HDE
Warnt vor Überforderung des Einzelhandels

HDE-Tarifgeschäftsführer Steven Haarke. Foto: Arlett Mattescheck / HDE

Berlin. Der Handelsverband Deutschland (HDE) hat vor dem Start der Tarifrunde im deutschen Einzelhandel im April vor zu hohen Gewerkschaftsforderungen und Jobverlusten gewarnt. 

HDE-Tarifgeschäftsführer Steven Haarke sagt: „Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind aktuell weiter insgesamt sehr schlecht, davon kann sich auch der Einzelhandel nicht abkoppeln. Steigende Arbeitskosten, etwa durch zu hohe Tarifabschlüsse, erdrückende Bürokratie- und Regulierungslasten und weiter wachsende Sozialversicherungsabgaben sind in dieser schwierigen Lage ein regelrechter Giftcocktail, der massenhaft Arbeitsplätze im Einzelhandel gefährden kann.“ Der Handel stehe ausdrücklich zur Sozialpartnerschaft, die ein sehr hohes Gut sei. Positiv zu bewerten sei zudem der aktuelle Vorstoß von DGB-Chefin Yasmin Fahimi für ein „Bündnis für Arbeit und Innovation“ der Sozialpartner im Bundeskanzleramt. „Diese Initiative zeigt ganz deutlich, dass die Gewerkschaften die Dramatik der Lage für den Wirtschaftsstandort Deutschland inzwischen auch erkannt haben“, so Haarke.

Wichtig ist aus Sicht des HDE aber vor allem, dass alle Akteure auch die verfassungsrechtlich geschützte Tarifautonomie wieder mehr in den Fokus nehmen. „Die Steigerungen des gesetzlichen Mindestlohns fressen sich immer tiefer in die Tarifwerke hinein. Das wird zunehmend zu einer schweren Hypothek für die Tarifvertragswerke aller Branchen“, betont Haarke. Vor dem Start der diesjährigen Tarifrunden im Einzelhandel mit mehr als 3,1 Millionen Beschäftigten warnt der HDE daher eindringlich davor, durch zu hohe gewerkschaftliche Lohn- und Gehaltsforderungen eine Erwartungshaltung bei den Beschäftigten zu erzeugen, die dem Realitätscheck am Ende nicht standhalte. 

Der letzte Tarifabschluss hat den Beschäftigten im Einzelhandel laut HDE über die Laufzeit von 2023 bis 2025 insgesamt 14% Gehaltserhöhung eingebracht und damit nachweislich auch einen satten Reallohngewinn. „Damals haben wir hoch ins Regal gegriffen und das in extrem schwierigen Zeiten für die Branche“, so Haarke weiter. Diese Tariflohnsteigerung ist in Anbetracht der aktuellen Wirtschaftslage und der steigenden Kosten für viele Arbeitgeber im Handel kaum zu schultern. „Es besteht in diesem Jahr kaum noch Verteilungsspielraum, ansonsten drohen massenhaft Jobverluste in der Branche. Die Gewerkschaft ist nun in der Verantwortung, der Branche keinen irreversiblen Schaden zuzufügen“, so Haarke weiter. 

Deutschland bewege sich auf einen neuen Höchststand bei den Arbeitslosenzahlen zu. So waren im Dezember 2025 nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit sogar wieder 2,9 Millionen Menschen in Deutschland arbeitslos. Auch im Einzelhandel waren die Beschäftigungszahlen erstmals wieder rückläufig. So hat die Branche seit 2022 nach einer aktuellen Sonderauswertung der Bundesagentur für Arbeit mehr als 60.000 sozialversicherungspflichtige Jobs verloren. „Das dürfte leider noch nicht das Ende der Fahnenstange sein“, so Haarke. 


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