Markt für Haushalts- und Elektrogeräte
Zweifel an „Recht auf Reparatur“
Gütersloh. Die praktische Umsetzung des von der Europäischen Union (EU) beschlossenen „Rechts auf Reparatur“ stößt bei vielen Euronics-Fachhändlern für Haushalts- und Elektrogeräte auf Skepsis. Laut dem Repartly Service-Check 2025 gehen 64% der Befragten davon aus, dass die Hersteller die durch die neue Gesetzgebung entstehenden Herausforderungen auf den Fachhandel abwälzen möchten.
Mit Reparatur-Angeboten die Kundenbindung stärken ist für den Fachhandel das wichtigste Argument für einen eigenen Service. Mehr als die Hälfte der für den Repartly Service- Check 2025 befragten Euronics-Fachhändler berichtet, dass die Reparatur-Nachfrage für Haushalts- und Elektrogeräte in den letzten beiden Jahren deutlich zugenommen hat. Jeweils rund 60% der Fachhändler beklagen jedoch die mangelnde Reparierfähigkeit von Geräten und zu hohe Ersatzteilpreise. Das sorgt beim Kunden nicht nur für Verärgerung, sondern in Bezug auf die Kosten sogar häufig dafür, dass ein Reparatur-Angebot abgelehnt wird. Das von der Europäischen Union beschlossene „Recht auf Reparatur“ soll Abhilfe schaffen. Doch weniger als ein Viertel der Befragten erwartet, dass die Industrie sich um günstigere Ersatzteile bemühen oder mehr Wert auf die Möglichkeit zur Reparatur ihrer Geräte legen wird.
Zwei Drittel der Fachhändler (66%) geben an, dass die grundsätzliche Reparierfähigkeit eines Haushalts- und Elektrogeräts heute schon beim Kauf ein Thema ist. Entsprechend häufig zeigen sich Kunden auch verärgert, wenn ältere Geräte nicht wieder instandgesetzt werden können. Unabhängig vom eigenen Reparatur-Volumen berichtet die Mehrheit der befragten Händler (52%), dass die Nachfrage nach Reparaturen in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen ist.
Wenn ein Reparatur-Angebot auf Kundenseite dennoch abgelehnt wird, dann sind in erster Linie zu hohe Ersatzteilpreise schuld daran, wie zwei Drittel der Händler (67%) bestätigen. Besonders relevant ist das bei defekten Elektronik-Bauteilen, denn 40% der befragten Fachhändler können diese nicht selbst reparieren und sind auf die Bestellung von Ersatzteilen angewiesen.
Fehlende Fachkräfte stehen ganz oben auf der Liste der Schwierigkeiten, mit denen die Händler in ihren Werkstätten zu kämpfen haben. Direkt danach weisen 62% der Fachhändler auf die Problematik hin, dass ein hoher Anteil an Geräten aufgrund der Hersteller-Konstruktion überhaupt nicht repariert werden kann. Und auch die an dritter Stelle genannten hohen Kosten für Ersatzteile werden durch die Industrie verursacht. Woran es aber jedenfalls nicht mangelt, ist die Reparaturnachfrage der Kunden.
Das Vertrauen in die Industrie ist bei den Fachhändlern in Folge gering: Weniger als ein Viertel glaubt, dass die Hersteller sich um Lösungen für kostengünstigere Ersatzteile bemühen (24%) oder die Reparierfähigkeit ihrer Produkte verbessern werden (22%).
Der Repartly Service-Check 2025 basiert auf einer in den Monaten April und Mai durchgeführten Online-Befragung von 85 Euronics-Fachhändlern, die über einen eigenen Reparatur-Service verfügen.
