Deutsche Möbelindustrie
Export aktuell schwächer als der Inlandsmarkt

Foto: Markus Distelrath/Pixabay

Hinter der deutschen Möbelindustrie liegt ein schwieriges erstes Halbjahr. Die negativen Auswirkungen der Coronakrise waren dabei auch im Auslandsgeschäft deutlich zu spüren, wie Jan Kurth, Geschäftsführer des Verbandes der Deutschen Möbelindustrie (VDM) und der Möbelfachverbände, auf der gestrigen Pressekonferenz zur wirtschaftlichen Situation der Branche verriet.

Der Auslandsumsatz der deutschen Möbelindustrie sank im ersten Halbjahr um 13,2% im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Dagegen ging der Inlandsaumsatz lediglich um 8,2% zurück. Das Exportgeschäft litt unter dem Nachfragerückgang infolge der Lockdown-Maßnahmen in verschiedenen Ländern, den internationalen Reisebeschränkungen, den negativen Auswirkungen des Brexits und dem Handelskonflikt zwischen den USA und China.

Die Schweiz löst Frankreich als wichtigsten Exportmarkt ab

Die deutschen Möbelexporte sanken im ersten Halbjahr 2020 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 11,9% auf 3,3 Mrd. Euro. In den meisten Ländern ging der Absatz aufgrund der negativen Auswirkungen der Coronakrise deutlich zurück, wenngleich es auch hier Ausnahmen gab. „Besonders erfreulich ist die Steigerung der Ausfuhren in die Schweiz als mittlerweile wichtigsten Exportmarkt der deutschen Möbelindustrie mit einem Plus von 4,6%“, so Kurth. Frankreich als jahrelang erste Zielregion für deutsche Möbel belegt aktuell Platz zwei im Ranking der wichtigsten Exportmärkte mit einem signifikanten Minus von 18,2%, gefolgt von Österreich mit einem Minus von 15,9%.

Die Industrieexportquote lag im ersten Halbjahr 2020 infolge des überdurchschnittlichen Rückgangs der Exporte bei 31,2% und damit deutlich unter dem Niveau des Vorjahreszeitraums (32,4%). Dies ist der erste signifikante Rückgang der Exportquote seit Jahren, denn zwischen den Jahren 2000 und 2019 konnte diese mehr als verdoppelt werden.

Importe leicht rückläufig

Nachdem die deutschen Möbelimporte im Gesamtjahr 2019 noch leicht gestiegen waren, sanken sie von Januar bis Juni 2020 um 8,4% auf 3,9 Mrd. Euro. Die Dynamik in den einzelnen Ländern zeigte sich jedoch uneinheitlich. Überdurchschnittlich stark stiegen die Einfuhren aus Vietnam (+11,5%), Rumänien (+15,1%), Indonesien (+7,3%) und Belarus (+33,2%). Polen verlor dagegen 12,6%, blieb jedoch wie in den vergangenen Jahren das mit Abstand wichtigsten Möbelherkunftsland. Mehr als jedes vierte nach Deutschland importierte Möbel (29,7%) stammt inzwischen aus unserem östlichen Nachbarland. Die Einfuhren aus dem zweitwichtigsten Importland China gingen um 1,9%, die Importe aus dem drittplatzierten Italien um 16,5% zurück.

Das Außenhandelsdefizit stieg im bisherigen Jahresverlauf um 19,6% auf rund 0,6 Mrd. Euro. Ursächlich hierfür war der im Vergleich zum Rückgang der Importe höhere Rückgang der Exporte.


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