Verband der deutschen Möbelindustrie
Lieferketten stehen weiter unter Druck

Jan Kurth, Geschäftsführer der Möbelverbände (VDM/VHK). Foto: VDM

Von den Betrieben der deutschen Möbelindustrie ist angesichts der aktuellen Rahmenbedingungen viel Flexibilität gefragt. Bei der Materialverfügbarkeit zeichnet sich derzeit zumindest eine Stabilisierung auf schwierigem Niveau ab, wie die jüngste Verbandsumfrage der Verbände der deutschen Möbelindustrie (VDM) ergab. So gaben 56% der befragten Möbelhersteller an, dass sich die Materialverfügbarkeit im Mai 2022 im Vergleich zum Monat März 2022 nicht weiter verschärft habe. Rund 8% der Unternehmen sprechen von einer Entspannung. Eine Zuspitzung der Beschaffungssituation sehen 36% der befragten Unternehmen. „Und Materialverfügbarkeit hat einen hohen Preis, denn die Kosten für Zulieferprodukte und Komponenten steigen aktuell weiter an“, betont VDM-Geschäftsführer Jan Kurth. „Zudem stehen die Lieferketten nach wie vor stark unter Druck.“ So berichten in der Umfrage drei Viertel der Hersteller, dass sie bei der Materialbeschaffung von den direkten oder indirekten Auswirkungen des Ukraine-Kriegs betroffen sind. Problematisch gestaltet sich insbesondere der Einkauf von speziellen Schichthölzern, die bisher zum überwiegenden Teil aus Russland bezogen wurden und für die Produktion von Lattenrosten und Polstergestellen benötigt werden. Auch die Beschaffung von Stahlkomponenten stellt sich anspruchsvoll dar. „Zum Problem könnte für unsere Branche auch der Containerstau vor Shanghai werden“, so Kurth. „Erst in einigen Wochen wird sich zeigen, in welchem Ausmaß etwa die Lieferungen von elektronischen Bauteilen von Verzögerungen betroffen sind.“ Als eine der größten Belastungen werde in der Branche die seit Kriegsausbruch nochmals beschleunigte Steigerung nahezu aller Materialpreise gesehen. Hinzu kommen die gestiegenen Energiepreise. Kurth: „Vor diesem Hintergrund ist ein fairer Umgang innerhalb der Wertschöpfungskette wichtiger denn je.“
Auch bei anderen Themen müsse die Branche stärker zusammenstehen. Dazu zähle beispielsweise die Optimierung der Logistikprozesse. „Der eklatante Fahrermangel verursacht immense Schwierigkeiten in der Logistik. Hinzu kommen die Probleme bei der Anlieferung an den Handel“, so der VDM-Geschäftsführer. Der Blick auf die zweite Hälfte dieses Jahres ist von vielen Unsicherheiten geprägt. Da ist zum einen die Sorge vor einem Erdgas-Lieferstopp, der gasintensive Industrien zum Stillstand bringen könnte. Schwer einzuschätzen sind zudem die Folgen der inflationären Tendenzen und der steigenden Bauzinsen und -kosten auf das ohnehin schon schwache Konsumklima. Der Auftragseingang liegt zwar noch immer über dem Vorjahresniveau. Eine leichte Abschwächung der Nachfrage ist jedoch spürbar, vor allem im unteren Preissegment. „Optimistisch stimmt uns aber, dass der Stellenwert des eigenen Zuhauses seit Beginn der Pandemie stark gestiegen ist. Das Interesse der Verbraucher an den Themen Wohnen und Einrichten wird hoch bleiben, davon sind wir überzeugt“, betont Kurth. „Und unsere Unternehmen sind flexibler aufgestellt als noch vor zwei Jahren und für die großen Herausforderungen besser gewappnet.“


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