VHK Herford
Holzmechaniker „auf Probe“

Industrie auf Nachwuchssuche: Schüler mit praktischem Möbelbau begeistern

Foto: VHK Herford

„Innovationen im Lebensraum Schule“ heißt ein Projekt des Vereins Experimint, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Begeisterung von Schülern für die sogenannten Mint-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) zu steigern. An der Kirchlengerner Erich-Kästner-Gesamtschule wurde daraus in der zweiten Oktoberwoche ein Event: Mit Unterstützung der Möbelverbände Herford und der Industrie sammelten vier Schülerteams praktische Erfahrungen beim Bau von Sitzmöbeln – und die beteiligten Unternehmen versuchten, dieses Engagement zur Nachwuchsgewinnung zu nutzen.

Die Möbelindustrie gehört zu den strukturbestimmenden Wirtschaftszweigen in Ostwestfalen und dem Umland. Aber in Zeiten jugendlicher Begeisterung für E-Games, Instant-Messaging-Dienste, Smartphones bzw. für IT als Ganzes haben es traditionelle Branchen immer schwerer. Nicht nur eine Frauenquote um aktuell 10% in technischen Berufen sei dafür schlagender Beweis.

Möbelindustrie mit Nachwuchssorgen

„Gegenwirken“ heiße also das immer drängendere Gebot, das sich holzbearbeitendes Handwerk und Möbelindustrie mit Priorität auf die Fahnen geschrieben haben – im Großen, auf Ebene des Dachverbands VDM, ebenso wie im Kleineren. Zum Beispiel in Regionen wie Ostwestfalen, wo sich die Herforder Verbände der Holz- und Möbelindustrie und die Industrie gemeinsam um motivierten Ausbildungsnachwuchs für das Berufsbild Holzmechaniker engagieren.

Erst letzte Woche prägte ein Möbelbau-Event das Leben in der Erich-Kästner-Gesamtschule in Kirchlengern im Kreis Herford. Unter dem Dach des Vereins Experimint waren es vier, nahezu paritätisch mit Mädchen und Jungen besetzte Schülerteams, die erste eigene Erfahrungen beim Bau von Sitzmöbeln sammelten.

Holzmechaniker: Schüler für technische Berufe begeistern

Unterstützt wurden die 15- bis 16-jährigen Jungen und Mädchen von den Industriebetrieben Nolte Küchen, Löhne, und Febrü Büromöbel, Herford, die mit Ausbildungsverantwortlichen wie Jens Rotert (Nolte) oder Thorsten Kallisch (Febrü) und mehreren Lehrlingen mit Rat, Tat, Material und vielen Informationen um den mittlerweile deutlich IT-geprägten Beruf „Holzmechaniker“ zur Seite standen.

Praktische Erfahrungen helfen bei der Berufswahl

Auch wenn nach dem Workshop zur Ideenentwicklung sowie drei Tagen und Abenden mit dem Bau von eigens entwickelten Sitzmöbel-Prototypen nicht alle der begeistert mitwirkenden Schüler später eine Ausbildungsstelle in der Möbelindustrie suchen werden: Das Sammeln eigener handwerklicher Erfahrungen und der Austausch mit gestandenen Praktikern bedeuteten viele neue Eindrücke für die Kids.

Damit nicht alle „nur zum Studium in die Großstadt ziehen und nicht mehr zurückkommen“, wie Bürgermeister Rüdiger Meier aus Sicht einer kleinen, dem demografischen Umbruch ausgesetzten Kommune feststellte. Das Kirchlengerner Stadtoberhaupt, Imke Rademacher von Experimint sowie Corinna Kronsbein von den Herforder Möbelverbänden bildeten zugleich die Jury, die die vollendeten ‚Schülerwerke‘ zu Projektende am 10. Oktober in Augenschein nahmen und der Prüfung unterzogen.

Fachkräftemangel? Möbelverbände Herford bleiben engagiert

Unter Begleitung und Beifall vieler Eltern, der Industrievertreter und mancher Lehrer – allen voran Volker Muskat, der die Teams rundum betreut hatte – wurde zum Abschluss der „Ideen für eine lebendige Schule!“ das Team mit Lee Ann Bredenkamp, Tabea Lütkemeier, Sören Oberhacke und Tim Schreieck für ihre Polstergarnitur aus Kissen und Europaletten zum Sieger gekürt.


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