PM Oelsa – Wechselvolle und erfolgreiche Firmenhistorie seit 1869
150 Jahre Möbel vom Rabenauer Burgberg

PM Oelsa feiert sein 150-jähriges Firmenjubiläum mit Hausmesse und Sonderausstellung

Die Geschäftsleitung von PM Oelsa: Sven Herdmann, Dr. Andreas Käppler, Silke Gerstmann, Heiko Langer (v.l.). Fotos: PM Oelsa

Zur imm cologne 2019 startete PM Oelsa erfolgreich in sein Jubiläumsjahr. Der traditions­reiche Polstermöbelspezialist aus dem sächsischen Rabenau blickt auf eine 150-jährige Historie zurück. Dieses besondere Firmenjubiläum wird vom 13. bis 19. Juni 2019 in der Alten Börse Dresden mit einer Jubiläums-Hausmesse und einer Sonderausstellung auf über 2.000 qm gefeiert.

1869 ergriff Ferdinand Reuter die Initiative, suchte sich vier Kapitalgeber und gründete in Rabenau bei Dresden die Sächsische Holzindustrie AG ­(heute Polstermöbel Oelsa GmbH). Er wollte damit die Vision Wirklichkeit werden lassen, ein modernes Werk zur Produktion von Bugholzmöbeln zu errichten. Bugholzmöbel werden durch Biegen und Verformen von Buchenholzkanteln gefertigt. Damit dies technologisch möglich wird, müssen die Kanteln vorher durch heißen Dampf biegsam gemacht werden. Es waren nach 1869 vor allem Stühle, die nach dieser Technologie gefertigt wurden, ab 1918 kam die Produktion von ­Kinogestühl und die ersten Polster­möbel zum Sortiment hinzu.
In kurzer Zeit nahm das Unternehmen in Rabenau einen rasanten Aufschwung. Man besann sich auf die ­bereits seit 400 Jahren in der Region ausgeübte handwerkliche Stuhlbauerkunst. Historiker bezeichnen deshalb Rabenau als die Wiege des europäischen Sitzmöbelhandwerks.

Der älteste Polstermöbelbetrieb Deutschlands

1869/70 wurden neue Produktionsstätten auf den Grundmauern der Ruine der alten mittelalterlichen Burg ­errichtet, eine der ersten Dampf­maschinen der Branche angeschafft und in nur wenigen Jahren die Belegschaft auf einige hundert Mitarbeiter aufgebaut. Insbesondere Frauen ergänzten die Belegschaft vor Ort durch das Flechten der Stühle in der typischen Heimarbeit. Die Modelle wurden in Deutschland, aber auch in einigen europäischen Nachbarstaaten bis hin nach Australien und Südamerika verkauft.

Die Entwicklung des Unternehmens, heute der älteste Polstermöbelbetrieb in Deutschland, ist repräsentativ für 15 Jahrzehnte deutscher Wirtschaft­geschichte. Neben vielen Phasen des Aufschwungs gab es auch Rückschritte, Krisen, einige Jahre sogar die Stilllegung wie z. B. 1946. Alle Maschinen, Anlagen, Werkzeuge wurden ausgebaut und als Reparationsleistung  in die damalige Sowjetunion Russland geliefert.
Es galt in dieser historisch langen und sehr bewegten Zeit die Auswirkungen zweier Weltkriege, vieler Währungsreformen, Wirtschafts- und Branchenkrisen zu schultern. Immer war mehr oder weniger die gesamte deutsche Wirtschaft betroffen. Den Führern des Unternehmens gelang es mit der traditionell sehr gut ausgebildeten Mitarbeiterschaft diese Herausforderungen mit Erfolg zu meistern.

Neustart nach der "Wende"

Ganz anders die Situation 1989/90 zur sogenannten „Wende“ und Wiedervereinigung Deutschlands. Auf der einen Seite stand die leistungsstärkste ­Möbelindustrie Europas, gestärkt durch viele Jahre erfolgreichen Wirtschaftens. Wettbewerbsfähige Produkte und Technologien und stabile Marktpositionen zeichneten die meisten ­Unternehmen der alten Bundes­länder aus.
Auf der anderen Seite stand u. a. PM Oelsa, zerklüftet in über 60 zum Großteil marode Produktionsstätten, in die in der Regel viele Jahrzehnte nichts ­investiert wurde, die voll „auf Verschleiß gefahren“ wurden. Die tradi­tionellen Märkte (DDR-Markt, Osteuropa) waren zusammengebrochen. Die ­Produkte waren zum Großteil nicht wettbewerbsfähig, die Technologien veraltet, die Gebäude stark sanierungsbedürftig. Die Mitarbeiter, gut ausgebildet, waren auf Massenproduktion ausgerichtet. Die Führungskräfte hatten keinerlei Erfahrung in der Marktwirtschaft.
In diesen völlig ungleichen Wettbewerb mussten die DDR-Betriebe ohne Übergangszeit eintreten. Dass diesen Übergang von der Planwirtschaft in die Marktwirtschaft kaum ein Unternehmen überlebte, ist im nachhinein bei realer Betrachtung fast selbstverständlich. Mit der Privatisierung am 1.7.1992 und dem Kauf des Unternehmens durch die Gesellschafter Dr. Andreas Käppler (mittlerweile alleiniger Inhaber), Margit Titze und Paul Prediger wurde der Grundstein für die Fortführung der erfolgreichen Entwicklung unter marktwirtschaftlichen Bedingungen gelegt.

Umfangreiche Investitionen

Umso bemerkenswerter ist es, dass sich das Unternehmen PM Oelsa nun schon seit 30 Jahren im Markt behauptet. In der überaus komplizierten Branche muss diese Position auch heute noch Tag für Tag hart erarbeitet werden. Mit umfangreichen  Investitionen wurde das Unternehmen schrittweise saniert und zu einem der modernsten Polstermöbelfabriken ausgebaut.
In den 30 Jahren gab es manch kritische Situation für das Unternehmen. Dennoch ist es Dr. Käppler, der das Unternehmen seit 31 Jahren in unterschiedlichen Konstellationen leitet (seit elf Jahren mit Heiko Langer), gelungen, sich immer wieder flexibel und schnell den veränderten Bedingungen anzupassen.
Heute beschäftigt der auf Funktions- und Systempolstermöbel spezialisierte Betrieb rund 230 Mitarbeiter. Fast 5.000 Modellvarianten, 400 verschiedene Stoffe, mehr als 65 Lederarten und -farben zeichnen den Nischenplayer heute aus. In den Jahren 2009 bis 2011 wurde das Unternehmen nochmals stark modernisiert, die Gebäudestruktur erweitert und vor allem die Logistik und Produktionssteuerung auf die Beherrschung dieser Variantenvielfalt getrimmt. Mit Optimismus, aber ohne Euphorie tritt das Unternehmen nun in die nächste Periode seiner wechselvollen und erfolgreichen Geschichte ein.

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