Verbände der Deutschen Wohn- (VdDW) und Polstermöbelindustrie (VdDP)
Mehr Durchsetzungskraft der Möbelverbände angestrebt

Am 13. November fanden die Vorstände des Verbands der Deutschen Wohn- (VdDW) und Polstermöbelindustrie (VdDP) an getrennten Standorten zu ihren Herbstsitzungen zusammen. Im Fokus standen die Geschäftstätigkeit, Rechtsfragen, das DCC mit der Logistikinitiative Zimlog, die kommende imm cologne und LivingKitchen sowie – als Gastreferent war dazu eigens VDM-Chef Jan Kurth aus Bad Honnef angereist – die geplante Stärkung der Verbändelandschaft „Möbel“ im Interesse von Branche und Unternehmen.

Am Vormittag des Sitzungstags war der Wohnmöbel-Vorstand Gast des Hauses Hartmann Möbelwerke GmbH in Beelen. Holger Hahnhardt begrüßte die angereisten Gäste im Namen des Unternehmens und seines Inhabers Bernhard Hartmann.

Vor kleinem Kreis stellte eingangs DCC-Geschäftsführer Dr. Olaf Plümer den Arbeitsstand im Daten Competence Center e.V. bezüglich Formatentwicklung und dreidimensional darstellender Konfiguratoren vor. Mit Nachdruck und unter allseitiger Zustimmung erläuterte Dr. Plümer die umfassenden Vorzüge eines neutralen Daten-Austauschformats – wie beispielsweise das IDM in der Möbelbranche – gegenüber proprietären Lösungen. Letztere verschaffen zwar dem jeweiligen Software-Entwickler Abhängigkeitsvorteile, jedoch keinen Nutzen für die reibungslose Kommunikation im Datennetzwerk von Industrie und Handel.

Andreas Ruf informierte anschließend die VdDW-Vorstände über den Arbeitsstand in der gemeinsamen Logistikinitiative Zimlog. Dort gehen die Vorhaben zügig voran: Das Pilotprojekt zu Entladehelfern ist bereits zum 10. September gestartet, die über ‚de-minimis‘ geförderte Frachtbörse move-hub.eu nimmt ihre Arbeit zu Jahresbeginn 2019 auf. In diesem Zusammenhang verwies Ruf darauf, dass in aktiven Vertrags- bzw. Lieferbeziehungen der Möbelhandel unter Abnahmezwang bestellter Ware stünde.

Statistische Erhebung nach Wohnmöbel-Segmenten geplant

Im allgemeinen Geschäftsbericht übernahm Verbandsmitarbeiter Christian Langwald den statistischen Teil. Hier ist besonders erwähnenswert, dass sich der VdDW-Vorstand künftig für eine massive Ausweitung der erfassten Unternehmen in der Absatzstatistik stark machen wird. Ziel ist, die Grundgesamtheit meldender Teilnehmer auf das Niveau der Küchenmöbelindustrie zu heben. Erst dann kann es auch gelingen, die große und uneinheitliche Gruppe der „Wohnmöbel“ besser nach Segmenten aufzugliedern und wirtschaftlich zu bewerten.

Nach Erläuterungen zum Datenschutz verwies Dr. Plümer auf die einseitige Änderung der Methodik der Formaldehydmessung durch das Umweltbundesamt – ein nicht harmonisiertes deutsches Vorgehen, dass ab 2020 importierte Möbel besserstellt, da diese nach anderer Systematik in anderen europäischen Ländern bewertet werden. In diesem Kontext stellte VdDW-Vorsitzender Markus Wiemann klar, dass die nächste Vorstandssitzung das Thema „Positionierung der Branche gegenüber der Öffentlichkeit“ aufgreifen werde.

Diese Steilvorlage griff Jan Kurth, aus Bad Honnef angereister VDM-Hauptgeschäftsführer, auf und holte sich ein Meinungsbild des VdDW – am Nachmittag dann des VdDP – zu der geplanten Erhöhung der Schlagkraft der Möbelverbände und des HDH im Interesse der gesamten Holz- und Möbelbranche ein. Ein erster Schritt, so Kurth, wurde mit der Besetzung der Führungsposition des HDH-Hauptstadtbüros durch die 34-jährige Europawissenschaftlerin Carolin Lanzke Anfang November getan. Bis Ende Januar sei nun durch die Leitungsgremien von Haupt-, Regional- und Bundesfachverbänden zu erarbeiten, wie sich die Möbelindustrie künftig noch durchsetzungsstärker aufstellen will.

