Tapio – Neue Programme
„Wie wächst digitales Holz?“

Julian Spöcker, Head of Sales Tapio (links), und Tim Clermont, Service bei Tapio, gelernter Schreiner und Holztechniker, präsentieren im Gespräch mit material+ technik möbel das „Ökosystem für die Holzbranche“. Fotos: Tapio

Tapio will der Holzbranche nach eigener Aussage helfen, den Schritt in die digitale Zukunft zu schaffen. Mit einem offenen „Ökosystem“, will es den Unternehmen ermöglichen, dies selbst zu gestalten. material+technik möbel hat mit Julian Spöcker, Head of Sales, und dem gelernten Schreiner und Holztechniker Tim Clermont, der für den Service zuständig ist, über die Ziele und Produkte des Nagolder Unternehmens gesprochen.

m+t: Wie ist Tapio entstanden, Herr Spöcker?
Spöcker:
Die Fragen, die uns Ende 2016 bewegt haben, waren: „Wie sieht ein digitales Holz aus? Was wäre möglich, wenn zum Beispiel Maschinen, Werkzeuge und Materialien miteinander kommunizieren könnten?“ Denn in vielen Industrien konnte man beobachten, wie gestandene Firmen von außen überholt – neudeutsch „disrupted“ – wurden. Damit das in der Holzbranche nicht passiert, ermöglicht Tapio der Vielfalt der Industrie den Sprung in eine digitale Zukunft.

m+t: Was macht Tapio, um dies zu verhindern?
Spöcker:
Wir schaffen mit derzeit 31 Business-Partnern – die Zahl hat sich innerhalb eines Jahres verdreifacht – ein Ökosystem für die Holzbranche, um unsere Mission zu verwirklichen. Tapio Ökosystem bedeutet, dass unsere Geschäftspartner, Maschinen-, Werkzeug- und Materialhersteller, die Überzeugung teilen, dass die Zusammenarbeit für die digitale Zukunft entscheidend ist.
Tapio unterstützt seine Partner bei der Realisierung ihrer digitalen Lösungen, indem es die Entwicklung und den Betrieb gemeinsamer Funktionalitäten übernimmt. So können die Anwender sich auf ihr Fachwissen konzentrieren, anstatt sich zu einem Technologieanbieter zu entwickeln.

m+t: Sie nennen sich „Ökosystem“, ansonsten hört man Worte wie „Plattform“ oder „IoT Plattform“.  Was ist der Unterschied?
Spöcker:
Unser Ökosystem besteht aus einer lösungsorientierten Zusammenarbeit, zum Beispiel „MachineBoard“, sowie einer gemeinsamen Technologieplattform. So entstehen intelligente Anwendungen für Kunden jeder Größe. Der Alltag eines Schreiners ist sehr bunt, mit Maschinen, Werkzeugen und Materialien von verschiedenen Herstellern. Eine IoT-Plattform liefert in der Regel rein technische Komponenten, ein Ökosystem mit vielen Partnern liefert lösungsorientierte Anwendungen.

m+t: Sehen Sie keine Sicherheitsprobleme, wenn Maschinen mit dem Internet verbunden sind?
Spöcker:
Viele Studien zeigen, dass internetbasierte Lösungen deutlich sicherer sind als bisherige lokale Systeme. Sicherheit ist für die großen Anbieter von Rechenleistung aus dem Internet eine wesentliche Komponente, aus diesem Grund wird dort extrem viel Aufwand betrieben und viel mehr Erfahrung gesammelt. Damit bleiben die Anbieter immer auf dem neusten Sicherheits-Stand. Davon profitiert Tapio.

m+t: Wie bekomme ich Tapio und die Produkte?
Spöcker:
Sie registrieren Ihr Unternehmen einmalig auf Tapio. Dann können Sie in ihrem Profil Maschinen anlegen, Kollegen hinzufügen und die von Ihnen gekauften Services – sowohl von Tapio als auch den Partnern – Maschinen zuordnen und für Kollegen freigeben.
Wenn Sie zum Beispiel eine „Tapio ready“-Maschine mit der Funktion „QuickConnect“ haben, dauert es nur fünf Minuten bis die Maschine auf dem „Tapio MachineBoard“ mit ihrem aktuellem Zustand angezeigt wird. Auf Youtube unter „Tapio transparent“ finden Sie eine einfache Videoanleitung dafür.

