Otto
Mit KI zurück in die Gewinnzone

Otto-CEO Dr. Boris Ewenstein und Andrea Becker, Bereichsvorständin Finance, HR und Services. Foto: Otto

Deutschlands größter Onlinehändler Otto hat seinen Plattformumsatz im vergangenen Geschäftsjahr auch dank Home & Living auf rund 7,5 Mrd. Euro gesteigert – ein Plus von 6%. „Wir sind wieder in der Gewinnzone“, sagte der neue CEO Dr. Boris Ewenstein auf der Jahres-Pressekonferenz in Hamburg. Zudem freue er sich, dass Otto über dem Marktdurchschnitt wachsen konnte, der im vergangenen Jahr nach Angaben des Bundesverbands E-Commerce und Versandhandel (bevh) bei rund drei Prozent gelegen hatte. „Das zeigt: Otto kann im verschärften Wettbewerb seine Position als größter deutscher Onlineshop nicht nur behaupten, sondern weiter ausbauen. Damit haben wir eine sehr starke Basis geschaffen, um in den nächsten Jahren weiter Marktanteile zu gewinnen." Detaillierte Zahlen zum Ergebnis werden im Mai veröffentlicht, wenn die Otto Group ihre Bilanz vorstellt.

Das Einzelunternehmen Otto peilt durch eine weitere Skalierung seiner Geschäftssäulen (Handelsgeschäft, Marktplatz und Services) bis zum Geschäftsjahr 2028 einen Umsatz von 10 Mrd. Euro an. Dabei soll auch der Einsatz Künstlicher Intelligenz als Wachstumstreiber dienen – nicht nur durch qualitative Datenanreicherung, die das Angebot der Hamburger auch von externen Systemen bestmöglich auffindbar macht. Vor allem sollen KI-gestützte Einkaufserlebnisse auf der Plattform zum Erfolg führen, die von Hyperpersonalisierung bis hin zur Fachberatung durch KI-Assistenten reichen. Stichwort: Agentic Shopping.

Erst vor kurzem hatten die Hamburger ihren selbst entwickelten und auf Google-Technologie basierenden KI-Assistenten präsentiert. Er führt die User der Otto-App im gesprochenen, überraschend natürlich klingenden Beratungsgespräch zum Wunschprodukt. „Der KI-Assistent verfügt über tiefgehendes Produktwissen zu rund 19 Millionen Artikeln, zu denen er spezifische und passende Beratung leistet. Er ist immer erreichbar und verliert nie die Geduld", so Ewenstein, für den damit eine neue Ära im Handel beginnt: „KI verändert die Kundenerwartungen grundlegend, aber auch die Möglichkeiten, Service und Beratung online auf ein ganz neues Level zu heben.“

Neben dem eigenen Handelsgeschäft, das um 3% Gross Merchandise Value (GMV) wuchs, trug auch der Marktplatz mit seinen rund 6.100 Partnern und einem Plus von 9% GMV zur Umsatzsteigerung bei. Das stärkste Wachstum auf Sortimentsebene im Vergleich zum Geschäftsjahr 2024/25 erfuhren dabei die Bereiche Fashion & Sports (+9 Prozent GMV) sowie Home & Living (+7 Prozent GMV). Weiteres Wachstum will Otto durch den Ausbau seines Sortiments erreichen, auch im Bereich Möbel und Einrichtung, der mit der neuen Eigenmarke Otto home zuletzt gestärkt wurde. 

Andrea Becker, im Bereichsvorstand unter anderem für die Finanzen zuständig, gab auf der Pressekonferenz ein klares Ziel aus: „Wir wollen auch weiter schneller wachsen als der Markt.“ Um dies zu erreichen, sei Transformation erforderlich, sprich: eine deutliche Kostensenkung. So plant das Unternehmen, am Hamburger Stammsitz 460 Vollzeit-Stellen abzubauen – „sozialverträglich“, wie Becker betonte. Bis zum Geschäftsjahr 2027/28 sollen die Kosten um 110 Mio. Euro auf dann 500 Mio. Euro gesenkt werden. Ewenstein: „Um im verschärften Wettbewerb dauerhaft zu bestehen, müssen wir Otto organisatorisch und wirtschaftlich zukunftssicher aufstellen. Dazu gehören Investitionen in neue Technologien und in unser Angebot – genauso wie die konsequente Weiterentwicklung unserer Strukturen und Prozesse.“

Denn, soviel ist klar: Temu, Shein & Co. schlafen nicht.


zum Seitenanfang

zurück