IFH Köln
Stadtlabore liefern Blaupause gegen Leerstand

Grafik: IFH Köln

Eine Befragung unter deutschen Kommunen im Rahmen des Projekts „Stadtlabore für Deutschland: Leerstand und Ansiedlung“ zeigt: Leerstand wird bisher nur selten systematisch erfasst, der Bedarf, dies planvoll anzugehen wird aber klar erkannt. Die digitale Plattform LeAn liefert die Werkzeuge und stellt die Weichen für ein digitales Leerstands- und Ansiedlungsmanagement.

Innenstädte gemeinsam im Trialog von Kommune, Immobilienwirtschaft und Anbieterseite dem kommunalen Zielbild entsprechend gestalten zu können, ist das übergeordnete Ziel der Plattform, die aktuell im Projekt „Stadtlabore für Deutschland: Leerstand und Ansiedlung“ von 14 Modellstädten gemeinsam mit dem IFH Köln und über 15 Projektpartnern entwickelt und erprobt wird. Damit diese Vision Wirklichkeit wird, Innenstädte nachhaltig vitalisiert oder ein guter Status quo erhalten werden kann, gilt es jetzt die Grundlagen zu schaffen – insbesondere in Sachen systematischer Leerstandserfassung und Übersicht zu Gewerbeimmobilien. Dass diesbezüglich jetzt die Ärmel hochgekrempelt werden müssen, zeigt eine aktuelle bundesweite Befragung, die im Rahmen des vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz geförderten Projekts durchgeführt wurde.

Mehr als ein Drittel (35%) der befragten Kommunen erfasst den Leerstand in ihrer Innenstadt aktuell nicht systematisch. Weitere 30% befassen sich erst seit Kurzem mit der Sammlung von Leerstandsinformationen und haben in den vergangenen vier Jahren Aktivitäten zur systematischen Leerstandserfassung angestoßen. Lediglich eine kleine Minderheit gibt an, sich schon seit zehn Jahren oder länger systematisch mit dem Thema Leerstand auseinanderzusetzen.

Aber: Kaum eine Kommune – nicht einmal diejenigen, die aktuell nicht oder nur wenig von leerstehenden Gewerbeimmobilien betroffen sind – bewertet das Thema Leerstand als unwichtig. Im Gegenteil: Die Befragung zeigt, dass die überwiegende Mehrheit (90%) eine Beschäftigung mit dem Thema als sehr wichtig und sehr dringlich einstuft.

„Die deutschen Kommunen wissen um die Dringlichkeit, das Thema Leerstand gezielt zu managen – jetzt geht es darum, ihnen die richtigen Standards und die dringend benötigten Werkzeuge hierfür an die Hand zu geben. Handlungsfähigkeit flächendeckend zu ermöglichen, haben wir uns mit den ‚Stadtlaboren für Deutschland: Leerstand und Ansiedlung‘ auf die Fahne geschrieben“, erklärt Boris Hedde, Geschäftsführer des IFH Köln.

Hinzu kommt: Systematisch heißt nicht digital. Daten zu Gewerbeimmobilien in der Innenstadt liegen den meisten Kommunen – wenn überhaupt – in Form von Exceltabellen vor. Basis hierfür sind allzu häufig unregelmäßige Erhebungen, die kein vollständiges Bild zeichnen und deren Datenqualität zu wünschen übriglässt.

„Für die Steuerung der Innenstadt ist dies eine herausfordernde Lage: Der Status quo ist unklar, die Zusammenarbeit mit anderen Planungsstellen in der Stadtverwaltung sowie den weiteren Stakeholdern der Innenstadt ist auf Excelbasis nicht möglich. Mit der Plattform LeAn steht ab Januar 2023 allen deutschen Kommunen eine leicht anschlussfähige Lösung zur Verfügung, die eine digitale, standardisierte Leerstandserfassung ermöglicht und damit auch den Grundstein für proaktives Ansiedlungsmanagement legt“, betont Dr. Eva Stüber, die das Projekt am IFH Köln koordiniert.

Durch die agile Arbeitsweise und die frühe Nutzung eines Prototyps der digitalen Plattform, der in den Modellstädten ausgiebig erprobt wurde, ist das Projekt „Stadtlabore für Deutschland: Leerstand und Ansiedlung“ trotz der knappen Projektlaufzeit von nur 18 Monaten gut auf Kurs. Aktuell steht der erste große Plattform-Release bevor, das heißt der Wechsel vom Prototyp auf die digitale Plattform. Ein wichtiger Meilenstein, mit dem auch die technische Voraussetzung für Schnittstellen zu den unterschiedlichsten Systemen für die weitere Datenanbindung und ein Multi-User-Management mit Berechtigungslogik geschaffen wurde. Als erstes werden so die Frequenzmesslaser ihre Daten direkt in LeAn melden.


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