Heimtextil / Messe Frankfurt
Trendbericht 2017

Kräftige Farben und geometrische Muster liegen weiter im Trend. Foto: Heimtextil

Textilien erleben ein Comeback: Ob Dekostoffe, Kissenberge oder Gardinen – der Trend zu mehr Stofflichkeit in den eigenen vier Wänden setzt sich 2017 fort. Mit vielen Neuheiten unterstrichen 2.963 internationale Aussteller auf der Heimtextil 2017 in Frankfurt am Main die steigende Bedeutung textiler Produkte. Fast 70.000 Fachbesucher aus 141 Nationen sichteten die News auf der diesjährigen Heimtextil Anfang Januar.

Hallo Dschungel!

Palmen, Pflanzen, Dschungel – generell alles Botanische ist momentan aus den sozialen Medien nicht wegzudenken. Und auch nicht von den neuen Dekostoffen, die auf der Heimtextil in großer Vielfalt zu sehen waren. Blätter sind die neuen Blumen. Große Palmenblätter, gefiederte Blätter und filigrane Farne werden als Prin
t oder Jacquard übersetzt. Meistens stilisiert oder abstrahiert, so dass sie fast grafisch anmuten, häufig nur als Kontur oder Silhouette. Das Grafik-Thema des letzten Jahres hat sich auf der Heimtextil 2017 verstärkt und verändert: En vogue sind Netz-, Waben- und Gitterstrukturen. Außerdem sieht man häufig Zickzackstreifen und nicht zu vergessen: Chevrons in verschiedenen Größen, gedruckt und buntgewebt

Rückkehr des Ornaments

Das Ornament ist ein klassisches Dekor, dessen Ursprünge bis weit zurück in die menschliche Historie reichen. In diesem Jahr erlebt es ein rauschendes Comeback. Die Designer sind tief in die Archive eingestiegen und haben sich inspirieren lassen von Palmetten und Rosetten aus dem alten Ägypten, Akanthusranken und Mäandern der griechischen Antike, Flechtbändern, Knoten-, Damast- und Kachelmotiven, Arabesken und Ranken. Auch ein Hauch Louis XIV, eine Prise Empire, ein Quäntchen Art Déco sind zu erkennen. Eine Modern-Ethno-Richtung dokumentieren Jacquards mit neuem Charakter und interessanter Haptik durch neue Wollgarne.

Blau gibt 2017 den Ton an

Blau erweist sich als vielseitig wie kaum ein anderer Farbton: casual oder elegant, hell oder dunkel, intensiv oder zart, entspannend oder geheimnisvoll. Entsprechend weit gefächert ist die Skala, wobei Nuancen dominieren, die ins Grünliche spielen. Stark vertreten sind vor allem Aquamarin, Petrol und Nachtblau. Neu ist ein rauchiges Jeansblau. In den Startlöchern zur Trendfarbe steht Grün.

Die neuen Möbelstoffe

Faux-Uni, Mini- und Kleinmuster, Strukturen, Bindungseffekte: Die neuen Deko- und Möbelstoffe illustrieren die ganze Bandbreite moderner Webkunst. Und das nicht plakativ und vordergründig, sondern mit Raffinesse im Detail. Rauten, Rhomben, Waben- und Flechtmuster, Wellen, Fischgrat und Zickzack wirken aus der Ferne fast monochrom und entfalten ihr Charisma erst aus der Nähe. Teilweise überlagern sich verschiedene Muster, was den Stoff sehr lebendig erscheinen lässt. Partiell eingesetzte Chenillefäden sorgen für weichen Griff.