m+t: Kennen Sie als Softwarefirma die Produktion von Kunden?
Clermont:
Ja absolut. Ich bin gelernter Schreiner und Holztechniker, habe jahrelang selbst in der Produktion gearbeitet und kenne die Realität unserer Kunden nur zu gut. Ich erinnere mich noch an Situationen, wo ich heute denke, da hätte ich gerne Tapio Services genutzt.
Damals ging eines morgens der Rechner einer CNC kaputt. Die Folge daraus war: zwei Tage Werkzeug neu vermessen und wieder einrichten. Jetzt sagen manche, „so schwer ist das nicht“. Diejenigen, die einen 75-fach-Werkzeugwechsler mal eingerichtet haben – so dass auch wieder alles mit den Programmen passt, ohne groß nachzustellen – wissen, wovon ich rede. Hätte der Maschinen-PC damals „DataSave“ gehabt, hätte ich nicht wieder meine ganzen Werkzeuge neu einrichten müssen.
Mit dem Tool werden alle Konfigurationsdaten bei Tapio gespeichert und bei Totalausfall kann ich diese einfach wieder downloaden. Das Hochladen geschieht nach kurzem Einrichten automatisch.

m+t: Was bietet Tapio für den Schreiner?
Spöcker:
Tapio selbst bietet heute drei eigene Lösungen: „MaschineBoard“, „ServiceBoard“ und „DataSave“.
 
m+t: Was ist der Vorteil für mittelständische Kunden bei der „MachineBoard“-App?
Spöcker:
Damit hat der Maschinenbediener immer einen aktuellen Stand seiner Maschinen auf
seinem SmartPhone. Er wird vorbeugend informiert, wenn ein Be­diener­eingriff – wie Werkzeug- oder Etikettenrollenwechsel – nötig ist und kann so deutlich besser und schneller Stillstände vermeiden.

m+t: Hat Tapio auch Lösungen für Schreiner und vor allem für das Thema Service?
Spöcker:
Ja, die gibt es. Es ist uns wichtig, dass es für alle Kunden kleine Helfer für die tägliche Arbeit gibt.
Mit dem „ServiceBoard“ kann der Kunde Servicefälle schnell und einfach inklusive Bilder anlegen und dem richtigen Servicepartner schicken. Dieser kann zudem mit der Videofunktion mittels SmartPhone oder Tablet beim Schreiner gemeinsam den Servicefall lösen. Das macht die Maschinen schnell wieder verfügbar und spart Kosten.
Clermont: Hätte ich diesen „Helfer“ zu meiner Schreinerzeit gehabt, wäre das ein oder andere sicher schneller gegangen.

m+t: Was gibt es von Ihren Partnern?
Spöcker:
Eine Reihe Maschinenhersteller haben sich bereits in unsere Produkte integriert, so dass Sie zum Beispiel mittels „Machine Board“ aufs SmartPhone herstellerübergreifend Informationen zu verschiedenen Maschinentypen bekommen. Mit „intelliDivide“ hat Homag eine Lösung verfügbar, die die Zuschnittsoptimierung auf das nächste Level hebt. Wir selbst haben nicht das Fachwissen für Details von Produktionsschritten. Stellen Sie es sich so vor, Tapio konzentriert sich auf gemeinsame Funk­tionen, die Partner auf ihr Know-how, man könnte sagen, Tapio ist ein Gärtner, der das Blumenbeet bestellt, für Wasser, Dünger und Co sorgt. Jeder Partner kann dann sein Pflänzchen einpflanzen.

m+t: Was können wir von Ihnen auf der Ligna erwarten?
Spöcker:
Besucher können sich auf neue spannende Anwendungen freuen und direkt erleben, wie unsere Partner und Tapio ihnen helfen, den Alltag besser zu meistern. Wir wissen, dass die größten Probleme unserer Kunden pragmatische Antworten erfordern. Tapio wird auch das ein oder andere noch nicht dagewesene digitale Thema auf der Ligna zeigen. Sie dürfen also gespannt sein.

m+t: Vielen Dank für das Gespräch. Das Interview führte Klaus Leonhard.

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