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Gast-Beitrag: Incredible India

Von Khadi zu Heimtextilien – indische Stoffe in der Welt

Gast-Beitrag

Die multikulturelle Gesellschaft und Tradition Indiens trug wesentlich zur Entwicklung der regionalen Textilwelt bei. Das allein zeigt sich schon an der Geschichte der Khadi, Kleidung aus handgesponnenen Fäden. Was Anfang des 20. Jahrhunderts durch Mahatma Gandhis Streik gegen englische Textilien als ein Freiheitsgefühl begann, entwickelte sich über das letzte Jahrhundert zu einem Selbstführungsgedanken, der den Grundstein einer heute starken Wirtschaft bildet.

Konnte man den indischen Markt früher als unstrukturiert bezeichnen, so hat sich seit den frühen 90ern die Lage geändert und Indien hat sich weltweit als einer der führenden Märkte etabliert. Die indische Handweberei, die einst als Massenbeschäftigungsmaßnahme galt, ermöglichte dem Land einen Zugang zum Textilmarkt und zum globalen Wettbewerb.

Durch die Öffnung des Weltmarktes reicht es nicht mehr aus, sich auf allein Bekleidungstextilen zu konzentrieren, diese Erfahrung haben auch die Brüder Sanjay und Ajay Arora, Inhaber von D‘Decor gemacht: „Seit drei Generationen ist unsere Familie in der Textilbranche tätig. Ursprünglich spezialisierten wir uns auf die Herstellung von Kleidung, mussten jedoch feststellen, dass die Nachfrage nach Bekleidungstextilen immer geringer wurde. Als Arbeitgeber von ca. 6000 Angestellten können wir es uns nicht leisten, uns auf nur einen Zweig des Textilmarkts zu konzentrieren und beschlossen daher 1994, in die Produktion von Heimtextilien einzusteigen.“ D’Decor, Austeller auf der Heimtextil India und auch auf der Heimtextil in Frankfurt, zählt mittlerweile zu den größten Produzenten von Möbelstoffen, bzw. Wohntextilien weltweit.

In Indien selbst ist D’Decor auf den Endkunden fokussiert. Dort ist die Marke zuhause und in über 1.500 Fachgeschäften zu finden, darunter in 20 eigenen Läden. Der indische Textilhersteller möchte sich auch weiterhin auf den heimischen Markt konzentrieren, jedoch auch die Chancen eines globalen Vertriebs nutzen. „Für unsere fertigen Produkte besteht kein Grund, den weltweiten Online-Handel und den Handel in Indien separat zu betrachten, einzige Herausforderung wird fristgerechtes Liefern sein. Wir unterhalten nur eine Lagerhalle außerhalb Indiens, daher müssen wir schauen, wie wir den Bestand vorrätig halten und an die Nachfrage anpassen können“, sagt Sanjay Arora. Auf dem stationären Weltmarkt ist D’Decor nur mit sogenannten „White-Label-Produkten“ vertreten, das heißt, Stoffe und fertige Textilien werden in Indien von D’Decor produziert und verarbeitet, jedoch unter dem Namen eines Vertriebspartners verkauft. Die Kollektionen, die D’Decor unter eigenem Namen vertreibt, unterscheiden sich jedoch in keiner Weise in Qualität oder Verarbeitung von den international vertriebenen „White-Label-Produkten“. Aus Erfahrung weiß Sanjay Arora, dass sich die beiden Märkte in ihren Ansprüchen, was Stilrichtung und Design angeht, oft sehr ähneln. Daher kommt es nicht selten vor, dass ihre internationalen Vertriebspartner Interesse an den für den indischen Markt produzierte Waren haben und vice versa. Im Grunde hat nun, was einst als Boykott gegen ausländische Stoffprodukte begann, den Weg in eine globalisierte Welt gefunden.

Die neue Kollektion wird D’Decor auf der Heimtextil in Frankfurt vom 09. bis 12. Januar 2018 vorstellen, in den Hallen 10.2 Stand C21 und 6.1 Stände D19 und C10.


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