Möbelmeile | Neue Konzepte
Die lange Reise der Möbelmeile

Geschäftsführer Michael Laukötter hat die Möbelmeile über viele Jahre auf ihrer Reise begleitet und blickt im Interview mit dem MÖBELMARKT auf die Vergangenheit und die Zukunft des Verbundes. Fotos: Möbelmeile

Die Möbelmeile feiert ihren 30. Geburtstag. Der Hausmesseverbund der mittelständischen Möbelhersteller mit Showroom in Ostwestfalen entlang der B64 hat die Messelandschaft in der Region geprägt. Neben der M.O.W. und der Küchenmeile A30 gehört die Möbelmeile ganz sicher zu den Stützpfeilern des Messeherbstes. Michael Laukötter ist seit mehr als zehn Jahren als Geschäftsführer an Bord und berichtet im Gespräch mit MÖBELMARKT-Chefredakteur Gerald Schultheiß über 30 Jahre Messe und die Zukunft der Möbelmeile.

MM: Was ist eigentlich der Kern der Möbelmeile, der den Erfolg der Messe ausmacht?

Michael Laukötter: Der Kern und die Einzigartigkeit unserer Gemeinschaft ist die lokale Konzentration und Nähe wichtiger und etablierter Möbelhersteller mit ihren Firmenzentralen, Produktionen und eigenen Showrooms rund um den westfälischen Ort Rietberg. 
Wir sind hier eine Möbelregion durch und durch, und wir sind der Verbund, der diese Möbelregion verkörpert. Unsere Mitglieder sind hier ansässig und traditionell verwurzelt, manche schon seit 150 Jahren. Gustav Mahler hat mal gesagt „Tradition ist nicht das Halten der Asche, sondern das Weitergeben der Flamme.“ Und das trifft es sehr gut. Jeder brennt hier für das Thema Einrichten, und diese Leidenschaft wird über Generationen weitergegeben und weiterentwickelt. 
Was uns besonders macht, ist eine funktionierende Zusammenarbeit und das gemeinsame Auftreten als Messeverbund, mit dem Angebot einer Hausmesse im Herbst und mittlerweile auch im Frühjahr jeden Jahres, auf der alle beteiligten Unternehmen ihre Neuentwicklungen und Kollektionen präsentieren. Dies mit unglaublich viel Leidenschaft und Freude an Design und schönen Inszenierungen, eingebettet in einer sehr persönlichen und herzlichen Gastfreundschaft. Dadurch ist in den letzten 30 Jahren eine einzigartige Leistungsshow der hiesigen Möbelhersteller und ein etablierter, verlässlicher Messeplatz für unsere Kunden, die gehobenen konventionellen Möbelhändler und die Möbelverbände aus Deutschland und ganz Europa, entstanden. 

MM: Aber inzwischen ist es doch mehr geworden als eine Zweckgemeinschaft, oder?

Laukötter: Das stimmt. Die Möbelmeile ist 1995 gegründet worden, in einer Zeit, in der sich das Messegeschehen noch ganz anders gestaltete und wo sich in Ostwestfalen, neben der damaligen Leitmesse in Köln, eine ganz neue Messelandschaft mit der MOW, der Möbelmeile und der Küchenmeile entwickelte.
Man erkannte hier rund um Rietberg schnell den Zweck und den Nutzen, dies gemeinsam anzugehen. Aus diesen Anfängen und einer recht losen Marketing-Zweckgemeinschaft wurde dann immer mehr ein echter Herstellerverbund. Das Verbindende dafür waren gemeinsame Projekte, wie beispielsweise die Gemeinschaftsstände in Köln, die gemeinsamen Gesellschafter-Besuche nach der Messe und jüngst das Möbelmeile LAB.
Die Möbelmeile wurde so immer erlebbarer durch verbindende Erfahrungen und Geschichten, sowohl für unsere Mitglieder, aber auch für unsere Kunden und ist heute eine echte Gemeinschaft und eine verlässliche Marke in der Messelandschaft unserer Branche.

