Initiative Furnier und Natur
Trendmaterial Furnier für den Klimaschutz

Axel Groh ist Vorsitzender des Vorstandes der Initiative Furnier und Natur. Foto: Initiative Furnier und Natur

Der Werkstoff Holz erfährt derzeit viel Rückenwind, auch durch das Ende April auf den Weg gebrachte Klimagesetz der Europäischen Union. Darauf wies Axel Groh, Vorsitzender des Vorstandes der Initiative Furnier und Natur (IFN), heute auf einer digitalen Pressekonferenz hin. Dieses Gesetz soll dafür sorgen, dass die 27 Volkswirtschaften in der EU in den kommenden 30 Jahren eine CO2-Minderung von 55% im Vergleich zu 1990 erreichen. Aus der Sicht der Furnierwirtschaft sind diese Absichten und Gesetze ein guter Anfang, um die Erderwärmung zu stoppen. Um diese Ziele zu erreichen müssen nach Auffassung der IFN Europas Wälder wieder in einen besseren Zustand gebracht werden, um ihre Klimaleistung deutlich zu erhöhen. „Die Transformation der Wälder ist eine ökologische Notwendigkeit und eine forstwirtschaftliche Chance. Klimagerechte Wälder sollen und können dann auch möglichst viel Nutzholz liefern. Eine erhöhte Holznutzung gehört bekanntlich auch zur Umsetzung der Klimastrategie“, so Groh. Wichtig sei dabei eine nachhaltige Waldwirtschaft mit standortangepassten Baumarten.

Die Furnierbranche konnte nach Auffassung von Axel Groh im ersten Pandemiejahr in der Möbelindustrie, im Möbelhandwerk, im Innenausbau und auch bei Architekturprojekten sehr erfolgreich liefern. Auch für 2021 erwartet die Furnierwirtschaft kein schlechtes Jahr. Allerdings komme es vermehrt zu Schwierigkeiten in unserer Rohholzbeschaffung. Durch vermehrte Waldschäden infolge des durch Trockenheit und Hitze begünstigten Insektenbefallshat sich der Schadholzeinschlag seit dem Jahr 2017 fast verfünffacht.Durch die klimatischen Veränderungen, so erklärt der Vorstand der IFN, kommt es zu einem reduzierten Einschlag von hochwertigem Rundholz, wodurch die verfügbare Menge an frischer Stammware dramatisch abgenommen hat und weiter abnehmen wird. So musste die Furnierindustrie schlechtere und auch teurere Qualitäten vor allem bei der Eiche hinnehmen. Alles in allem werde sich die Holzwirtschaft durch die zunehmende Verknappung auch an zusätzliche Preissteigerungen gewöhnen müssen. Durch die hohe Wertschöpfung biete die Furnierbranche allerdings den Waldbesitzern die mit Abstand höchsten Preise für deren Bäume und fördere somit die nachhaltige Einzelbaumnutzung, um stabile, altersabgestufte Mischwälder zu unterhalten und zukunftsorientiert, aber auch ertragsorientiert zu bewirtschaften. Die teuersten Objekte und Produkte, die wie Holz aussehen seien laut Groh aus Furnier gefertigt, beispielsweise Musikinstrumente und Möbel, aber auch Applikationen in Autos, Schiffen, Flugzeugen, Hotels, Parlamenten, Bibliotheken oder Konzertsälen. 

Furnier ist Trendmaterial

Furnier ist nach Auffassung der IFN das Trendmaterial 2021. Es ist nachhaltig, ökologisch und die sparsamste Nutzung der Ressource Holz. Die Eicheist das absatzstärkste Furnier. Es ist in seinen natürlichen Farbnuancen von hell bis mittelbraun besonders gefragt. Beliebt sind Rift-Schnitte und Qualitäten in Balkeneiche, bei der man Äste, Risse und andere natürliche Verwachsungen erkennt. Im dunklen Farbspektrum punktet zudem die geräucherte Eiche. Seltener nachgefragt, aber höchst individuell ist zudem das Furnier der rötlich-braunen mediterranen Steineiche. Durch ihre besondere Herkunft und Qualität erfreuen sich auch Mooreichenfurniere und Furniere aus den venezianischen „Briccole“, den langen Eichenstämmen, an denen Schiffe in der Lagune anlegen können, großer Beliebtheit. Diese sind über Jahre Meerwasser, Muscheln und Würmern ausgesetzt und bekommen dadurch ihren ganz besonderen Charakter mit Löchern und Gängen. Früher wurden die Eichenstämme nach rund 25 Jahren einfach entsorgt. Heute schätzen die Menschen ihre Geschichte, ihre Einzigartigkeit und ihren Wert. 

Neben der Eiche behaupten sich das helle Holz des Ahorns, der mittel- bis dunkelbraune und elegante amerikanische Nussbaum und die ruhige und gelblich-helle Birke. Ebenso wächst die Nachfrage nach europäischem Eschenfurnier und auch die rötlich anklingenden Buchenfurniere behaupten sich wieder deutlicher im Markt. Zur Schonung geschützter exotischer Holzarten wie Palisander, Wengé oder Zebranosind sind die modernen Furnierhersteller inzwischen in der Lage, diese auf Pappel- oder Lindenholz originalgetreu reproduzieren, so dass diese beliebten Optiken trotzdem auf Schränken oder Sideboards zum Einsatz kommen. Eine weitere Innovation ist nach Angaben des Verbandes ein Furnier, welches mit einem Textilträger verbunden wird und anschließend gelasert wird. So entsteht eine fein perforierte und dynamische Oberfläche. Dieses Furnier ist weich wie Leder, aber vegan und nachhaltig. Es eignet sich auch als Bezugsstoff für Polstermöbel. 

Auffällig ist aus Sicht des Verbandes aktuell eine steigende Nachfrage der internationalen Möbelindustrie nach Nadelholzfurnieren wie Lärche, Kiefer und Tanne, die vermehrt zu Furnier verarbeitet werden. Diese Entwicklung zeige die wachsende Bedeutung von echten und ökologischen Naturmaterialien für Endkunden auch im eher günstigen Möbelsegment.

interzum @home 

Auf der aktuell stattfindenden interzum @ home präsentieren sich fast 20 internationale Mitgliedsunternehmen der IFN mit ihren klassischen Furnieren, Furnierprodukten und Neuheiten. Nach drei Tagen zeigte sich der Verband mit dem digitalen netzwerken und den neuen Kontakten zufrieden. Man geht davon aus, dass auch mit der Rückkehr der Präsezmessen nach der Pandemie ein digitaler Ansprich an die Aussteller und Produkte bestehen bleiben wird.


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