Ifo Institut
Leichtes Wirtschaftswachstum erwartet

Foto: Pexels

München. Das Münchner Ifo Institut hat für die deutsche Wirtschaft für dieses Jahr ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 0,8% prognostiziert. Für das kommende Jahr erwarten die Konjunkturforscher ebenfalls ein Wachstum in gleicher Höhe.

Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser sagt: „Während ein massiver Energiepreisschock durch den Nahost-Konflikt die Konjunktur bremst, stützt eine stark expansive Finanzpolitik das Wachstum. Die Wirtschaft steht konjunkturell im Zeichen gegensätzlicher Kräfte.“ 

 Der Energiepreisschock bremst die Konjunktur laut Ifo Institut um jeweils 0,4 Prozentpunkte in beiden Jahren, während die expansive Finanzpolitik mit massiven Mehrausgaben für Infrastruktur, Klimaneutralität und Verteidigung je 0,5% zum Wirtschaftswachstum beitragen. Im laufenden zweiten Quartal wird die Erholung, die im vergangenen Jahr einsetzte, nach Einschätzung von Wollmershäuser pausieren. „Die deutsche Wirtschaft wird vorübergehend stagnieren, nicht aber in eine Rezession fallen“, so der Experte. „Ab dem dritten Quartal 2026 dürfte sich die Erholung wieder fortsetzen und zum Jahresende beschleunigen, sofern sich der Nahost-Konflikt tatsächlich entspannt.“

Das derzeitige Wachstum des Bruttoinlandsprodukts ist laut den Experten teuer erkauft. So werde sich das Finanzierungsdefizit des Staates deutlich verschärfen – von 2,8% im Jahr 2025 auf 4,1% im Jahr 2026 und 4,9% im Jahr 2027. Der Bruttoschuldenstand werde bis 2027 auf etwa 68% der Wirtschaftsleistung steigen. Auch die realen Kosten des Energiepreisschocks infolge des Iran-Kriegs seien erheblich: Deutschland verliere durch die stark gestiegenen Preise für importierte Energie rund 34 Mrd. Euro an Kaufkraft in diesem und im kommenden Jahr, heißt es in der Prognose. Die Inflationsrate werde 2026 auf 2,9% ansteigen und 2027 nur wenig auf 2,7% zurückgehen.

Der längerfristige Ausblick der Ifo-Konjunkturforscher fällt wenig optimistisch aus. So dämpften der demografische Wandel und die schwache Produktivitätsentwicklung das Potenzialwachstum auf historisch niedrige 0,1% bis zum Ende des Jahrzehnts. Die aktuellen staatlichen Impulse wirkten zwar kurzfristig stabilisierend, aber überwiegend strukturerhaltend. „Um das Wachstumspotenzial nachhaltig zu steigern, bedarf es tiefgreifender Reformen, die aus einer staatlich gestützten Atempause ein dauerhaftes, eigenständiges Wirtschaftswachstum machen“, sagt Wollmershäuser.

Nach der aktuellen Entspannung des Nahost-Konflikts geht die Prognose davon aus, dass die Straße von Hormus geöffnet wird. Der angenommene Verlauf der Energiepreise orientiert sich an den durchschnittlichen Terminmarktnotierungen im Mai 2026. In diesem Fall sollte der Rohölpreis bereits ab dem dritten Quartal 2026 wieder sinken und Ende des Jahres 2027 etwas weniger als 80 US-Dollar kosten. Seit dem Abkommen vom vergangenen Wochenende deuten die Terminmarktnotierungen auf ein schnelleres Sinken der Energiepreise hin. Dann dürfte auch die Inflationsrate schneller zurückgehen und das Wachstum höher ausfallen. Es könnte aber auch sein, dass das Abkommen vom Wochenende keinen Bestand hat und der Konflikt erneut eskaliert. Dann blieben die Energiepreise hoch und die konjunkturellen Bremsspuren fielen größer aus, so die Ifo-Experten.


zum Seitenanfang

zurück