MM: Früher gab es mal 23 Marken, heute sind unter dem Dach der Möbelmeile 15 Hersteller in acht Locations vereint. Unternehmen gingen, andere kamen neu hinzu. Wie spielte sich diese Entwicklung ab?

Laukötter: 1995 startete die Möbelmeile mit fünf Unternehmen und entwickelte sich dann rasant. Von den 23 Marken, die die Möbelmeile 2011 vereinte, gibt es heute noch ganze sieben. Diese Unternehmen haben sich in den vergangenen Jahren immer wieder neu erfunden, weiterentwickelt und haben sich zum Teil von kleinen Start-ups zu heutigen Marktführern in ihrem Segment entwickelt.  Großartige Hersteller und Marken aus der Region haben sich mit der Zeit angeschlossen, und mit den Möbelmeile-Friends sind jüngst neue leistungsstarke Hersteller aus ganz Europa hinzugekommen. Es war immer viel Bewegung in unserer Gemeinschaft, stets getragen von einem stabilen Kern von Unternehmen und Unternehmern und Unternehmerinnen, die hinter der Idee der Möbelmeile stehen.

MM: Und wie kann man die Brücke schlagen von der Historie in die Gegenwart und auch Zukunft, mit neuen Mitgliedern und auch mit einer jungen Generation in der Verantwortung?

Laukötter: Ich glaube, wir haben in Brücken schlagen gute Erfahrungen gesammelt in der Vergangenheit, die ich ja gerade geschildert habe. Was momentan richtig schön ist, ist der Generationswechsel in vielen Unternehmen und auch der Zuwachs durch die neuen Möbelmeile-Friends.  Es hat viele neue Menschen in die Möbelmeile gespült, und das empfinde ich als sehr bereichernd. Schön zu sehen ist es auch, wie unsere gemeinsamen Treffen und Veranstaltungen dabei helfen, alle zu integrieren und miteinander vertraut und bekannt zu machen.

MM: Kann das Beispiel der Möbelmeile, dass mehr oder weniger konkurrierende Unternehmen es schaffen, eine Gemeinschaft aufzubauen und trotz allen Wettbewerbs gemeinsam die Zukunft zu gestalten, auch eine Blaupause für die Branche sein? Wie schaffen wir es, mehr miteinander zu agieren, anstatt jeder nur für sich?

Heute besteht die Möbelmeile aus 15 Herstellern an acht Locations, die alle nicht nur in der Region, sondern auch in der Möbelmeile-Gemeinschaft verwurzelt sind.