Perlen & Co. für die Wand

Tapete ist ein Produkt mit emotionalem Charakter. Der Endverbraucher kauft eine Tapete, wenn sie zu seinem Lebensstil und zu seinen persönlichen Designvorstellungen passt. Die aktuellen Kollektionen bieten eine reiche Auswahl – und spektakuläre Designs. Luxuriöse Vliestapeten, auf die winzige Glasperlen appliziert sind, funkeln und schillern im Lichtspiel. Mit größeren Perlen in Gold, Silber, Schwarz oder Strasssteinen lassen sich persönliche Wunschmotive realisieren – Unikate für die Wand. Als Weltneuheit wurde auf der Heimtextil die Verbindung von Tapete und Licht vorgestellt: Winzige LED-Leuchten sind zu zwei Sternvarianten formiert, die der Kunde nach Wunsch auf den Tapetenbahnen positionieren kann.

Teppiche: Flachgewebe im Kommen

Modulare Bodenbeläge liegen absolut im Trend. Das Prinzip ist auch auf ein neues Teppich-Modulsystem aus handgewebter Schafwolle übertragen worden. Sechs Elementgrößen und sechs Webmuster von Rips bis zum Bouclé in stimmigen, modernen Farbwelten von Anthrazit über Oliv bis zu Pink und Erdberrot lassen sich beliebig zu individuellen Teppich-Landschaften kombinieren und per Klett verbinden. Der Kuschelfaktor hochfloriger Teppiche ist dagegen out, Flachgewebe sind der neuer Renner. Aus verschiedensten Materialien gefertigt, von Polypropylen – damit dann auch für Balkon oder Terrasse geeignet – über Jute und Baumwolle bis Schurwolle, webgemustert oder immer mehr auch bedruckt. Teppiche, die mit dem Good Weave-Siegel ausgezeichnet sind, garantieren dem Käufer übrigens, dass sie unter sozial und ökonomisch verträglichen Bedingungen und selbstverständlich ohne Kinderarbeit gefertigt sind.

Renaissance des Rollos

Neben dem Dauerbrenner Plissees und dem Megaseller Wabenplissees spielt sich ein altbewährtes Sonnenschutzprodukt wieder mehr ins Rampenlicht: Das Rollo. Klassische Modelle bringen Dots, florale Motive, gerne auch im Dschungel-Look ans Fenster. Digitaldruck hält auch hier Einzug – und macht das persönliche Rollo möglich, abgestimmt auf das individuelle Ambiente. Verspannte Spring-Rollos sind mit formschönen Kassetten ausgestattet.

Mission besserer Schlaf

Nach dem Smartphone und der Smartwatch kommt jetzt das Smartpillow: Ein ins Kissen eingenähter Sensor überträgt eine personalisierte Schlafanalyse auf eine App, die dann Tipps für einen besseren Schlaf gibt. Und auch sanft zum optimalen Zeitpunkt weckt. Der Schlafcoach übersteht auch die Wäsche. Allergikern soll eine zum Patent angemeldete Technologie zum erholsameren Schlaf verhelfen. Sie funktioniert rein physikalisch: Negativ geladene Teilchen in Kissen, Decke und Unterbett ziehen positiv geladenen Allergene an. Heiße Sommernächte sind schön zum Draußen sitzen, aber manchmal nicht zum Schlafen. Temperierten Schlafkomfort verspricht in solchen Fällen ein spezielles Vlies mit eingelagerten Mikrokapseln, die einen Kühleffekt freisetzen. Und wenn der nicht mehr erwünscht ist: einfach umdrehen; das Vlies ist nur einseitig angebracht. Als luftiger Begleiter bei hohen Temperaturen empfehlen sich auch bedruckte Sommerbettdecken, die ohne Bettwäsche genutzt werden können.

Ohne Ornamente und Grafik geht’s auch bei den neuen Bettwäsche-Kollektionen nicht. Geometrische Kleinmuster, fragmentierte Mosaike, Flechtmotive, mäandernde Bänder, Empire-Inspirationen, Akanthus-Ranken sind in vielen Variationen zu sehen. Dabei ist das Erscheinungsbild insgesamt leiser und zurückgenommener als in den Vorjahren. Häufig werden einzelne Dessinelemente gezielt platziert, zum Beispiel einzelne Blütenstängel. Auch Stickereien werden pointiert gesetzt, etwa zur Betonung einer Kontur.


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