Matratzen-Industrie
Fordert verbindliche Kreislaufwirtschaft

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Wuppertal. Der Fachverband Matratzen-Industrie e. V. nimmt den bevorstehenden Tag des Schlafes am 21. Juni zum Anlass, um auf ein strukturelles Problem hinzuweisen: den fehlenden politischen Rahmen für die Kreislaufwirtschaft von Matratzen in Deutschland.

Der Tag des Schlafes fällt bewusst auf die Sommersonnenwende und soll das Bewusstsein für die Bedeutung erholsamer Nächte stärken. Die Matratzenindustrie möchte ihn zugleich als Weckruf an die Politik nutzen.

Jahr für Jahr fallen in deutschen Privathaushalten über sechs Millionen Altmatratzen an, die immer noch überwiegend verbrannt werden – obwohl viele Materialien recycelt werden könnten. Ein zentrales Instrument für die notwendige Transformation ist die Erweiterte Herstellerverantwortung (EPR): Sie verpflichtet Hersteller und Inverkehrbringer, Verantwortung für den gesamten Lebenszyklus ihrer Produkte zu übernehmen – inklusive Sammlung, Sortierung und Recycling.

Während Länder wie Frankreich, Belgien oder die Niederlande entsprechende Systeme bereits etabliert haben, fehlt in Deutschland nach wie vor ein verbindlicher Rahmen. Die Folge: Deutschland droht im europäischen Vergleich zurückzufallen. Gleichzeitig treibt die EU mit Initiativen wie Abfallrahmenrichtlinie und Ökodesign-Verordnung (ESPR) die Kreislaufwirtschaft weiter voran. „Die industriepolitische Richtung ist in Europa längst gesetzt. Trotzdem werden die vorhandenen nationalen Umsetzungsspielräume in Deutschland nicht genutzt“, so Martin Auerbach, Geschäftsführer des Fachverbands Matratzen-Industrie.

Dabei hat die Branche längst vorgelegt, wie der Verband zusammenfasst: Pilotprojekte zur Sammlung, Analyse und Zerlegung von Altmatratzen; belastbare Daten zu Mengenaufkommen und Materialzusammensetzung, Kooperationen entlang der gesamten Wertschöpfungskette (u. a. Unternehmerforum zirkuläre Matratze), Gründung der PRO „Matratzen Recycling Deutschland“ und intensiver Dialog mit Ministerien und politischen Initiativen. Gemeinsam mit Umweltverbänden und Partnern setzt sich der Verband aktiv für eine verpflichtende EPR ein. Denn klar ist: Ohne EPR keine Skalierung – ohne Skalierung kein Recycling.

Fehlende Rahmenbedingungen bremsen Investitionen

Ohne bundesweit verbindliches System fehlt es an der erforderlichen Planungs- und Investitionssicherheit, an ausreichenden Mengenströmen für wirtschaftliches Recycling und nicht zuletzt auch an finanziellen Anreizen für kreislauffähiges Produktdesign, wie der Verband betont.

Aus Sicht des Matratzenverbands ist die zögerliche Haltung der Bundesregierung daher nicht nachvollziehbar. Verweise auf weitere EU-Entwicklungen oder den Wunsch, Bürokratie zu vermeiden, greifen nach seiner Ansicht zu kurz. „Die rechtlichen Möglichkeiten sind vorhanden. Andere EU-Staaten haben es vorgemacht. Dass die Bundesregierung trotz des klaren Commitments der Industrie zögert, gefährdet die Wettbewerbsfähigkeit unserer Hersteller“, so Auerbach.

Deshalb fordert der Fachverband Matratzen-Industrie:

• zeitnahe Einführung einer verbindlichen EPR für Matratzen
• klare rechtliche Rahmenbedingungen für Sammlung und Recycling
• politische Unterstützung für Pilotanlagen und Demonstratoren
• Verlässlichkeit für Investitionen entlang der Wertschöpfungskette

Der Tag des Schlafes erinnert daran, wie wichtig Regeneration ist – für Menschen ebenso wie für Ressourcen. „Wer über guten Schlaf spricht, sollte also auch über nachhaltige Matratzen sprechen. Und wer Nachhaltigkeit ernst meint, darf die Kreislaufwirtschaft nicht länger vertagen“, so Auerbach.


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