Handelsverband Österreich
E-Commerce boomt

Foto: Pixabay

Der Online-Handel sorgt in Österreich für höhere Umsätze, stationäre Verkaufsflächen stagnieren dagegen auf hohem Niveau. Zu diesem Ergebnis kommen die Finanzexperten Rainer Will, Geschäftsführer beim Handelsverband Österreich, und Gerald Grüll, Head of Retail bei Immofinanz. Die Experten haben gemeinsam Zahlen von CBRE zur Entwicklung des Handels in Österreich bis zum Jahr 2023 präsentiert.

Für die Prognose wurden die vier Bereiche Lebensmittel, Kleidung, Kosmetik und Möbel herangezogen und auf ihre Entwicklung in Hinsicht auf die Verkaufsfläche untersucht. Bei Möbeln wird wegen Überausstattung ein leichter Rückgang erwartet. Der Geschäftsumsatz soll um 4,4% sinken, die Verkaufsfläche um einen Prozent. Der Online-Umsatz soll um 29% wachsen.

Im Lebensmittelhandel wird sich bis 2023 an der Verkaufsfläche wenig ändern, der Online-Umsatz jedoch um etwa 118% steigen. Beim Verkauf von Bekleidung wird es eine Stagnation bei Geschäften geben, der stationäre Umsatz soll um 7,5% sinken. Dagegen soll der Online-Umsatz um 34% steigen. Die Kosmetikbranche hat 2012 wegen der Auflösung von Schlecker einen großen Absturz erlitten. Obwohl seither ein Anstieg stattfindet, wird das Niveau von vor 2012 nicht wieder erreicht werden. Die Kosmetikgeschäfte werden bis 2023 stagnieren, der Online-Umsatz hingegen um 19% steigen.

Geschäfte müssen sich anpassen

„Geschäfte müssen für Kunden relevant bleiben. Es gibt Produkte, die man nicht bequem online kaufen kann und für die man eine Verkaufsfläche und gute Beratung vor Ort braucht", so Will. Wölfler zufolge gehen Menschen trotz E-Commerce noch immer gerne in Geschäfte. Auch von den digital versierten Millennials gehen etwa drei Viertel (70%) noch in Geschäfte. Ein wichtiger Aspekt beim stationären Verkauf ist die Customer-Experience. Shopping muss als Freizeitgestaltung präsentiert und von einem breiten Entertainment-Programm begleitet werden.

Für Wölfler ist es besonders wichtig, stationären Verkauf und Online-Handel zu verbinden. Es seien aber wenige Händler bereit, diese Verbindung zu optimieren. Ein Grund dafür sei die Logistik. Im Online-Handel ist die Retourenquote extrem hoch – sie liegt bei etwa 35%. Rücksendungen sind kostspielig, wodurch der Online-Handel ein extrem teures Geschäftsmodell sein kann. Wölfler empfiehlt: „Händler sollten Kunden dazu animieren, online Produkte zu reservieren, sie aber im Geschäft abzuholen. Bekleidung kann man dann beispielsweise direkt anprobieren und vielleicht auch mehr kaufen. Das wäre ein Modell, das sich eher rentiert."

Forderung nach „Digital New Deal"

Laut Will ist das Monopol von Amazon beim E-Commerce ein Problem für Geschäfte. Er plädiert aber für eine Koexistenz: „Es sollte kein Entweder-oder geben, sondern ein Sowohl-als auch. Wir empfehlen Geschäften, Amazon zu nutzen, um Relevanz beim Kunden aufzubauen, sich aber nicht abhängig zu machen." Will zufolge brauche es eine Einzelstrategie neben Amazon, es gebe viele Formate, wo Verkaufsfläche und Beratung noch wichtig seien, Kunden vom Personal aber oft enttäuscht. Hier finde bereits ein „War for Talent" statt, kompetentes Personal sei extrem gefragt.

Will fordert von der Politik einen „Digital New Deal" der mehr Fairness im Online-Handel und auch für Einzelhandelsgeschäfte mit Online-Auftritt garantieren soll. Zu den Zielen gehören die Abschaffung der Mietvertragsgebühr, die Senkung der Lohnnebenkosten und eine Entbürokratisierung. Im europäischen Raum fordert Will die gesetzliche Verhinderung von E-Commerce-Monopolen, unter anderem durch Versteuerung und digitale Verzollung.


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