Laukötter: Bei aller Freude über das Funktionieren unserer Gemeinschaft glaube ich, dass es etwas zu hoch gegriffen wäre, hier eine Blaupause für die Branche abzuleiten. Mir gegenüber äußern sich immer wieder Menschen aus der Branche sehr positiv zu dem, was wir in der Möbelmeile machen. Sie finden es gut, dass wir als Gemeinschaft, als Verbund von Möbelherstellern auftreten und etwas zusammen unternehmen.
Gemeinschaft passiert dabei selten von allein, sondern braucht einen Kümmerer.  Ganz am Anfang aber Unternehmer, die Gemeinschaft wollen und Mittel dafür bereitstellen. Wir machen daher viel, um das Gemeinschaftsgefühl zu stärken. Zum Abschluss der Hausmessen besuchen alle zwei Jahre die Unternehmer gemeinsam alle Showrooms – dies ist auf Vorschlag von Theres Sudbrock entstanden – um sich ein Bild von den Präsentationen der anderen Mitglieder zu machen. So sehen alle, was für eine großartige Leistungsschau die Unternehmensmarken in der Region gemeinsam auf die Beine gestellt haben. Unsere neue Kampagne stellen wir zudem immer auf einem Sommerfest vor, das wechselnd an unterschiedlichen Orten stattfindet und so wieder Raum für Begegnung schafft.
So ist die Gemeinschaft Stück für Stück zusammengewachsen. Die nächste zündende Idee war dann das Möbelmeile LAB, das wir in diesem Jahr an der FH Detmold erstmals mit allen Gesellschaftern durchgeführt haben. Einen ganzen Tag haben wir uns gemeinsam fortgebildet und – wenn man so will – einander mit auf eine Reise genommen. Das war für alle nicht leicht zu organisieren, jeder musste einen kompletten Tag Zeit aufbringen, und manche waren sicherlich auch erst skeptisch. Aber es war wirklich ein ganz tolles Erlebnis, bei dem alle sogar miteinander neue Möbeldesigns entwickelt haben. Das zeigt aber auch, dass es ohne persönliches Engagement aller Beteiligten nicht geht.
Vielleicht ist die Möbelmeile daher ein Beispiel dafür, wie Gemeinschaft von Wettbewerbern auf kleiner Flamme gewagt wurde und sich durch die gemeinsame Erfahrung und Veranstaltungen mit der Zeit immer wieder ein bisschen mehr Gemeinschaft zugetraut hat. Ich vernehme allgemein aber auch den Wunsch nach mehr gemeinschaftlichem Agieren als Branche. Da ist der Wunsch nach mehr echter Zusammenarbeit zwischen Industrie und Handel, und bei den zurückliegenden Diskussionen um die Messe Köln der Wunsch nach einer gemeinsamen „Leitmesse“ der deutschen Möbelindustrie.  Diese scheint sich gerade aber ganz organisch immer mehr hier in Ostwestfalen abzubilden, wenn man als Beispiel die jüngsten Aktivitäten im Hochwertbereich anschaut, die in direkter Nachbarschaft zur Möbelmeile Ihre Zelte aufschlagen.
Vielleicht gibt es aber etwas von der Entwicklung der Möbelmesselandschaft hier in OWL für die Branche zu lernen. Es hat nie die eine große Gemeinschaft gegeben, aber immer viele verschiedene Messeformate, Veranstalter und Orte, die sich aber unter einem gemeinsamen Termin versammelt haben. So konnte sich organisch immer wieder Neues neben den tragenden Säulen entwickeln, bis hin zur aktuellen Messelandschaft, in der wir als Möbelmeile sicher eine wesentliche Rolle spielen.

MM: Aber die Messe-Arbeit hat sich in der Branche auch insgesamt verändert …  

Laukötter: Völlig richtig. Die ganze Markt-Entwicklung mit den Verbänden und ihren Exklusivmodellen und Verbandsmessen, mit der Wichtigkeit der permanenten Zusammenarbeit und eben auch der ganzjährigen Nutzung der Showrooms, hat unser Modell mit den permanenten Ausstellungen bestätigt. Wir haben uns darauf eingestellt und mit dem Angebot „Möbelmeile 365“ darauf reagiert.
Es wird immer wichtiger, die Kunden auch unterjährig zu empfangen und Entwicklungen abzustimmen. Da haben wir uns über die Jahre als Gemeinschaft sehr gut weiterentwickelt und uns immer wieder an die Marktanforderungen angepasst. Zuletzt auch dadurch, dass wir unsere Showrooms mit der Möbelmeile-Frühjahr nun auch im April ein zweites Mal öffnen, parallel zu den Internationalen Partnertagen unseres Mitglieds Musterring. Damit bieten wir unseren Kunden nun auch einen gemeinsamen Termin für einen Besuch unserer Ausstellungen in der ersten Jahreshälfte an. 

MM: Wie feiert die Möbelmeile denn die 30 Jahre? 

Laukötter: Wir haben uns bewusst nicht für eine große Party entschieden, sondern haben uns im Frühjahr das Möbelmeile LAB selbst geschenkt. Jetzt feiern wir unsere Jubiläums-Möbelmeile im September mit unseren Kunden. Wir würden uns daher sehr freuen, wenn viele Händler in diesem Jahr das Jubiläum zum Anlass nehmen, uns wieder einmal in unserer Region zu besuchen. Das wäre für uns das größte Geschenk. Den Abschluss bildet dann der gemeinsame Besuch aller Ausstellungen am Freitag nach der Messe und ein geselliger Ausklang mit den Gesellschaftern. Dort werden wir dann das Glas auf eine hoffentlich erfolgreiche Hausmesse und unser Jubiläum heben.

Auch in den Seminarpausen wurde beim Möbelmeile LAB untereinander und mit den Referenten weiter diskutiert.

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