozentpunkte eingebrochen. Das Instrument der Kurzzeitarbeit, die stabile Lage der Neubaubranche und Trends wie Cocooning, Homing und Homeoffice waren 2020 und jetzt eine wichtige Stütze für die Möbelbranche. Allem Anschein nach schließt der Möbel-, Einrichtungs- und Küchenfachhandel 2020 mit einem leichten Plus im Vergleich zum Vorjahr ab. 
Die deutsche Wirtschaft erholte sich im Sommer wieder deutlich, nachdem sie im ersten Halbjahr 2020 im Rekordtempo geschrumpft war. Aufgrund des damit einhergehend erheblichen Arbeitsausfalls in den meisten Betrieben arbeiteten im April/Mai rund 6 Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Kurzarbeit. In den Sommermonaten Juli/August lag diese Zahl bei rund 2,5 bis 3 Mio. und von September bis November bei durchgängig rund 2 Mio. Kurzarbeitern. Auch im Handel wurde dieses Instrument angewandt und konnte somit einen massiven Stellenabbau verhindern. 
Angesichts der zweiten Infektionswelle im Herbst/Winter 2020, der damit verbundenen Eindämmungsmaßnahmen und dem in großen Teilen ausgefallenen Weihnachtsgeschäft wird die Wirtschaftsentwicklung im Schlussquartal erneut nachgegeben haben. Der Rückgang des Bruttoinlandsproduktes um 5% im Vergleich zum Vorjahr unterstreicht diese Tendenz. 
Laut Bauindustrie und ZDB dürfte der Wohnungsbau, einer der wichtigsten Indikatoren für die Möbelbranche, am besten durch die Corona-Krise kommen und 2020 ein nominales Umsatzwachstum von 4% erreichen, das 2021 mit 3% nur geringfügig niedriger ausfallen dürfte. Mit einem Umsatz von 52,6 Mrd. Euro wird der Wohnungsbau auch 2021 die wichtigste Bausparte bleiben. Der Druck auf die Wohnungsmärkte in den Ballungsgebieten hat sich nicht abgeschwächt. Aufgrund des durch Corona gestärkten Trends zum Homeoffice scheint eine eigene Immobilie noch erstrebenswerter. Hinzu kommt, dass die Haupttriebfeder der Wohnungsbauaktivitäten in den vergangenen Jahren, nämlich das äußerst niedrige Zinsniveau, auch weiterhin Bestand haben wird. Die Attraktivität von Investitionen im Wohnungsbau bleibt also ungebrochen. 

Gesamtsituation im stationären Handel 

„Durch den Lockdown im März/April 2020 durften unsere Geschäfte nicht mehr öffnen und konnten somit keinen stationären Umsatz generieren. Erst als im Mai die Geschäfte wieder langsam öffneten, waren die Konsumenten zunächst zurückhaltend. Der Gedanke, dass diese vermehrt in den Onlinehandel abwandern würden, lag nah. Fakt ist, dass die Kunden einen großen Nachholbedarf verspürten und der Umsatzrückgang, der im Frühjahr bei rund 30 - 40% gegenüber dem Vorjahr lag, über den Sommer hinweg wieder aufgeholt werden konnte“, bilanzierte BVDM-Geschäftsführer Christian Haeser. Trends wie Cocooning und das Arbeiten in den eigenen vier Wänden verstärkten diesen Effekt. Hinzu kommt, dass für den Verbraucher Themen wie Nachhaltigkeit, Qualität, natürliche Materialien und Langlebigkeit zunehmend kaufentscheidende Argumente sind, die einen höheren Anschaffungspreis legitimieren. Gerade bei hochpreisigen Gütern hat sich die zeitlich begrenzte Senkung der Mehrwertsteuer positiv auf die Kaufentscheidung ausgewirkt. 
„Diese Trends, die erhöhte Verweildauer im Eigenheim, die Verlagerung des Budgets vom Tourismus zur Einrichtung und die staatlichen Hilfsmaßnahmen wirkten sich äußerst positiv auf die Möbelbranche aus. Der Möbelhandel hat im letzten Jahr Ups and Downs erfahren, die sich im Vergleich mit dem Vorjahr annähernd nivelliert haben. Es konnte ein Umsatzwachstum von rund einem Prozent generiert werden. Dem stehen allerdings erhöhte Kosten, bspw. erhöhte Logistikausgaben (Stichwort: Lieferengpässe), entgegen. Somit ist der Möbel-, Küchen- und Einrichtungsfachhandel weder Gewinner noch Verlierer des Corona-Jahres“, resümierte der BVDM Geschäftsführer. 
Laut IFH ist 2020 der Gewinner im gesamten Möbelmarkt sowohl kurz- als auch langfristig der Küchenmarkt. Küchen sind der größte Ausgabenblock in deutschen Eigenheimen. Für den Bereich Küche wurde 2020 ein Wachstum von rund 8% erzielt; was zu einem Marktanteil von 39% führt (Küche inkl. Elektrogeräte). Der BVDM rechnet in diesem Jahr mit einem stagnierenden bis leichten Anstieg bei den Umsätzen im Segment der Polstermöbel. Der Marktanteil liegt weiterhin bei rund 18%. Der Marktanteil von Schlafzimmermöbeln und Wohnmöbeln liegt konstant bei 8% bzw. 6 %. 


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