VdDP tagte bei der 3C-Holding

Unter ähnlichen Schwerpunkten versammelten sich am Nachmittag des 13. November die Vorstände des Verbands der Deutschen Polstermöbelindustrie in Rheda-Wiedenbrück. Die insgesamt rund 20 Teilnehmer der Sitzung waren der Einladung von Jürgen Kleinegesse in den Sitz seiner 3C-Holding GmbH gefolgt. Nach einer kurzen, beeindruckenden Unternehmenspräsentation übernahmen Claire Steinbrück und Bernd Sanden von der Koelnmesse das Wort.

Die kommenden Events imm cologne und LivingKitchen seien demnach in einer vorzüglichen Position, die webbasierte Anfrage auf Besucherseite überträfe bereits alle Erwartungen. 65.000 kostenlose Gutscheincodes stellt die Messegesellschaft den Ausstellern für ihre Besucher bereit, neue Social-Media-Kampagnen werden das Profil der Veranstaltungen ebenso schärfen wie die künftige Aufteilung der Kommunikation in B2B und B2C. Bemerkenswert auch das Sonderprogramm zu den Messen: Neben einer Präsentation zu „100 Jahren Bauhaus“ werde vor allem die Hochwert-Ausstellung deutscher Markenmöbler „Trend Atmospheres“ in Halle 11.3 ein beeindruckendes Highlight werden.

Das Bundeskartellamt „entdeckt“ den Möbelhandel

Andeas Ruf informierte im Geschäftsbericht anschließend die VdDP-Vorstände über den inzwischen regelmäßigen Austausch zwischen den Möbelverbänden und dem Bundeskartellamt. Insbesondere sei das Umdenken in diesem Amt hinsichtlich der bisher anscheinend unbegrenzten Schutzwürdigkeit des Online-Handels bemerkenswert. Hierbei dürften die erfolgreichen rechtlichen Auseinandersetzungen des VdDP-Mitglieds Cor wohl Vorschub geleistet haben. Einen zweiten Schwerpunkt in den Ausführungen Rufs bildete das ‚Kooperationsnetzwerk Möbelindustrie‘ und das bisher für 13 Möbelhersteller wirksam installierte Compliance System.

Handel und Industrie müssen Wertschöpfungspartner sein

Bevor die Vorstandssitzung mit Regularien und anderen, am Vormittag dem VdDW-Vorstand vorgestellten Themen schloss, stellte HGF-Assistentin Corinna Kronsbein den Komplex „Vertragsstrafen“ bzw. Strafen für Lieferverzug vor. Ausgelöst durch die Insolvenz der Alno AG hatten umgelenkte Versorgungsströme zu außergewöhnlichen Kapazitätsbelastungen in der Küchenmöbelindustrie und im Nachgang zu – fast immer unberechtigt – verhängten Vertragsstrafen wegen Lieferverzug geführt.

In diesem Zusammenhang hatten betroffene Möbelverbände eine grundlegende rechtliche Bewertung der AGB des Handels veranlasst. In der Zwischenzeit hat die Wettbewerbszentrale einige Einkaufsverbände abgemahnt, die ausstehenden Unterlassungserklärungen haben zwischenzeitlich zur Eröffnung eines Musterverfahrens geführt.

Hierbei steht auch im Raum, ob die zunehmende Einkaufsmacht des Möbelhandels kartellrechtliche Bedeutung erfährt. Kronsbein betonte allerdings, dass es ausschließlich um die Wiederherstellung einer verlässlichen Rechtsbasis gehe. Denn aus Sicht von Industrie und deren Verbänden wäre eine beiderseits partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen Handel und Herstellern auch wegen des zunehmenden äußeren Drucks auf die gesamte Branche dringlicher denn je.


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