VHK Westfalen-Lippe
Gemeinsame Lehrfabrik der Möbelindustrie gegründet

Teilnehmer an der Gründungsveranstaltung der „Lehrfabrik Möbelindustrie“ am 8. Juli im Herforder Museum „MARTa“. Foto: Verbände der Holz- und Möbelindustrie Nordrhein-Westfalen e.V.

Nach rund zweieinhalb Jahren Vorarbeit haben die Verbände der Holz- und Möbelindustrie Nordrhein-Westfalen und zehn Unternehmen aus der Möbelbranche am 8. Juli 2021 eine gemeinsame Lehrfabrik für die Holz- und Möbelindustrie als Genossenschaft im westfälischen Löhne gegründet.

„Nach Corona ist vor dem Fachkräftemangel“, sagte Jan Kurth (VHK-VDM), zur Eröffnung der Gründungsversammlung. Getrieben vom Fachkräftemangel, dem demografischen Wandel, der Digitalisierung und dem aktuell hohen Durchschnittsalter der der Beschäftigten in der Branche wollen der Verband der Deutschen Möbelindustrie (VDM) gemeinsam mit den Herforder Möbelverbänden, der Wirtschaftsförderung des Kreises Herford und weiteren Kooperationspartnern damit dieser Herausforderung begegnen.

Bei der Aus- und Weiterbildung bestehe aktuell Handlungsbedarf. „Wir wollen damit beitragen, die Arbeitsplätze in der Branche attraktiver zu machen. Mit der Gründung haben wir einen sehr guten Grundstein dazu gelegt“, sagte Andreas Wagner, Vorsitzender VHK Westfalen-Lippe und Geschäftsführer Rotpunkt Küchen. Das Projekt sei richtungsweisend für die Branche.

Das mit acht bis neun Millionen geplante Projekt soll im 4. Quartal 2022 an den Start gehen. Etwa fünf Millionen fallen für die Gebäude an, drei Millionen für Ausstattung. Finanziert wird die Lehrfabrik durch die Gesellschafter, den Möbelverband, die BANG-Netzwerke, Technologiepartner, den Landkreis Herford und lokale Kreditinstitute.

Die Lehrfabrik soll unter der Regie von „BANG“, dem Beruflichen Ausbildungs-Netzwerk im Gewerbebereich, und Industriepartnern ein Leuchtturmprojekt für die Branche werden. Mit an Bord sind 20 Technologiepartner und 16 Partner für Betriebsmittel.

Dieses Bildungszentrum soll eine hochwertige praxisnahe Berufsausbildung mit Blick auf neue Technologien organisieren, die Attraktivität unserer Branche verbessern und den Nachwuchssorgen begegnen“, sagte Kurth. Auf diesem Weg sollen die Individualkosten der Unternehmen für die Ausbildung vertretbar bleiben.

Auch die Stadt Löhne, die sich mit dem Standort für die Lehrfabrik gegen andere Bewerber wie Gütersloh oder Paderborn durchsetzen konnte, und der Landkreis Herford freuen sich über das Projekt. "Wir bekommen damit ein Prachtstück für die Weltstadt der Küchen“, findet Ulrich Niemeyer Baudezernent der Stadt Löhne als Vertreter des Bürgermeisters. Und der Landrat des Kreises Herford, Jürgen Müller, sieht den „Standort weiter gestärkt“.

Man habe mit der Gründung die Voraussetzungen geschaffen, um die Unternehmen für Industrie4.0 zu wappnen, so Projektleiter und BANG-Geschäftsführer Markus Kamann, der über die Gesellschaft für Projektierungs- und Dienstleistungsmanagement mbH (GPDM, Paderborn) bundesweit verschiedene „BANG“-Zentren betreibt.

Die unternehmensübergreifende und „state-of-the-art“ ausgestattete Lehrfabrik wird ein modernes, zweigeschossiges Trainingszentrum für Möbelhersteller und ihre Technologiepartner bzw. Zulieferer mit ca. 2.800 m2 Brutto-Nutzfläche. Hier können wichtige neue Themen wie Robotik und KI mit Maschinen und Anlagen, die auf höchstem Niveau sind und immer wieder auf den neuesten Stand gebracht werden, ausgebildet werden.

Die Lehrfabrik hat ein Einzugsgebiet von etwa 200 Kilometern Radius. Der Baubeginn ist im Herbst 2021. Der Gebäudekomplex ist als Effizienzhaus 55 (BEG) konzipiert, zudem gehört ein Boardinghaus zur Lehrfabrik. Ab 2022 werden eine Vielzahl verschiedener Bildungsmodule für sechs Berufsbilder angeboten und jährlich rund 200 interessierte Nachwuchskräfte und Lehrlinge einschließlich Umschülern erwartet.

Aufsicht auf die Lehrfabrik mit Schulungsräumen im Obergeschoss und den Maschinenstraßen der Fertigung im Erdgeschoss. Abbildung: VHK Westfalen-Lippe

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